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20/01/2017 17:54 CET | Aktualisiert 23/01/2017 13:41 CET

So viel Philosophie steckt in Trumps Thesen

Carlo Allegri / Reuters
Donald Trump, der 45. Präsident der USA

  • Donald Trump kündigte zu seiner Amtseinführung eine große philosophische Rede an

  • Herausgekommen ist ein martialischer Appell an den Nationalstolz der US-Amerikaner

  • Dabei ließen sich seine Thesen sogar philosophisch interpretieren

Donald Trump ist ein Mann mit einem großen Mundwerk. Sein Twitter-Kanal ist voll von deftigen Aussagen, schamlos übertriebenem Eigenlob und fast schon satirisch wirkenden Forderungen.

Trump höchstselbst allerdings stellte vor knapp einem Jahr fest: "Ich kenne Worte. Ich habe die besten Worte."

Zu seiner Amtseinführung hatte der Milliardär denn auch eine ganz besondere Ansprache angekündigt - von ihm selbst verfasst, natürlich.

Gemäß seinem Sprecher Sean Spicer sollte sie ein "philosophisches Dokument" werden, eine "Vision, wie er Amerika, die Rolle der Regierung und die Rolle des Bürgers sieht". Das berichtete das US-Nachrichtenmagazin "Politico".

Zu einem Auftritt Donald Trumps als intellektueller Staatstheoretiker ist es jedoch nicht gekommen.

Stattdessen lieferte der neue Präsident der USA einen martialischen Appell an den Nationalstolz seiner Bürger - eine fantasielos-einfache "Blut, Schweiß und Tränen"-Rede. Sie wird trotzdem in die Geschichte eingehen, wenn auch nicht wegen geistiger Höhenflüge.

Vielleicht hätte Trump einfach mehr Berater bemühen sollen. Denn mit etwas gutem Willen hätte man seine Thesen schon noch philosophisch unterfüttern können. Also, mit viel Mühe.

Mehr zum Thema: Alle Nachrichten zur Amtseinführung im Live-Blog

Trump und das Wissen

"Es tut mir Leid", beginnt Trump diesen Tweet vom 9. Mai 2015 - er weiß, dass er nun eine unangenehme Wahrheit aussprechen muss. "Versager und Hater, mein I.Q. ist einer der höchsten - und ihr alle wisst es! Bitte, fühlt euch nicht dumm oder unsicher, es ist nicht euere Schuld."

"Ich weiß, dass ich nichts weiß", wusste nach Cicero der große Philosoph Sokrates. Trump weiß, dass er weiß - und doch behält er sich die Fähigkeit des Mitgefühls über die Unwissenden und Schwachen. Eine philosophisch ansprechende Leistung.

Trump und die Demokratie

Im November 2012, einen Tag nach der Wiederwahl Barack Obamas, bricht die Wut aus Donald Trump heraus: "Diese Wahl ist ein einziger Schwindel und Hohn. Wir sind keine Demokratie!"

Es ist nicht überliefert, ob sich Trump wegen Obamas Wiederwahl an die "Tyrannei der Mehrheit" erinnert fühlte, von der einst John Adams, einer der Gründerväter der USA, sprach - oder ob eher im Sinne Alexis de Tocquevilles dachte, der in seinem großen Werk "Demokratie in Amerika" schrieb: "In Amerika errichtet die Mehrheit formidable Barrieren um die Meinungsfreiheit."

Auf jeden Fall spricht es für den praktischen Philosophen Trump, dass er vier Jahre später das Demokratiedefizit der USA so geschickt auszunutzen wusste.

Trump und die Schönheit

2011 überraschte Trump während eines Auftritts in der Show "Good Morning America" die US-Amerikaner mit diesem Bonmot: "Ein Teil meiner Schönheit ist: Ich bin sehr reich."

Für einen gewöhnlichen Geschäftsmann eine gewagte Zurschaustellung eines narzisstischen Hedonismus - doch für einen Philosophen ein tiefschürfender Gedanke über das Wesen der Schönheit.

Schrieb nicht Oscar Wilde in seinem Roman "Das Bildnis des Dorian Gray": "Die Schönheit ist eine Form der Genialität. Höher anzusehen sogar als die Genialität, da sie keinerlei Erklärungen bedarf." Und weiter: "Sie kann nicht in Frage gestellt werden. Sie hat das himmlische Recht auf Souveränität. Sie macht einen Prinzen aus dem, der sie besitzt."

Als hätte Wilde diese Zeilen über Trumps Reichtümer geschrieben.

Trump und die Vernunft

Im August 2014 fürchtete sich die Welt vor einem Ebola-Ausbruch in Westafrika. Auch aus den USA brachen Ärzte auf, um die Epidemie zu bekämpfen.

Diesen aufopferungsvollen Helfern hielt Trump vor ihrer Rückkehr entgegen: "Die USA können keine mit Ebola infizierten Leute zurückkehren lassen. Menschen, die an weit entfernte Orte gehen, sind wunderbar, aber sie müssen die Konsequenzen ertragen!"

Das ist eine Antwort Trumps an Immanuel Kant. Dieser hatte in seiner "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" noch argumentiert, eine wahrhaft selbstlose Tat könne nicht existieren, da der Mensch zuletzt doch immer an sich denke. Trumps Gegenargument: Durch ein Übermaß unmoralischen Verhaltens lässt sich die Selbstlosigkeit anderer erzwingen.

Trump und die Liebe

Ein weiteres und schwer zu erfassendes Thema der Philosophie: die Liebe. Der große iranische Dichter Hafiz widmete diesem "glücklichen Virus" sein Leben; der deutsche Philosoph Richard David Precht betitelte sie als "unordentliches Gefühl".

Und Donald Trump?

Drei Ehen und Tweets, in denen der neue Präsident der USA sich in das Beziehungsleben von Katy Perry oder Robert Pattinson einmischte, weisen darauf hin, dass Trumps philosophische Erörterung der Liebe noch nicht abgeschlossen sind.

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(cho/sk)