POLITIK
03/02/2017 05:33 CET | Aktualisiert 03/02/2017 09:50 CET

"Illner" ohne Illner: "Handelsblatt"-Chef berichtet von Verschwörung gegen Trump

ZDF Mediathek
"Maybrit Illner" lief am gestrigen Donnerstag ohne Maybrit Illner

"Was ist denn jetzt los?", fragten sich viele Zuschauer, als sie gestern Abend "Maybrit Illner" einschalteten. Begrüßt wurden sie nicht von der vertrauten TV-Moderatorin, sondern vom ZDF-Kollegen Matthias Fornoff, dem Chef der ZDF-Hauptredaktion Politik und Zeitgeschehen.

"Sie sind in der richtigen Sendung", versicherte der den Zuschauern zu Beginn.

Illner hatte sich am Morgen krankgemeldet, Fornoff übernahm. Doch die Zuschauer vermissten die routinierte Talkerin recht schnell, denn Fornoffs staatsmännische Moderation konnte kein Feuer entfachen. Das lag sicher auch daran, dass kein einziger Trump-Befürworter zur Debatte unter dem Titel "Trumps Egotrip - Mauern gegen den Rest der Welt?" eingeladen war.

Da waren zum einen zwei Politiker: Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) und der Grüne Jürgen Trittin, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss. Dazu "Handelsblatt"-Herausgeber Gabor Steingart, der einst Büroleiter des "Spiegel" in Washington war.

"Man ist unter Dauerbeschuss"

Neben ihnen saß die 29-jährige Journalistin Mareike Nieberding. Sie gründete direkt nach der Wahl als Reaktion auf Trump und dessen Positionen die Jugendbewegung "DEMO". Und der langjährige Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes, der hierzulande die amerikanische Handelskammer vertritt.

"Die ersten 14 Tage, die wir jetzt erlebt haben, fühlen sich an, als würde man einen Action-Film gucken. Man ist unter Dauerbeschuss und weiß gar nicht, wo man hingucken soll", beschrieb Nieberding ihre Gefühlslage angesichts des täglichen Nachrichtenstroms aus den USA.

Mehr zum Thema: Donald Trump wird als Präsident abgesetzt - die Frage ist nur, wann

Schwerpunkt der Sendung war aber die - für den Zuschauer weniger emotional besetzte - Wirtschaftspolitik Trumps. Mattes und Altmaier riefen immer wieder zu einem selbstbewussten Umgang mit dem Präsidenten der USA auf: "Wichtig ist, dass wir miteinander reden."

Die deutsche Wirtschaft sei erfolgreich, weil die Produkte hervorragend seien. Einen tiefgreifenden Handelsstreit werde es nicht geben. Das deutsche und europäische Wort habe politisches Gewicht, auf das Trump auch hören werde.

"Unser Erfolg geht auch auf die Knochen anderer"

Steingart sah das etwas differenzierter. Deutschland würden nicht nur die guten Produkte helfen, sondern vor allem der niedrig stehende Euro, der deutsche Waren im Ausland günstig mache. Deutschland sei daher auf der Anklagebank. "Unser Erfolg geht auch auf die Knochen anderer."

Etwas Leben kam in die Sendung, als Fornhoff fragte, ob Ford sich nicht bereits Trump unterworfen habe. Schließlich hat Ford-USA auf den Bau einer Fabrik in Mexiko verzichtet.

Der ehemalige Ford-Chef Mattes behauptete, dass habe nicht mit Trump zu tun gehabt. Der Präsident habe für seine eigenen PR-Zwecke die Gründe für Fords Entscheidung falsch dargestellt: "Das war schon lange vor Trump so geplant." Trittin und Altmaier grinsten wissend.

"Wie lange werden wir Donald Trump erleben?", fragt Fornhoff als nächstes.

Mattes rechnet mit einer vollen Amtszeit - vier Jahre. "Da bin ich mir nicht sicher", sagt Steingart. Er argumentiert: "Die Republikaner sind überhaupt nicht scharf darauf. Die Ausgrenzung von Frauen, Muslimen und Hispanos macht einen zukünftigen republikanischen Präsidenten unmöglich".

Unterhalb der Wahrnehmung der Presse würde gerade ein Untersuchungsausschuss eingerichtet, um Trumps Kontakt zu Putin und dessen Geheimdiensten zu untersuchen. "Republikaner und Demokraten tun es." Zumindest, um ihn in die Schranken zu verweisen, wenn nicht sogar seines Amtes zu entheben, glaubt Steingart.

"Früher haben wir diese Leute Ku-Klux-Klan oder Nazis genannt"

Trittin hört das gerne, glaubt aber nicht, dass Trump in den nächsten zwei Jahren jemand bremsen wird.

"Trump lebt von der täglichen Eskalation, dass er immer noch einen draufsetzt.“ Doch Trittin erwartet, dass Trump bei den Halbzeitwahlen in zwei Jahren Probleme bekommen wird. Wenn es den Amerikanern schlechter geht, werde die eigene Partei gegen ihn rebellieren.

Nieberding versuchte, den Fokus auf rechtsgerichtete Aussagen Trumps und seiner Berater zu legen. "Es ist unfassbar, was in der Zeit schon an Rhetorik passiert ist. Früher haben wir diese Leute KKK (Ku-Klux-Klan) oder Nazis genannt."

Es sei wichtig, jetzt auch in Deutschland die Diskussion mit den Bürgern zu suchen. Deshalb will Nieberding mit ihren Mitstreitern in den kommenden Monaten durchs Land fahren und mit Wählern sprechen.

Diskutiert wird nächste Woche wieder bei "Maybrit Illner", dann wohl wieder mit der angestammten Gastgeberin. Das sei "wahrscheinlich und fast sicher", meinte Fornoff am Ende der einstündigen Live-Sendung aus Berlin. Und dann hoffentlich wieder mit dem gewohnten Esprit.

Gute Besserung, Frau Illner!

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Mit Material der dpa

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(ben)

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