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22/01/2017 08:08 CET | Aktualisiert 22/01/2017 14:23 CET

Trump und sein Sprecher starten ihren ersten Tag im Amt mit einer fetten Lüge

Alex Wong via Getty Images
Der Sprecher des Weißen Hauses Sean Spicer

  • Trump beschwert sich über die Berichterstattung zu seiner Antrittsrede

  • Und lässt seinen Sprecher gegen die Medien austeilen

  • Das Problem: Beide starten in ihr Amt mit Lügen

Der neue US-Präsident Donald Trump und sein Sprecher Sean Spicer starten mit Lügen in ihr Amt - und nicht nur mit einer.

Im Mittelpunkt stehen Vorwürfe Trumps, nach denen die Medien die Zahl seiner Zuschauer bei den Feierlichkeiten zur Amtseinführung am Freitag absichtlich als zu niedrig dargestellt hätten.

Trump-Sprecher: Ein "schändlicher" Vorgang

Er bezog sich dabei unter anderem auf Tweets, in denen ein Bild vom Publikumsandrang bei seiner Amtseinführung neben eine Aufnahme von den Zuschauern bei der Vereidigung seines Vorgängers Barack Obama gestellt worden war.

Das Foto von der Trump-Vereidigung zeigte eine leere Fläche, die auf dem anderen Bild voll bevölkert war:

Trump war offenbar so erzürnt, dass er seinen Sprecher Sean Spicer in den Presseraum des Weißen Hauses schickte, um die Medien anzugreifen.

Das Foto von Trumps Vereidigung sei absichtlich so ausgeschnitten, dass es die Wahrheit verzerre, sagte Spicer und sprach von einem "schändlichen" Vorgang. "Wir werden die Medien ebenfalls zur Rechenschaft ziehen. Das amerikanische Volk hat Besseres verdient", polterte er.

Spicer behauptete: "Das war das größte Publikum, das es jemals bei einer Amtseinführung gab. Punkt. Das galt sowohl für die Menschenmenge am Kapitol als auch für die Zuschauer weltweit."

Das Foto sei absichtlich in einem bestimmten Ausschnitt aufgenommen worden, um die "enorme" für Trump am Freitag gezeigte Begeisterung zu "minimieren", wütete Spicer.

"Journalisten sind die unehrlichsten Menschen"

Laut ersten Schätzungen verfolgten die Antrittsrede Trumps rund 800.000 Menschen live vor dem Kapitol - bei Barack Obama waren es 1,8 Millionen. Offizielle Zahlen gibt es noch nicht. Experten gehen davon aus, dass Trump im Vergleich zu Obama nur ein Drittel der Zuschauer anlockte.

Auch im US-Fernsehen wollten im Vergleich mit der Einführung Barack Obamas im Jahre 2009 sieben Millionen Menschen weniger die Trump-Einführung sehen. Auch die Metro in Washington zählte weit weniger Fahrgäste als zur Amtseinführung von Obama.

Spicer verstrickte sich in weitere Widersprüche: Er behauptete, es sei das erste Mal Plastik verwendet worden, um das Gras vor dem Kapitol zu schützen und die Einlasskontrollen seien strenger gewesen als bei früheren Amtseinführungen. Deshalb habe die Menge kleiner gewirkt.

Beides entlarvten US-Journalisten schnell als falsch. Auch bei Obamas Vereidigung 2013 sei der Rasen beispielsweise schon geschützt worden.

Der New-York-Times-Journalist Binyamin Appelbaum twitterte: "Das ist keine politische Kampagne. Das ist kein Spiel. Das ist jetzt das Weiße Haus, das die amerikanischen Bürger belügt."

Und auch Trump legte noch einmal gegen die Medien nach: Gegenüber Geheimdienstvertretern sagte er, dass er sich in einem Krieg mit den Medien befinde. Journalisten gehörten zu den "unehrlichsten Menschen auf dem Planeten".

An seinem ersten Tag im Amt waren ganz offensichtlich nicht die Journalisten unehrlich, sondern er.

Mit Material der dpa

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(lm)