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21/01/2017 14:09 CET | Aktualisiert 21/01/2017 19:50 CET

Warum Trumps Antrittsrede eine Warnung an die Welt ist

Joe Raedle via Getty Images
Trumps Antrittsrede war egoistisch und gefährlich, sagt HuffPost-Chefreporter Howard Fineman

  • Trumps Antrittsrede war egoistisch, gefährlich und klang nach einer feindlichen Übernahme

  • Noch nie hat ein Präsident den Patriotismus zur zentralen Botschaft seiner Rede gemacht - aus gutem Grund

Vergebt mir, aber ich liebe die Vereidigung von Präsidenten.

Ich berichte über Politik und liebe Amerika – besonders die Verfassung. Ich genieße den Prunk der Machtübergabe, auch wenn ich weiß, dass die USA nicht perfekt sind.

Ich habe über viele Vereidigungen berichtet. Sie alle waren auf ihre Art ermutigend. Die Antrittsrede erlaubt jedem neuen Präsidenten, versöhnlich in sein Amt zu starten - egal wie dringlich die anstehenden Aufgaben sind.

Es ist eine Chance, unserem verfassungsrechtlichen Prozess zu huldigen; diejenigen anzuerkennen, die den neuen Präsidenten zuvor vielleicht nicht unterstützt haben; und beruhigende Worte über die Stabilität der Freiheit zu bieten.

Und für den größten Teil dieses Jahrhunderts war die Rede für den Präsidenten auch die Chance, unseren Glauben in eine globale Allianz, die humanitäre Werte verbreitet, zu beteuern.

Die Rede von Präsident Donald Trump bot von all dem - fast nichts.

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Jemand wie Donald Trump wurde noch nie gewählt. Daher ist seine Abkehr vom Regelfall nicht überraschend.

Die Rede unterhalb des Podiums zu hören, zu sehen und zu fühlen, war für mich ein Schock.

Zu allererst: die Eile und die Wut.

Trump war anders als Reagan - er wurde persönlich

Ronald Reagan begann 1981 mit einer ähnlichen Haltung. Aber das war damals nicht ansatzweise so roh und simpel, wie Trump sich am Freitag ausdrückte.

Reagan stellte klar, dass er nicht gegen Washington oder die vorherige Regierung poltere. Vielmehr, sagte er, sei er gegen Verschwendungssucht.

Trump dagegen wurde persönlich – auch wenn er keine Namen genannt hat. Er machte ominöse Anspielungen, die an bildliche Ausdrücke aus einem etwas älteren Europa erinnerten.

"Für zu lange", sagte er, "hat eine kleine Gruppe in unserer Hauptstadt die Belohnungen der Regierung eingestrichen, während die Menschen die Kosten getragen haben."

Wen meinte er mit dieser "kleinen Gruppe"? Den Kongress? Die Bürokratie? Die Presse?

Vielleicht sprach er über die ganze schäumende Maschine in Washington selbst. Aber etwas so Weitläufiges scheint nicht zur Wolf-im-Schafspelz-mäßigen Liturgie von Trumps Berater Steve Bannon zu passen, dem Verschwörer und Ausländerfeind.

Der Ton von Trumps Rede war umso markanter angesichts der relativ kleinen Menschenmenge, die die Veranstaltung besuchte. Sie war nicht vergleichbar mit den Zuschauerzahlen vergangener Vereidigungen.

Tony Ledbetter beispielsweise war einer der Wahlmänner, deren Wahlbezirk für Trump gestimmt hatte. Aber er ist auch ein Kreisvorsitzender mit Wurzeln in der Reagan-Kampagne von 1980. Ein erfahrener Politiker also. Er verbat sich Vergleiche seines Idols Reagan mit Trump. Sein Wunsch sei, dass der neue Präsident einfach für Jobs sorgen werde.

Trumps Vision: Kämpferisch und blutig

Präsidenten sprechen normalerweise in ihrer Antrittsrede nicht von sich selbst. Aber Trump, wie üblich, rückte auch von dieser Tradition ab. Er tat das im dramatischen, leidenschaftlichen Tonfall eines Revolutionsführer.

"Ich werde für euch kämpfen mit jedem Atemzug meines Körpers", sagte er, "und ich werde euch nie im Stich lassen."

Manchmal ließ sein Anti-Washington-Populismus Vorgänger wie Reagan wie sanfte Typen erscheinen.

"Die vergessenen Männer und Frauen dieses Landes werden nicht mehr vergessen bleiben", sagte Trump.

Die Rede hatte etwas von der Dringlichkeit eines Straßenverkäufers. Meist kam sie ohne den üblichen Sermon von Staatsmännern daher. "Die Zeit des leeren Geredes ist vorbei. Jetzt ist die Stunde des Handelns gekommen."

Trumps Vision: Kämpferisch und blutig

Die Sprache der Rede war durchwegs kämpferisch und sogar blutig. Bei allen Amerikanern, sagte er, indem er einen militärischen Slogan zitierte, würde "dasselbe rote Blut von Patrioten" in den Adern fließen.

Statt der Idee des Patriotismus und der Liebe zum Vaterland kurz zu zunicken, machte er sie zum zentralen Element seiner Vision.

"Die Grundlage unserer Politik wird das umfassende Bündnis zu den USA sein. Und durch unsere Loyalität zu unserem Land werden wir die Loyalität zueinander wieder finden", sagte er.

Um die besondere Stellung des Patriotismus zu unterstreichen, sagte Trump, er werde eine neue Verordnung erlassen - im Namen "der Menschen, die heute hier versammelt sind."

"Von diesem Tag an wird nur noch 'Amerika zuerst' gelten", sagte er.

Der Wind wehte in diesem Moment die Schreie der Protestierenden herbei und sie gaben der Rede den Anschein einer feindlichen Übernahme.

Warum Trump nicht der Chef sein darf

Kein Präsident hat den Patriotismus jemals zum Kern seiner Antrittsrede gemacht.

Dafür gibt es zwei Gründe. Einerseits sind die USA seit dem Zweiten Weltkrieg Teil einer globalen Allianz, die zwar amerikanische Werte vertritt. Aber diese Werten übersteigen eine einzelne Nation.

Der andere Grund ist, dass ein Präsident beim Amtseid nicht auf die USA, ihre Menschen und ihre Grenzen schwört – sondern auf die Verfassung. Die ist der Chef in Amerika – nicht der Präsident.

Aber sollte ich zwischen seinen Schlachtrufen nicht etwas überhört haben, dann schien es Freitag eher so, als sei Trump der Chef.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Huffington Post USA und wurde von Leonhard Landes ins Deutsche übersetzt.

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