Trumps Chefstratege Bannon glaubt: Die Apokalypse kommt und ein Krieg ist unausweichlich

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STEVE BANNON
Trumps Chefstratege Bannon glaubt: Die Apokalypse kommt und Krieg ist unausweichlich | Carlo Allegri / Reuters
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  • Trumps Chefstratege Bannon hat im Weißen Haus die politischen Zügel an sich gerissen
  • Er überzeugt Trump mit einer einfachen Formel
  • Das Gefährliche: Bannon ist ein Fatalist, glaubt ein Krieg sei unausweichlich
  • Sein Einfluss auf die Außenpolitik Trumps könnte für die USA verheerende Folgen haben

Es rappelt im Weißen Haus. Donald Trump regiert die USA mit dem Presslufthammer, erlässt ein Dekret nach dem anderen, um seine populistischen Forderungen aus dem Wahlkampf wahrzumachen.

Nicht jedem in seinem Team gefällt diese Vorgehensweise: Stabschef Reince Priebus und Heimatschutzminister John Kelly etwa sollen sich beim Dekret zum Einreisestopp übergangen gefühlt haben. Trumps Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn zweifelt – so berichten Quellen aus dem Weißen Haus – nicht erst seit einem verwirrten Anruf seines Chefs zu nächtlicher Stunde an Trumps Kompetenz.

Eine Vertrauensbasis sieht anders aus. Dennoch braucht der unerfahrene Präsident dringend starke Figuren, die er in der Lage sieht, die Geschicke des Landes zu lenken.

Wer in diese Rolle schlüpfen kann, zeichnet sich immer deutlicher ab: Sie formieren sich um Trumps zwielichtigen Chefstrategen Steve Bannon. Der ehemalige Chefredakteur des rechten Online-Magazins "Breitbart“ ist wie Trump ein Verfechter einer Politik "gegen den Strich“ und verachtet das Establishment.

Bislang blieb es verhältnismäßig ruhig um Bannon – doch das Gift, das der Stratege bereitet, könnte schon bald hochkochen. Bannon glaubt an einen unausweichlichen Krieg, den die USA in den kommenden Jahren zu führen habe.

Wieso haben Bannon und Co die Oberhand?

Das Dekret zum Einreisestopp zeigte deutlich, dass Bannon in der US-Hauptstadt bereits die Fäden in der Hand hält. Weder Heimatschutzminister Kelly, noch Außenminister Rex Tillerson waren – das zeigen detaillierte Medienberichte – in die Planung und Umsetzung der Exekutivorder einbezogen worden.

Die kam aus der Feder von Bannon – und dem Policy Director des Weißen Hauses, Stephen Miller. Auch Miller hegt seit Jahren gute Beziehungen zu "Breitbart“. Das US-Magazin "Politico“ erklärte während des Wahlkampfes im Juni 2016: "Breitbart ist Millers liebster Verbündeter in der Medienwelt.“

steve miller
Bannon, Priebus und Miller

Bannon und Miller, die bereits während des Wahlkampfes Trumps Agenda gesetzt hatten, sollen den Präsidenten zu seinem Amtsantritt einen "Action Plan“ geschneidert haben. Darin: Genaue Anweisungen für die ersten Wochen als Präsident, inklusive zu erlassener Dekrete und Memoranden – alles akribisch aufgeschlüsselt und penibel auf den Tag genau durchgetaktet.

Bannons Botschaft an den Präsidenten: "Wir können all das durchsetzen, was du während des Wahlkampfes versprochen hast."

Das ist Musik in Trumps Ohren, dem das demokratische Klein-Klein zuwider ist. Für dieses Klein-Klein sind Menschen wie Trumps Stabschef Reince Priebus verantwortlich, der tief in der republikanischen Partei verwurzelt ist.

Bannon bildet da die Anti-These: Seine Aversion gegen das Establishment macht auch vor der Grand Old Party nicht Halt. Insider berichten: Der ehemalige "Breitbart"-Chef bleibt von Sitzungen im Weißen Haus schlichtweg fern, wenn er sie nicht für wichtig hält.

