Expertin erklärt, woran ihr eine Grippe erkennt - und die Symptome sind nicht so eindeutig, wie ihr dachtet

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GRIPPE
Die Grippe wird oftmals viel zu sehr unterschätzt. | KatarzynaBialasiewicz via Getty Images
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Seit Wochen grassiert die Grippe in Deutschland, die Zahl der Erkrankten steigt.

Laut dem neusten Bericht des Robert-Koch-Institutes ist die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen (ARE) Ende Januar im Vergleich zur Vorwoche noch einmal bundesweit gestiegen.

Ein Grund für die vielen Neuerkrankungen könnte sein, dass viele Deutsche die Grippe und deren Folgen unterschätzen. Oftmals wird der Infekt mit einer Erkältung missinterpretiert. Ein gefährlicher Trugschluss.

"Die drei Arten von Grippeviren haben viele Gemeinsamkeiten, und alle drei können das ganze Spektrum von relativ leichten zu schwereren Krankheitsverläufen und sogar Todesfällen verursachen“, sagt Susanne Glasmacher, Pressesprecherin des Robert Koch Institutes in Berlin.

Der Schweregrad der Grippe-Symptome ist von Person zu Person unterschiedlich. Auch das ist ein weiterer Grund dafür, dass manche Erkrankten sich nicht bewusst sind, tatsächlich an einer Grippe erkrankt zu sein.

Viele Patienten mit Erkältungssymptomen werden nicht auf Influenza getestet - aber genau dadurch ist eine eindeutige Unterscheidung der Krankheiten eigentlich nur möglich.

grippe impfung
Grippe-Impfung am Patienten. Credit: Getty Images

Erkältung nennt man grippalen Infekt

"Eine Erkältung wird oft als grippaler Infekt bezeichnet, hat mit der echten Grippe (Influenza) jedoch nichts zu tun", sagt Glasmacher.

Denn eine Influenza-Erkrankung kann in einem schweren Verlauf zu Komplikationen wie beispielsweise einer Lungenentzündung führen.

Bei manchen Menschen kann die Grippe verheerende Auswirkungen auf das gesamte Immunsystem haben, gipfelnd in einer Krankheitsdauer von bis zu zwei Wochen. "Besonders gefährdet sind immunschwache und ältere Menschen", so die Expertin.

"Es ist tatsächlich oft nicht möglich, eine echte Grippe und eine Erkältung nur anhand der Symptome zu unterscheiden", erklärt Glasmacher weiter. Für Ärzte sei es daher auch wichtig zu wissen, welche Viren gerade in der Bevölkerung zirkulieren.

Mitten in der Grippewelle ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient an Grippe erkrankt ist auch bei milder Symptomatik relativ hoch.

Grippe und Erkältung: Der Krankheitsverlauf

Eine Erkältung kommt schleichend. So kratzt bei einem schon Tage zuvor der Hals, dann kommen Schnupfen und Kopfschmerzen hinzu.

Nach rund einer Woche ist die Erkältung dann in der Regel wieder abgeklungen und man selbst wieder fit.

Bei der Grippe ist das anders. Die Influenza-typische Symptomatik ist oft durch einen plötzlichen Erkrankungsbeginn mit Fieber, Muskel- und/oder Kopfschmerzen gekennzeichnet. Häufig kommt etwas später ein trockener Reizhusten dazu.

"Allerdings erkranken längst nicht alle Infizierten so typisch", sagt Glasmacher. Als Faustregel gilt: Etwa ein Drittel der Infizierten erkrankt mit den genannten Symptomen, ein Drittel zeigt eine mildere Symptomatik (wie bei Erkältungs­krank­hei­ten) und ein Drittel entwickelt gar keine Symptome.

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Der Unterschied zur Erkältung ist oftmals das hohe Fieber: Bis zu 41 Grad kann es hoch sein. Viele Experten raten deswegen dazu, eine grippale Erkrankung anständig auszukurieren.

Das kann laut Expertenmeinung bis zu zwei Wochen dauern. Sport sollte man in dieser Zeit unbedingt vermeiden. Gegen körperlich dosiertes Training, um den Kreislauf nach der Genesung in Schwung zu bringen, spricht zwar nichts, allerdings sollte man hier unbedingt Vorsicht walten lassen.

Influenza-Virus und Erkältung: Die unterschätzten Symptome

Das Problem ist: Mehr als 200 Erreger können eine Erkältung zur Folge haben - meistens auch Viren. Das macht eine Diagnostik für die Ärzte schwierig. Und viele Patienten wissen oft nicht, dass sie an einem Grippe-Virus anstelle einer Erkältung leiden.

"Es ist oft nicht möglich, eine echte Grippe und eine Erkältung nur anhand der Symptome zu unterscheiden", erklärt Glasmacher die Problematik.

Da die Grippe nur durch den Influenza-Virus ausgelöst wird, ist es allerdings möglich, sich dagegen impfen zu lassen. Zur Vorbeugung einer Ansteckung empfehlen Experten häufiges Händewaschen. Da die echte Grippe gerade bei älteren Menschen schwer und auch tödlich verlaufen kann, raten Experten Risikogruppen zu einer Schutzimpfung.

"Kein Impfstoff schützt 100 Prozent der Geimpften", sagt Glasmacher. "In den letzten Jahren waren bei Untersuchungen zur Wirksamkeit der Impfung durchschnittlich 40 bis 60 von 100 geimpften Personen gegen eine laborbestätigte Grippe geschützt."

"Moderat erhöhte Aktivität"

Seit Saisonbeginn im Oktober 2015 wurden insgesamt rund 10.744 Grippe-Infektionen gemeldet. Davon waren rund ein Viertel der Patienten im Krankenhaus.

Die Zahl der geschätzten Todesfälle kann bei den einzelnen Grippe­wellen stark schwanken. Die meisten Todesfälle in den letzten Jahren gab es mit geschätzten 21.300 in der Grippe­saison 2014/15 - das ist der höchste Wert seit 1996 - und geschätzten 20.700 im Winter 2012/2013.

Die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen wie Bronchitis, Rachenentzündung und Lungenentzündungen wertet das RKI bundesweit als "moderat erhöht" aus.

Als "stark erhöht" wird die Situation derzeit in Berlin, Brandenburg und Sachsen beschrieben.

Kältehilfe für Obdachlose

In den Wintermonaten ist die Situation derer, die ganz ohne Unterkunft sind, besonders schwierig. Obwohl inzwischen einige Städte zur kalten Jahreszeit die Zahl der Notunterkünfte erhöhen, gibt es immer wieder Kältetote. Viele andere Wohnungslose benötigen intensive ärztliche Behandlung.

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(lk)