Anleitung für Verliebte: Der perfekte Liebesbrief zum Valentinstag

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Es gibt nichts Persönlicheres, als am Valentinstag einen ehrlichen Brief an seinen Partner zu schreiben. Doch ihn zu verfassen, fällt nicht immer leicht. Laura Nunziante ist Ghostwriterin für Liebesbriefe und erklärt, wie Sie ganz einfach zum perfekten Liebesbrief kommen:

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Anleitung zum perfekten Liebesbrief

Es ist Valentinstag. Der Gedanke zu einem besonders romantischen Geschenk liegt verdächtig nahe. Warum also nicht einen Liebesbrief an den Partner schreiben?

Dennoch darf er nicht zu kitschig sein, und in keinem Fall schnöselig. Der Brief muss nicht an Kafka heranreichen, sollte aber genauso wenig die literarische Qualität von Boris Becker einfangen. Vielleicht fragen Sie sich in diesem Moment: Der perfekte Liebesbrief, wie geht der eigentlich?

Im Folgenden habe ich wichtige dramaturgische Meilensteine für Sie zusammengefasst. Sie ergeben am Ende des Artikels, Stück für Stück, einen gesamten Liebesbrief für Ihren Partner.

„Liebe/r“ schafft Distanz

Sie werden es nicht glauben, aber das kleine Wörtchen „Liebe/r“ schafft eine sofortige Distanz zum Leser. Der durchaus melodiöse Einstieg schafft zwar Rhythmus. Den können Sie im Verlauf des Schreibens aber unmöglich aufrecht erhalten. Er ist nämlich eine unweigerliche Einladung zum Kitsch. Nach dieser Zeile können nur noch Regenbogen und Traumschlösser folgen. Abhilfe schafft da der klare Name, der die Ernsthaftigkeit ihrer Gefühle suggeriert:

Falsch: Liebe Sophie

Richtig: Sophie,

Der szenische Einstieg

Steigen Sie nicht zu schwer ein. Wählen sie eine aktuelle Metapher, einen Vergleich mit den Gepflogenheiten der Natur. Die können Sie dann mit Ihren Gefühlen in Verbindung bringen. So schaffen Sie einen idealen Übergang zur Grundthematik Ihres Briefes.

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Kommen Sie dabei nicht auf die Idee, die Lippen ihrer Partnerin mit den roten Rosen im Garten des Nachbarn zu vergleichen. Das ist die Poesie des Ewiggestrigen. Ein sympathischer Wesenszug wäre zum Beispiel, Ihre Ängste anzusprechen und sich somit nackt und offen vor Ihrem Partner zu zeigen.

Wir alle warten schon lange auf den Winter in Deutschland. Vergebens – denn nicht eine Schneeflocke ist auf den Pflastersteinen liegen geblieben; nicht ein Tannenzapfen erfroren.
Und doch fühlt sich alles nutzlos und kalt in mir an, weil ich dir viel zu wenig sage, was du mir bedeutest. Das ist mir in diesen Tagen bewusst geworden.

Details, statt ein plumpes „Ich liebe dich“

Eine unumstößliche Regel ist: die heiligen drei Worte werden immer gesagt – niemals geschrieben. Da die Grundaussage eines „Ich liebe dich“ in einem Liebesbrief dennoch nicht fehlen sollte, ist es wichtig, dass Sie auf andere Weise klarmachen, wie ernst Sie es meinen.

Denken Sie nach: wie verhält sich Ihr Partner, wenn er mit Ihnen alleine ist? Welches kleine Detail oder welche niedliche Angewohnheit fällt an ihm besonders auf? Gut gewählte Beispiele zeigen, dass Sie Ihren Empfänger kennen - und ihn wirklich so lieben, wie er ist.

Dabei sind es doch schon die kleinen Dinge, die mich an dir faszinieren. Wenn du den Teebeutel genau drei Mal in das heiße Wasser tunkst, bevor du ihn endgültig rausnimmst. Wenn du morgens mit der gesamten Bettdecke auf deiner Seite aufwachst und ich an deinen mit blauem Mascara verklebten Wimpern sehe, dass du noch im Halbschlaf liegst.
Ja, genau in diesen Momenten – und mögen sie noch so unbedeutend erscheinen in unserer nach Bedeutung strotzenden Lebenswelt – erkenne ich, wie nah wir uns gekommen sind.

Der dramaturgische Höhepunkt

Wie jeder Text lebt auch ein Liebesbrief von einer dramaturgischen Abfolge, einem inhaltlichen Klimax. Nachdem Sie den Empfänger nun in eine gefühlvolle Grundstimmung versetzt haben, ist es an der Zeit alle Karten auf den Tisch zu legen.

Wichtig ist hierbei, dass Sie auch rhythmisch schneller komponieren. Auf einen langen Satz mit vielen Nebensätzen, folgt ein kurzer mit einer schnellen und harten Punktsetzung. Damit suggerieren Sie Ihrem Partner, dass sie bei der Endthese angekommen sind. An diesem Punkt stehen Sie gerade in ihrer Beziehung.

Oft beschleicht mich das Gefühl, dass ich dich irgendwann verlieren werde, dass du einen Besseren findest und erkennst, dass ich dir nicht alles geben kann. Vielleicht willst du dich weiter entwickeln, willst diese ganzen Streitereien um Nichtigkeiten nicht länger ertragen; ja vielleicht machst du deine Drohung, mich zu verlassen, sogar wahr, weil du es leid bist, auf meine Anrufe zu warten; weil du nicht verstehen kannst, dass ich mir nie Gedanken um uns mache, ohne, dass du mich darum bitten musst. Und das alles macht mir soviel Angst, dass ich mich oft verkrieche, mich weiter von dir entferne und dir nicht mehr zeigen kann, was tief in mir drin verborgen liegt.

Sophie, die Wahrheit ist: du hast Recht. Das alles ist wahr. Eigentlich hast du nichts davon verdient. Ich kann dich nur bitten, mir zu verzeihen. Ich bin ein hoffnungsloser Chaot, der sich vor allzu viel Gefühl manchmal nur noch fürchten kann.

Am Ende steht das Gefühl

Liebe Kitsch-Freunde, nun ist Ihre Zeit gekommen! Am Ende eines Liebesbriefes, und nachdem wir den Höhepunkt überwunden haben. steht ein weicher Ausstieg an. Hierbei lassen Sie immer noch die Finger von der sprachlichen Verirrung eines romantischen Spaziergangs im Sonnenuntergang. Sie können aber loslassen von der Angst vor der Übertreibung und Ihren Gefühlen Freigang geben. Seien Sie ehrlich zu Ihrem Partner - und vor allem, zu sich selbst.

Aber keine meiner Ängste könnten mich so weit von dir weg treiben, dass ich dich gänzlich aus meinem Horizont verlieren will. Egal, was wir noch durchmachen und wie sehr wir für unsere Liebe kämpfen müssen: ich spüre unsere Verbindung, die tiefer reicht, als die Erinnerung an meinen ersten Sommertag in der Grundschule, an dem ich mir das Knie aufschlugen. Aber ich dennoch grinsen mussten, weil Glück sich nicht erschüttern lässt. Genauso fühle ich mich mit dir.

Nimm es mir daher bitte nicht übel, wenn der Brief nicht ganz dem entspricht, was du dir eigentlich vorgestellt hast. Denn das alles bin ich, nur für dich, heruntergebrochen auf Papier. Nur vor dir kann ich mich öffnen und der sein, der ich bin. Mehr kann man von der Liebe nicht erwarten.
Thomas

Der Valentinstag in Zahlen:
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Quelle: Statista

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