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Die Stadt Hamburg wollte Obdachlose vertreiben - doch dann folgte Aufstand von unerwarteter Seite

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OBDACHLOSE
Der Hamburger Gabenzaun findet in der Stadt großen Anklang. | Facebook/Hamburger Gabenzaun
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Der Hachmannplatz vor dem Hamburger Hauptbahnhof ist vor allem im Winter ein grauer Ort: Dreck, Kälte, Hektik und Anonymität prägen den Platz im Zentrum der Stadt.

Auf einer Mauer, an der sich vermehrt Obdachlose aufhielten, errichtete die Stadt kürzlich einen Zaun. Zur "Säuberung", wie es hieß.

Die Maßnahme sorgte für Verwunderung und Ärger bei vielen Hamburgern. Um die Barriere positiv umzufunktionieren und den Platz für die Wohnungslosen zu erhalten, startete eine Gruppe von Ehrenamtlichen daraufhin ein Hilfsprojekt.

Aus Zaun wird Hilfsprojekt

Aus dem Gatter machten die Helfer kurzerhand einen “Gabenzaun”: Sie begannen, Plastiktüten mit Lebensmitteln und warmer Kleidung an den Zaun zu hängen, aus denen sich die Obdachlosen bedienen sollten.

gabenzaun

Zusätzlich brachten sie Schilder an, die ihre Botschaft klar machen: Die Hamburger Obdachlosen sollen durch den Zaun nicht vertrieben werden, sondern davon profitieren.

“Lieber obdachloser Mensch, bitte nimm dir, was du dringend brauchst vom Gabenzaun” heißt es auf dem einen, “Guten Freunden gibt man was vom Gabenzaun” auf einem anderen.

Jeder kann helfen - auch mit Berührungsängsten

Jeder, der möchte, kann sich an dem Gabenzaun beteiligen - auch anonym. Viele Menschen haben Berührungsängste, wenn es um den direkten Kontakt zu Obdachlosen geht. Dennoch verspüren viele Bürger den Drang zu helfen.

Durch den Gabenzaun ist dies nun möglich: “Die Hemmungen der Hamburger zu helfen werden minimalisiert. Ein persönlicher Kontakt zu obdachlosen Mitbürgern kann entstehen, ist aber kein Muss”, sagen die Initiatoren.

So hat die Aktion in der Hansestadt schnell Anklang gefunden und wird langsam zum Selbstläufer. Täglich kommen zahlreiche Hamburger vorbei und hängen ihre Gaben an den Zaun.

Die Wohnungslosen freuen sich offenbar darüber: Ist der Zaun einmal bestückt, dauert es meist nicht lange, bis die Tüten wieder geleert sind.

Mehr zum Thema: Die Rechten sagen immer, dass niemand den Obdachlosen hilft - ich mache das seit 30 Jahren und von denen war noch nie jemand hier

Der "Gabenzaun" muss bald umziehen

Dennoch wird das Projekt an dieser Stelle vermutlich nicht mehr lange bestehen können. Die Stadt möchte laut Medienangaben den Bahnhofsvorplatz bald umbauen.

Dennoch wollen die Initiatoren den “Gabenzaun” weiterführen: “Der Zaun soll ein bestehendes Hilfsprojekt von Hamburgern für Hamburger bleiben - Standort unabhängig”, erklären die Ehrenamtlichen.

An Unterstützern dürfte es der Hilfsaktion zumindest nicht mangeln: Innerhalb einer Woche sammelte die Facebookseite “Hamburger Gabenzaun am Hauptbahnhof” bereits über 3500 Likes. “Mit solch einer großen Resonanz haben wir selbst vor ein paar Tagen nicht gerechnet”, freuen sich die Helfer.

"Nachahmung dringend empfohlen"

Bleibt zu hoffen, dass die Aktion so auch weiterhin ein Erfolg bleibt und Nachahmer findet. Das Team vom Gabenzaun Hamburg würde sich das zumindest wünschen. Ein Schild trägt die Aufschrift: “'Gabenzaun' Zur Nachahmung dringend empfohlen”.

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Mehr zum Thema: Sven Lüdecke baut kleine Wohnboxen für Obdachlose

Kältehilfe für Obdachlose

In den Wintermonaten ist die Situation derer, die ganz ohne Unterkunft sind, besonders schwierig. Obwohl inzwischen einige Städte zur kalten Jahreszeit die Zahl der Notunterkünfte erhöhen, gibt es immer wieder Kältetote. Viele andere Wohnungslose benötigen intensive ärztliche Behandlung.

Hilf auf betterplace.org mit, dass es gar nicht erst so weit kommt. Spende hier für warme Bekleidung, Schlafsäcke und Notunterkünfte!

(lk)