Im Weißen Haus fällt er mit seinen schlabberigen Hosen und legeren Mänteln auch äußerlich aus der Rolle. Inmitten der gestriegelten, Anzug-tragenden Polit-Elite wirkt der häufig unrasierte Bannon fast wie ein Straßenköter.

Während andere sich bei wichtigen Abendessen in Washington zeigen, ist er selten in der Öffentlichkeit zu sehen. Er präferiert den direkten Draht zum Präsidenten, der ihm dieser Tage blind zu vertrauen scheint.

Was macht Bannon so gefährlich?

Die "New York Times“ zeigte sich in Anbetracht der Macht Bannons zuletzt ungewohnt alarmistisch. "Wir haben noch nie einen politischen Berater gesehen, der so unverschämt nach der Macht greift wie Stephen Bannon", schrieb die renommierte US-Tageszeitung.

Das "New York Magazine“ warnte am Donnerstag: "Lasst uns hoffen, dass (Verteidigungsminister, d. Red.) James Mattis Steve Bannon im Rennen um den Posten als 'Geheimpräsident’ schlägt.“

Doch woher rührt die große Sorge, die in den USA vor der Macht des Ex-Journalisten herrscht?

Bannon beschreibt sich selbst als Nationalist, mit Hilfe rassistischer Ressentiments machte er "Breitbart“ zur wichtigsten Plattform rechten Gedankenguts in den USA.

Doch mehr als das: Der Trump-Stratege hängt einer gefährlich fatalistischen Weltsicht an. Er glaubt an die "Generationstheorie“ der amerikanischen Autoren William Strauss und Neil Howe. In einer Reihe von Büchern – das erste erschien 1991 – beschrieben die Hobby-Historiker ihre Idee eines sich wiederholenden Zyklus in der amerikanischen Geschichte.

"Wir befinden uns in der vierten großen Krise der Geschichte"

Demnach gebe es vier Stadien, in denen sich Gesellschaft und Institutionen befänden. Nach einem "Hoch" mit starken Institutionen und schwachen Individuen folge das "Erwachen" mit erstarkenden, selbstbewussten Individuen, dann der "Zusammenbruch“ und dann die "große Krise".

In einer Rede im Jahre 2011 erklärte Bannon: "Das hier ist die vierte große Krise in der amerikanischen Geschichte. Wir hatten die Revolution, wir hatten den Bürgerkrieg, wir hatten die große Depression mit dem Zweiten Weltkrieg.“

Bannon glaubt offenbar: Die Krise, in die sich die USA befinden, ist noch größeren Ausmaßes als der Zweite Weltkrieg. Das suggerierte er 2009 in einem Gespräch mit dem Historiker David Kaiser, das dieser für die Huffington Post USA rekapitulierte.

So sagte Bannon im Jahre 2015: "Der jüdisch-christliche Westen bricht zusammen, er implodiert.“ In einem Radiointerview im selben Jahr erklärte Bannon: "Wir sind im Krieg. Amerika ist im Krieg.“

Der Krieg, die große Krise: In Bannons Weltbild sind sie unausweichlich. Beobachter beschreiben den Chefstrategen gar als Doomsday-Gläubigen, als Mann, der eine Apokalypse bevorstehen sieht.

Welche fatalen Folgen sein Gedankengut in der Welt der Realpolitik haben könnte, deuten erste Kommentare des "Breitbart"-Mannes zu aktuellen Konflikten an.

"Wir ziehen im südchinesischen Meer in den Krieg"

"Wir ziehen in den nächsten fünf bis zehn Jahren im südchinesischen Meer in den Krieg, keine Frage“, sagte Bannon über den Insel-Konflikt mit China. Auch im Nahen Osten werde es in diesem Zeitraum zu einem "großen Krieg“ kommen, erklärte Bannon in einem Interview.

Das "New York Magazine“ kommt angesichts dieser besorgniserregenden Äußerungen zu dem Schluss: "Das Mattis-Bannon-Rennen um die Position als Schattenpräsident könnte die wichtigste Wahl in unserem Leben werden. Und sie wird nur von einem Wähler entschieden."

Donald Trump.

(ks)

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