Der Martin Schulz von Frankreich: Wie Emmanuel Macron die Rechtspopulistin Le Pen schlagen will

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MACRON
Emmanuel Macron, Favorit der Präsidentschaftswahlen in Frankreich | Pascal Rossignol / Reuters
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  • Frankreich wählt im Mai einen neuen Präsidenten
  • Derzeit richten sich alle Augen auf den Bewerber Emmanuel Macron
  • Er liegt in den Umfragen noch vor der Rechtspopulistin Le Pen

In Frankreich hat der Wahlkampf offiziell begonnen - ein Wahlkampf, der Europa verändern könnte.

Und während sowohl der Kommunist Jean-Luc Mélenchon und die Rechtspopulistin Marine Le Pen mit großen Auftritten Schlagzeilen machen wollen, steht vor allem ein Mann im Rampenlicht:

Der aktuelle Shootingstar der französischen Politik Emmanuel Macron.

Der 39-jährige ehemalige Wirtschaftsminister und sozialistische Politiker tritt als unabhängiger Kandidat zur Wahl an. Und seit der Favorit auf den Wahlsieg, der konservative Kandidat François Fillon, in eine Affäre um die unrechtmäßige Beschäftigung seiner Ehefrau verstrickt ist, gilt Macron als der Anwärter Nummer 1 auf die Präsidentschaft.

"Die Dynamik ist auf seiner Seite"

Laut aktuellen Umfragen würde er im ersten Wahlgang nur knapp hinter Le Pen landen. Im zweiten Wahlgang würde er die Rechtspopulistin deutlich schlagen.

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(Wem die Franzosen in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl ihre Stimme geben wollen. Quelle: huffingtonpost.fr)

Kein Wunder, dass Macron gerade einen Lauf hat - ganz ähnlich wie der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in Deutschland. "Die Dynamik ist auf Macrons Seite", schreibt die Wochenzeitschrift "L'Express".

Aber was macht Macron so erfolgreich - und was will der Politiker?

Macron will im Gegensatz zu Le Pen Europa. Er fordert lautstark, das Verhältnis zum wichtigsten EU-Partner Deutschland zu verbessern: "Man kommt in Europa nicht voran, wenn man gegen die Deutschen ist", sagte er dem Radiosender France Inter.

Anfang Januar war er bereits in Berlin. Und er sorgte mit einem Interview für Aufsehen, in dem er Angela Merkel überschwenglich lobte.

Kandidat der Mitte

Es sei an Frankreich, Reformen anzuschieben und damit auf der anderen Rheinseite wieder für Vertrauen zu sorgen, lautet das harte Verdikt des Kandidaten. Das hört man in Frankreich von der politischen Spitzenebene eher selten und bisher nur von François Fillon.

Macron diente zwar im Élysée unter Präsident François Hollande - das Parteibuch der Sozialisten hat der smarte Politstar aber schon lange abgegeben.

Sein Projekt heute: Das traditionelle Links-Rechts-Schema durchbrechen, "um auf unsere Herausforderungen zu antworten".

Klar einzuordnen ist Macron politisch bisher nicht, am ehesten ist er ein Liberaler, der dem Einzelnen seine Freiheit zugestehen will.

Der einflussreiche Unternehmer, Mäzen und Miteigentümer der Zeitung "Le Monde", Pierre Bergé, unterstützt Macron wiederum als einen potenziellen Präsidenten, "der uns zu einer Sozialdemokratie führen wird".

Auch Macron ist Ziel von Vorwürfen, er habe Geld veruntreut

Und das ist wohl das Erstaunlichste an den Umfrageerfolgen Macrons: Die sozialistische Regierung, der er angehörte, ist bei den Franzosen extrem unbeliebt - dass die Franzosen wieder einen Sozialisten als Präsident wählen, schien deshalb bisher unwahrscheinlich.

Aber der gebürtige Nordfranzose Macron profitiert knapp drei Monate vor der Wahl von Schwächen seiner Konkurrenten. Bei der bürgerlichen Rechten wachsen die Zweifel an Ex-Premier Fillon, der im Zuge der Affäre um seine Ehefrau in den Umfragen abstürzte. In Kommentaren ist schon von einem "Plan B" die Rede, also einem neuen Kandidaten für die Konservativen.

Auch Macron ist Ziel von Vorwürfen, er habe Geld veruntreut.

Demnach soll er bis zu seinem Rücktritt als Wirtschaftsminister im vergangenen August bereits 80 Prozent seines Jahresbudgets für Repräsentationsausgaben verbraucht haben. Er habe keine Regeln verletzt, lautet die Antwort des Anwärters. Für seine politische Bewegung "En Marche!" sei kein einziger Euro geflossen.

Programmatisch bisher wenig präzise

Ein weiteres Plus für Macron: Die angeschlagenen Sozialisten wählten am vergangenen Wochenende den Parteilinken Benoît Hamon zu ihrem Anwärter für den Élyséepalast. Sozialdemokratisch eingestellte Abgeordnete gehen bereits auf Distanz, Macron profitiert davon.

Macron fasziniert auch als Person, und das nicht nur wegen der Beziehung zu seiner mehr als 20 Jahre älteren Frau Brigitte Trogneux, die er als seine Lehrerin kennenlernte. Er selbst wechselte später aus der feinen Rothschild-Bank in die Politik und will, dass sein Beispiel Schule macht.

Eine neue Regierung soll mit Vertretern der sogenannten Zivilgesellschaft sowie der Linken und der Rechten besetzt werden. Details sind offen, sein Programm will der Kandidat bis Ende des Monats präzisieren. Auch hier ähnelt er dem deutschen Martin Schulz, der derzeit davon profitiert, dass er seine politischen Forderungen vage hält.

Wechselwähler werden die Wahl entscheiden

Bisher lautet die Strategie der Macron-Vertrauten deshalb erst einmal: Bescheidenheit.

Das äußert sich auch daran, dass der sozialistische Politiker und Macron-Unterstützer Arnaud Leroy Marine Le Pen die Favoritenrolle zuschiebt. "Selbst wenn Le Pen in den Umfragen nicht vorne liegt - wir wissen alle, was bei Trump und dem Brexit passiert ist", warnt er.

Und noch etwas anderes macht dem Macron-Lager Sorgen: "Er gewinnt zwar an Zustimmung, aber all das ist volatil. Er muss immer noch überzeugen", sagt die Senatorin und Macron-Unterstützerin Bariza Khiari.

Ein Blick auf die Umfragen zeigt: Die Wähler, die sich vorstellen können, Macron zu wählen, sind auch die Unsichersten, was ihre Entscheidung angeht. Sie werden ihre endgültige Wahl wohl erst kurz vor dem Urnengang treffen.

"Das sind die Franzosen, die am Ende die Wahl entscheiden", sagt Khiari. "Wir arbeiten jetzt daran, sie zu überzeugen."

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