WIRTSCHAFT
21/01/2017 22:36 CET | Aktualisiert 22/01/2017 07:36 CET

Warum Trump sein größtes Versprechen nicht halten wird

Mike Segar / Reuters
Warum Trump sein größtes Versprechen nicht halten wird

  • Trumps wichtigstes Wahlversprechen ist, der USA einen Wirtschaftsaufschwung zu bringen

  • An dem sollen auch die Armen und bisher Abgehängten teilhaben

  • Kann das klappen? Der Top-Ökonom Nicholas Bloom hat da seine Zweifel

Donald Trump hat versprochen, die Abgehängten im Land wieder glücklich zu machen, wieder "great" zu machen, sie am Reichtum zu beteiligen. Damit ist er in guter Gesellschaft, Ähnliches versprechen Rechtspopulisten überall.

Der Stanford-Ökonom Nicholas Bloom hat den Wahlkampf Trumps genau verfolgt und sich seine Pläne für die Wirtschaft angesehen. Er sagt: Trump wird sein wichtigstes Versprechen nicht halten können.

Das sind die Gründe:

1. Rechtspopulisten sind unberechenbar

Donald Trump ändert seine Meinung bekanntermaßen häufiger. Und das nicht nur in Details, sondern grundlegend.

Das neueste Beispiel: Die Fehde zwischen Trump und dem Geheimdienst CIA ist inzwischen legendär. An seinem ersten Tag im Amt besuchte Trump die CIA. Und beteuerte, dass er hinter ihr stehe.

Bloom verweist im Interview mit dem Magazin "Spiegel" darauf, dass Trumps generell "völlig unvorhersehbar" sei.

2. Unternehmen brauchen Sicherheit

Unternehmen, sagt Bloom, brauchten aber Planungssicherheit. Ist unklar, was kommt, investierten sie erstmal lieber nicht, die Börsen reagierten schreckhaft. Das kann auch mal positive Effekte haben, wie auf die Aktien der Baukonzerne, nachdem Trump über den Mauerbau zu Mexiko schwadronierte.

Aber die Aktien fallen eben auch wieder, wenn er dann nur noch einen Zaun haben will. Sprich: Sie werden unberechenbar.

So unkalkulierbar, wie die Politik derzeit ist, hat Bloom sie noch nicht erlebt: "Die Frage politischer Stabilität spielte bestenfalls bei der Bewertung von Entwicklungsländern eine Rolle oder im Falle Russlands. Heute betrifft sie auch

die Demokratien des Westens", sagt er dem "Spiegel".

Es ist ein Teufelskreis: Sinkendes Wirtschaftswachstum und eine wachsende Schwere zwischen Arm und Reich führten zu mehr Unsicherheit. Also zu dem Klima, das den Rechtspopulisten den Boden bereitet. Und die schüren das weiter.

Eine so große politische Unsicherheit wie nach der Wahl Trumps habe es zuletzt in den 1920er-Jahren gegeben, sagt Bloom. Jener Zeit, die als "Große Depression" in die Geschichte einging.

3. Die Abgehängten werden auch die neuen Jobs nicht bekommen

Trump droht Firmen mit horrenden Strafzöllen, sollten sie im Ausland produzierte Produkte in die USA einführen wollen. BMW zum Beispiel müsste, ginge es allein nach Trump, 35 Prozent Einfuhrzoll berappen.

Bloom allerdings glaubt, dass diese Schutzmaßnahmen den abgehängten Amerikanern keine Arbeitsplätze bescheren würden: "Die Jobs dieser Menschen sind doch nicht durch Chinesen oder Mexikaner gefährdet, sondern durch Roboter und Computer. (...) Wenn Sie die Schule mit 16 verlassen, dann gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit eine Maschine, die das, was Sie können, billiger und besser kann."

4. Das Leben könnte für die Armen noch teurer werden

Trotz allem Protektionismus: Die USA werden weiterhin Güter aus Ländern importieren, in denen billiger produziert werden kann als in den USA. China etwa. Werden diese Produkte wegen der Zölle teurer, wird das als allererste die armen Amerikaner treffen.

5. Trumps Taktik kann die US-Wirtschaft schwächen

Experten gehen davon aus, dass Trump durchaus kurzfristige Erfolge verzeichnen wird.

Denn höhere Staatsausgaben – etwa in die Infrastruktur, wie in seiner Antrittsrede angekündigt – und Steuersenkungen werden die Wirtschaft ankurbeln. Doch langfristig, so argumentiert zum Beispiel die„Süddeutsche Zeitung“, kann das die Inflation in die Höhe treiben, die Staatsschulden und die Leitzinsen.

Das wäre unter anderem schlecht für die Exporte, weil Waren für das Ausland teurer würden.

Außerdem könnten andere Staaten sich ebenfalls mit protektionistischen Maßnahmen revanchieren. Von einem "weltweiten Handelskrieg" warnen zahlreiche Ökonomen deshalb.

Schlecht für den US-Export wäre das selbst dann, wenn man berücksichtigt, dass der Export angesichts des gewaltigen Binnenmarktes eine andere Bedeutung hat als etwa in Deutschland.

Schlechte Exportergebnisse wiederum könnten auch in den USA Arbeitsplätze kosten. Laut dem Peterson Institute of International Economics (PIIE) in Washington wären in diesem Fall Millionen US-Jobs gefährdet.

Man ahnt es: Es wären vor allem die der Geringqualifizierten, die es treffen würde.

(ben)

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