"Zeit"-Kolumnist vergleicht ARD und ZDF mit DDR-Fernsehen - und erntet heftige Kritik

Veröffentlicht: Aktualisiert:
HARALD_MARTENSTEIN
"Zeit"-Kolumnist Harald Martenstein hat mit einem Beitrag über ARD und ZDF für Aufruhr gesorgt | Getty
Drucken
  • "Zeit"-Kolumnist Harald Martenstein hat in einem Beitrag die Öffentlich-Rechtlichen mit DDR-Fernsehen verglichen
  • Martenstein irritiert in dem Text zudem mit wirren Äußerungen zu Terror und Flüchtlingen
  • Medienkritiker Stefan Niggemeier wirft Martenstein auf seinem Blog "schleichende Radikalisierung" vor

Harald Martenstein ist "Tagesspiegel"-Redakteur und "Zeit"-Kolumnist mit einem etwas onkelig-ironischen Schreibstil - inklusive der wirren Meinungen, die so ein Onkel manchmal haben kann. So schrieb Martenstein einmal, der Bundestag identifiziere sich mit den Nazis, wenn er sich für ihre Morde entschuldige. Aha.

Nun hat Martenstein in seiner "Zeit"-Kolumne vom vergangenen Donnerstag geschrieben, "Tagesschau", "Tagesthemen" und "heute-journal" erinnerten ihn "wegen ihrer Regierungsnähe zunehmend ans DDR-Fernsehen." Oha.

Martensteins Worte haben eine Replik des Medienkritikers Stefan Niggemeier provoziert. Von dem hat Martenstein schon die ein oder andere "Hasspredigt" (O-Ton Martenstein) bekommen.

Am Mittwoch schrieb Niggemeier jedenfalls auf seinem Blog "Übermedien", Martenstein mache mit der Kolumne Lügenpresse-Vorwürfe salonfähig.

ARD und ZDF seien für Martenstein Staatspropaganda

Auch das starke Worte - und Niggemeier war noch nicht fertig.

Martenstein hatte in seiner Kolumne weiter postuliert: "Das erfolgreiche Wegmobben des kritischen Chefredakteurs Nikolaus Brender hat für das ZDF etwa die gleiche Langzeitwirkung gehabt wie die Ausweisung von Wolf Biermann auf das innere Klima der DDR."

Für Medienkritiker Niggemeier "in einem solchen Maße Unsinn, dass man zugunsten des Autors annehmen könnte, dass es sich um ein Stilmittel des Kolumnisten handelt, der seinen Lesern zuzwinkert: Jaha, übertriebener Quatschvergleich natürlich".

Martenstein meine es aber offenkundig ernst. Für ihn seien ARD und ZDF Medien, die in einer Diktatur Staatspropaganda machen.

Martenstein war wegen ZDF-Bericht über Geflüchteten misstrauisch

Angeregt hatte Martensteins DDR-Vergleich ein ZDF-Bericht über einen afghanischen Hindu, der nach viereinhalb Jahren in Deutschland abgeschoben wurde - ohne je kriminell auffällig geworden zu sein.

"Weil es ein ZDF-Bericht war, bin ich mir ziemlich sicher gewesen, dass sie etwas verschwiegen", schrieb Martenstein dazu. "Ob Samir Narang womöglich einiges auf dem Kerbholz hat?"

Hatte er nicht. Und das hat Martenstein gemäß seiner Kolumne selbst nachrecherchiert, und zwar bei der Hamburger Innenbehörde.

"Das ist also der Anlass für Martenstein, ausführlich im 'Zeit Magazin' darzulegen, dass er ARD und ZDF für DDR-fernsehhaft hält und erstmal davon ausgeht, dass sie die Unwahrheit sagen: Dass er erleben musste, dass ein ZDF-Bericht einer Überprüfung standhält", kommentiert Niggemeier.

Martenstein und das Thema Flüchtlinge

Und dann ist da noch so ein wirrer Satz, den Martenstein in seiner Kolumne schreibt: "Die Opfer von Terroranschlägen sind nämlich auch Menschen." Das versteht sich eigentlich von selbst.

Nicht aber dann, wenn ein Autor vor diesen Satz die folgenden schreibt: "Zuerst lässt man Hunderttausende herein, ohne sie sich vorher genau anzuschauen. Eine humane Großtat war das nicht."

Notleidende Menschen aufzunehmen war nun also keine humanistisch wertvolle Geste? Weil, Terroropfer sind auch Menschen?

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Niggemeier dazu: "Martenstein ist geschickt darin, seine Argumentationen sprachlich so zu verknappen, dass aus den Leerstellen ein großes Raunen dröhnt." Das klingt nach viel Gewese um nichts.

Harald Martenstein fordert dann ja auch den "vernünftigen Mittelweg", zwischen radikal Aufnehmen und radikal Abschieben. Er hat auch Mitgefühl für den Abgeschobenen Narang: "Jeder Tag kann sein letzter sein."

Das wurde ihm im Fernsehen gezeigt, schreibt er.

Für Stefan Niggemeier steht aber fest, Martensteins DDR-Vergleiche und seine Einlassungen zur Debatte um Geflüchtete sind die Anzeichen einer "immer noch weiter fortschreitenden Radikalisierung."

Vielleicht ist es aber auch wie mit den wirren Meinungen des eigenen Onkels: Nicht ernst nehmen. Oder zumindest: Nicht zu ernst.

Auch auf HuffPost:

Britischer Moderator demontiert Frauke Petry und AfD

(ca)

Korrektur anregen