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27/01/2017 16:43 CET | Aktualisiert 27/01/2017 19:40 CET

Gewaltrituale und sexuelle Nötigung: Ausbildungs-Skandal erschüttert die Bundeswehr

dpa

  • Nach "Spiegel"-Informationen wird die Bundeswehr durch einen Skandal bei der Ausbildung von Soldaten erschüttert

  • Bei der Ausbildung von Kampfrettern soll es offenbar sexuell-sadistische Praktiken gegeben haben

  • Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat sich bereits in den Skandal eingeschaltet

Nach Informationen des "Spiegel" wird die Bundeswehr durch einen Skandal bei der Ausbildung von Soldaten erschüttert. Konkret geht es um Elitesoldaten in der Staufer-Kaserne im baden-württembergischen Pfullendorf.

Interne und bisher geheim gehaltene Ermittlungen bestätigten, dass bei der Ausbildung von Kampfrettern offenbar sexuell-sadistische Praktiken an der Tagesordnung waren. Auch von abstoßenden Gewaltritualen in der Kaserne ist die Rede.

Von der Leyen hat sich in den Skandal eingeschaltet

Der "Spiegel" berichtet, dass sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen persönlich in den Skandal eingeschaltet hat. Nachdem Generalinspekteur Volker Wieker einen Sonderermittler an das Ausbildungszentrum Spezielle Operationen in Pfullendorf entsandt hatte, hätten sich die Vorwürfe so schnell verdichtet, dass sieben Mannschaftssoldaten sofort entlassen worden seien, heißt es.

Die Fälle, in denen es um den Verdacht der Freiheitsberaubung, gefährlichen Körperverletzung, Gewaltdarstellungen und Nötigung geht, seien an die Staatsanwaltschaft übergeben worden.

Im Oktober 2016 soll sich ein weiblicher Leutnant aus dem Sanitätsbereich direkt an den Wehrbeauftragten Hans-Peter Bartels und an von der Leyen gewandt und davon berichtet haben, dass Rekruten sich vor Kameraden ausziehen mussten, während Vorgesetzte sie dabei filmten. Weiter habe sie berichtet, dass das Einführen von Tamponade in den After durchexerziert und fotografiert worden sei.

Ermittlungen sollen zeigen, ob auch Führungssoldaten involviert waren

Dieser Bericht soll der Ausgangspunkt für die Ermittlungen gewesen sein. Laut "Spiegel" sollen sich beide Vorwürfe bereits bestätigt haben.

Auch bei den Mannschaftssoldaten zur Bewachung der Kaserne soll es Erniedrigungsrituale gegeben haben.

Weitere Ermittlungen sollen nun zeigen, ob auch Führungssoldaten die Zustände bei der Sanitäts-Ausbildung geduldet oder sogar unterstützt haben.

Wie der "Spiegel" weiter berichtet, hat das Ministerium bereits entschieden, den Kommandeur der Kaserne, zwei Stabsoffiziere und zwei Unteroffiziere auf irrelevante Posten zu versetzen, um "einen Neuanfang zu ermöglichen".

Von der Leyen nennt Vorfälle "abstoßend" und "widerwärtig"

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die "Aufnahmerituale" inzwischen scharf verurteilt.

"Die Vorgänge in Pfullendorf sind abstoßend und sie sind widerwärtig", sagte die Ministerin am Freitagabend bei einem Besuch einer Klausurtagung der CDU im osthessischen Künzell. Die Vorgänge seien auch beschämend für alle Soldaten, die respektvoll mit ihren Kameraden umgingen, und die das Ansehen der Truppe hochhielten.

Von der Leyen sagte: "Der Generalinspekteur hält mich auf dem Laufenden über den Fortgang der Untersuchungen. Es sind bereits Konsequenzen gezogen worden." Es würden auch noch weitere Konsequenzen gezogen. Die Vorgänge würden "mit aller Härte aufgeklärt", versprach von der Leyen.

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