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24/01/2017 21:53 CET | Aktualisiert 25/01/2017 08:13 CET

"Stillos" und "Selbstsüchtig": So hart gehen deutsche Medien mit Sigmar Gabriel ins Gericht

Fabian Bimmer / Reuters
"Stillos" und "Selbstsüchtig": So hart gehen deutsche Medien mit Sigmar Gabriel ins Gericht

Die Entscheidung der SPD ist gefallen - aber war es die richtige? Einig ist sich die deutsche Presse nicht darüber, ob die Sozialdemokraten mit Martin Schulz sich nun endgültig selber in den Abgrund bugsieren oder ob sie nun doch eine reelle Chance gegen die übermächtig scheinende Kanzlerin haben.

Aber eines ist für die meisten Journalisten sicher: Der Wahlkampf wird jetzt richtig spannend.

Gabriels Verzicht sei ein Dienst an der Partei, schreibt die "Freie Presse" aus Chemnitz. "Schulz war nie in Merkels Kabinett. Er zeichnet somit nicht verantwortlich für die Große Koalition." Damit habe der EU-Politiker einen großen Vorteil gegenüber Gabriel. "Schulz ist derzeit sogar die einzig reelle Chance für die SPD." Eine Erfolgsgarantie sei er allerdings nicht.

"Keine Garantie für die SPD"

Auch die "Westfälischen Nachrichten" sehen Schulz im Vorteil gegenüber Gabriel und trauen ihm zu, dass er "die geneigte Wählerschaft neu zu mobilisieren vermag - garantiert aber ist das nicht."

Die "Thüringische Landeszeitung" befürchtet schon das endgültige Aus für die SPD. Wenn Schulz kein respektables Ergebnis erziele, gehe er weiter - der "Abgesang auf jene Partei, die die größte Tradition aber aktuell auch die mithin am deutlichsten zu Tage tretenden Probleme hat, sich in einer Welt aufzustellen, in der alte Gewissheiten nur noch dies sind: alt und ungewiss."

Mehr zum Thema: 5 Gründe, warum Martin Schulz der richtige Kanzlerkandidat für die SPD ist

"Gabriel kann alles außer Diplomatie"

"Gabriel kann alles außer Diplomatie", befindet das "Flensburger Tageblatt" über die Pläne des Noch-SPD-Chefs, der neue Außenminister zu werden. Das Amt sei ihm "nicht auf den Leib geschrieben".

Aber es bleibt auch Freude auf einen unterhaltsamen Wahlkampf: "Die spröde, erfahrene Merkel, der temperamentvolle, erfahrene Schulz. Die Deutschen haben eine echte Wahl am 24. September."

Und natürlich darf auch die harte aber gerechte Kritik an Gabriel und wie er die K-Frage gehandhabt hat nicht fehlen. "Nein, Gabriel hat das alles nicht gut gemanagt", schreibt die "Rhein-Neckar-Zeitung".

"Und dass er die Botschaft auch noch per Exklusiv-Interview unter die Leute bringt, ist ebenso selbstsüchtig wie stillos. Wenigstens das kann mit Schulz nur besser werden."

Und auch die "Ludwigsburger Kreiszeitung" findet es "stillos" von Gabriel "alle zum Schweigen bis zum 29. Januar zu verdonnern, aber vorher einigen Medien sämtliche Entscheidungen mitzuteilen". Das endgültige Urteil ist hart: "Einer, der von sich zu wissen glaubt, dass er nicht als Kanzlerkandidat taugt, sollte gar nicht erst Vorsitzender einer großen Volkspartei werden."

Olaf Scholz, der "Edel-Genosse"

Der "Südkurier" hingegen hätte offenbar dem Hamburger Oberbürgermeister Olaf Scholz die besseren Chancen ausgerechnet. "Der Edel-Genosse aus Hamburg, in der Hansestadt über alle Parteigrenzen hinweg geschätzt und mit einem üppigen 45-Prozent-Ergebnis ausgestattet, hat zweifellos das Zeug für eine glänzende Karriere im Bund."

Doch gegen Merkel könne jeder SPD-Kandidat nur verlieren, daher schicke man den "Europa-Pensionär" Schulz ins Rennen, der nichts mehr zu verlieren habe.

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