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19/01/2017 17:20 CET | Aktualisiert 19/01/2017 17:31 CET

Die US-Medien führen einen Erschöpfungskampf gegen Donald Trump - sie können ihn nicht gewinnen

Getty
Der designierte Präsident der USA, Donald Trump

  • Schon vor Trumps Amtsantritt ist ein absurder Streit zwischen den US-Medien und dem Präsidenten ausgebrochen

  • Trump überlegt, die Presse nicht mehr in das Weiße Haus zu lassen

  • Die liberalen Medien wiederum wollen Trump genau dort nicht sehen - doch ihr Kampf gegen ihn ist vergebens

Am Dienstag hat Kyle Pope, Chefredakteur der "Columbia Journalism Review", einen offenen Brief an Donald Trump geschrieben. Eine Kampfansage.

In dem Schreiben warnt Pope den künftigen Präsidenten: "Wenn Sie einen Reporter, der etwas sagt, das sie nicht mögen, niederschreien oder bei einer Pressekonferenz ignorieren, werden sie es mit einer einheitlichen Front zu tun bekommen."

Eine weitere heftige Episode in einem seit langem ausgefochtenen Konflikt. Ausgelöst hatte sie Trump, indem er laut darüber nachdachte, die Presse aus dem Weißen Haus zu schmeißen. "Sie sind die Oppositionspartei", wird ein hoher Beamter aus Trumps Stab in einem Bericht des Männermagazins "Esquire" zitiert. "Ich will sie aus dem Gebäude haben. Wir erobern den Presseraum zurück." Auch das eine Kampfansage.

Das Verhältnis zwischen Trump und den Medien ist offensichtlich tief gestört - und das nicht erst seit Kurzem.

Alle gegen Trump, Trump für sich selbst

Seit Beginn seiner Kandidatur sieht sich Trump einer in Ablehnung auf ihn vereinten Presselandschaft gegenüber. Ganze sechs Zeitungen empfahlen während des Wahlkampfs Trump zum Präsidenten zu machen - so wenige, wie bei keinem Präsidentschaftskandidaten zuvor.

Auf Grund von Trumps immer, immer und immer neuen Attacken gegen die Medien, warnen auch das Committee to Protect Journalists und Reporter ohne Grenzen vor Trump als Gefahr für die Pressefreiheit.

Trump hält auf seine Art dagegen - per Twitter. Dort verbreitet er trotzig seine eigene Weltsicht, postet Links der rechten Medienplattform "Breitbart" oder teilt gegen seinen alten Arbeitgeber, den Sender NBC, aus.

Die Kassandrarufe der US-Medien

Dabei muss sich Trump vor den Attacken der US-Medien nicht fürchten.

Es war egal, als er während der Ankündigung seiner Kandidatur alle Mexikaner als "Vergewaltiger und Mörder" diffamierte.

Es war egal, dass er brutale Diktatoren lobte oder die Familienangehörigen von Terroristen töten wollte.

Es war egal, als die "New York Times" von seinen grenzlegalen Bereicherungen durch Steuertricks berichtete, oder eine ganze Titelseite mit den Menschen, Orten und Dingen füllte, die Trump auf Twitter schon beleidigt hat.

Die Medien haben Trump fast zwei Jahre lang wegen seiner Lügen, seiner Fremdenfeindlichkeit, seiner zwielichtigen Geschäftspraktiken und seiner Megalomanie bloßgestellt - und doch haben sie es nicht geschafft zu verhindern, dass der exzentrische Milliardär zum neuen Präsidenten der USA gewählt wurde.

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Eine groß angelegte Harvard-Studie zur Wahlberichterstattung der bedeutendsten US-Medien formuliert es wie folgt: "Ein unablässiger Strom der Kritik hat einen zermürbenden Effekt. Er zersetzt unnötigerweise das Vertrauen in politische Vorbilder und Institutionen und untergräbt jegliche Zuversicht in Bezug auf Regierungen und politische Handlungen."

Donald Trump war die längste Zeit Ziel dieses unablässigen Stroms der Kritik, doch er war nie ein politisches Vorbild. Er und seine vielen Anhänger misstrauen den demokratischen Institutionen, allen voran den Medien.

Gerade deshalb - und entgegen jegliche journalistischen Bemühungen - ist er der Präsident der US-Amerikaner geworden.

Die Medien haben den Kampf gegen den Kandidaten Trump verloren. Auch den gegen den Präsidenten können sie nicht gewinnen.

(mf)

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