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02/02/2017 16:02 CET | Aktualisiert 02/02/2017 18:06 CET

Arbeiten unter menschenunwürdigen Bedingungen: So beutet die Post ihre Fahrer aus

Yuri_Arcurs via Getty Images
Postzusteller am Limit: Fahrer schlafen in den LKW und die Boten müssen immer mehr zustellen

  • Der Druck auf die Deutsche Post nimmt zu, sei es von Seiten der Aktionäre, der Kunden oder der Konkurrenz

  • Eine ZDF-Dokumentation hat nun enthüllt, wie schlimm die Arbeitsverhältnisse für die Angestellten teilweise sind

6 Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr, egal oben Regen oder Hitze. Zusteller der Post und der Tochterfirma DHL müssen immer ausliefern. Schließlich erwarten die Kunden, dass Briefe oder Online-Bestellungen am nächsten Tag zugestellt werden - je schneller, desto besser.

Zusätzlich setzen die Aktionäre der Deutschen Post AG die Mitarbeiter unter Druck, die Konkurrenz macht dem Konzern zu schaffen. Nun plant auch noch Amazon - der wichtigste Kunde - seine Waren selbst auszuliefern.

Schon jetzt berichten Briefzusteller von zunehmender Arbeitsbelastung und gesundheitlichen Problemen. Zudem wurde "ZDFzoom" von Insidern zugetragen, dass eine interne Software den Effizienzdruck immer mehr steigere.

Deutsche Post am Limit

Ein Beispiel aus der ZDF-Dokumentation "Deutsche Post am Limit – Preiskampf und gestresste Mitarbeiter": Olaf Brauer (Name geändert) arbeitet seit 20 Jahren für die Post. Er sagt: "Heute werden wir behandelt wie der letzte Dreck. Als ich anfing musste ich 600 Haushalte am Tag beliefern, heute sind es 1400."

Eine Folge der zunehmenden Arbeitsbelastung: Auszuliefernde Post bleibt liegen. Die Unzufriedenheit bei den Kunden der Post nimmt zu – Päckchen und Briefe, die zu spät oder an die falsche Adresse geliefert werden, schaden dem Image der Post.

Auch im internationalen Frachtverkehr stößt das ZDF auf Missstände. Im Auftrag von DHL-Freight, einem der größten Logistik-Unternehmen weltweit, leben und arbeiten Fahrer von osteuropäischen Subunternehmen zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen

Das zeigen die Recherchen von "ZDFzoom": Für teils 200 Euro Monatslohn (und 55 Euro Spesen pro Tag) sind die Fahrer für die Post unterwegs, sie schlafen in der Fahrerkabine - 90 Tage am Stück. Per Gesetz ist das nur in Ausnahmefällen erlaubt ist.

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"Es ist unverschämt, dass man so mit Menschen umgeht"

"Es ist unverschämt, dass man so mit Menschen umgeht und wir in Europa zuschauen", sagt Raymond Lausberg, Chef einer belgischen Polizeieinheit. Er hat sich den Kampf gegen menschenunwürdige Verhältnisse im Frachtverkehr zur Aufgabe gemacht.

Auch für die osteuropäischen Subunternehmer, die von DHL beauftragt werden, gilt das deutsche Mindestlohngesetz. Doch dort werde getrickst, so bewertet es ein Fachanwalt für Speditionsrecht.

Überall wird gespart, die Post arbeitet am Limit. Gegenüber ihren Aktionären gibt sich die Deutsche Post dennoch als ehrgeiziger Player auf dem umkämpften Logistik-Markt. Der harte Kurs zahlt sich aus, tatsächlich steigen die Gewinne. Doch das Festhalten an hohen Gewinnzielen geht auf Kosten von Mitarbeitern und Kunden.

Gegenüber dem ZDF hat die Post alle Vorwürfe schriftlich abgestritten.

Die Dokumentation von "Deutsche Post am Limit – Preiskampf und gestresste Mitarbeiter" könnt ihr in der ZDF-Mediathek anschauen.