POLITIK
24/01/2017 08:07 CET | Aktualisiert 24/01/2017 12:19 CET

"Wenigstens hat er es versucht": Medien rechnen mit Trumps Pressesprecher ab

Kevin Lamarque / Reuters
"Wenigstens hat er es versucht": Medien rechnen mit Trumps Pressesprecher ab

  • Trumps Pressesprecher Spicer hat bei seinem ersten offiziellen Briefing eine bessere Figur abgegeben, als bei seinem Wut-Auftritt am Samstag

  • Dennoch beurteilten Medien seinen Auftritt skeptisch

Selten ist ein US_Präsident so holprig ins Amt gestartet wie Donald Trump. Einen Teil der Verantwortung dafür trägt Trumps Pressesprecher Sean Spicer. Am Samstag hatte der für einen Eklat gesorgt, als er Journalisten im Weißen Haus beschimpfte, bedrohte und zweifelhafte Behauptungen in die Kameras schrie.

Am Montag, bei seinem ersten offiziellen Briefing, machte Spicer es besser. Ein bisschen zumindest. Die US-Zeitung "Washington Post" kommentierte trocken: "Zumindest hat er es versucht."

Spicer erklärte den Medienvertretern auf der Pressekonferenz versöhnlich: "Wir haben die Absicht, Sie nie anzulügen." Er beharrte aber darauf, auch in Zukunft mit der Presse über Fakten streiten zu wollen.

Also keine Lügen mehr? Die "Washington Post“ ist skeptisch: "Trump und seine Helfer haben die letzten 18 Monate damit verbracht, Fakten zu verneinen und es gehört Leichtgläubigkeit dazu, zu glauben, dass es nicht absichtlich war."

Spicer habe sich mit seinem ersten Auftritt am Samstag bereits "zur Lachnummer gemacht, als er die Medien in einem comicartig riesigen Anzug in den Presseraum bat und dort wegen einiger Tweets, die er nicht mochte, anfing zu schreien."

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"Alternative Fakten sind Lügen"

Am Montag sei sein Verhalten souveräner gewesen. Die "Washington Post" sieht hinter dem moderaten Auftritt auch Schamgefühl. "Zumindest bei einigen in Trumps Weißen Haus“ gebe es offenbar ein solches, postuliert die US-Zeitung und drückt damit eine leise Hoffnung auf ein besseres Verhältnis zwischen Regierung und Presse aus.

Die Schweizer "Neue Zürcher Zeitung" ist weniger optimistisch. Am Dienstag kommentierte das Blatt: "Alternative Fakten, Doppeldenk, postfaktisch – was auch immer das Etikett, der frisch angetretene amerikanische Präsident verbreitet nachweislich Unwahrheiten, um Journalisten der Lüge zu bezichtigen."

Die "NZZ" schrieb weiter: "Auch als Staatsoberhaupt scheut Trump offensichtlich nicht davor zurück, Fakten zu verdrehen oder blanke Lügen zu verbreiten, wenn es seinen Zielen dient."

Auch CNN kommentierte: "Lieber Herr Trump, alternative Fakten sind Lügen."

Weitere Übertreibungen und Lügen könne sich die Trump-Regierung nicht leisten, wenn sie nicht das Vertrauen verspielen wolle. Denn das sei "eine große Gefahr für alle Amerikaner".

(jg)