So viel Drittes Reich steckt in Höcke: Ein Museumsleiter analysiert die Skandal-Rede

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  • Der thüringische AfD-Chef Björn Höcke hat am Dienstagabend einen in Dresden eine Skandalrede gehalten
  • Während einer Rede nannte er unter anderem das Holocaust-Mahnmal ein "Denkmal der Schande"
  • Der Experte für den Nationalsozialismus Enno Lenze hat die Rede analysiert

Enno Lenze ist Geschäftsführer sowohl des Berlin Story Museums als auch des Berlin Story Verlags, der mit "Hitler - das Itinerar" in vier Bänden das umfangreichste Werk über Hitlers Leben herausgibt. Als Experte für den Nationalsozialismus hat er sich die Skandal-Rede des AfD-Politikers Björn Höcke genauer angeschaut. Im Video oben könnt ihr euch die Analyse ansehen.

Lenze sieht im Duktus der Rede klare Parallelen zum Sprachgebrauch der Nationalsozialisten. Es sei auffällig, wie Höcke "mehr und mehr Formulierungen benutzt, die einen an die Reden an aus der Nazi-Zeit erinnern.

Das Weltbild Höckes ist für Lenze ein klar schwarz-weißes: "Zunächst einmal sagt er, dass die Pegida-Leute 'in vorbildlicher Weise ihre Bürgerrechte wahrnehmen' und dass die AfD 'im engsten Kontakt mit den befreundeten Bürgerbewegungen' stehen müsse." Auf der Gegenseite dieses polarisierten Weltbilds stünden für Höcke dann der "Apparatschik" Merkel und ihre Bundesregierung, die ein "Regime" und "unfähig" sei.

Höckes "entbehrungsreicher Weg" zum "vollständigen Sieg"

Für Höcke, so Lenze, löst sich der deutsche Staat "bereits auf und ist 'erstmals durch Masseneinwanderung elementar bedroht'". Die AfD werde von Höcke schließlich als letzte friedliche Chance, sogar als letzte evolutionäre Chance für das Vaterland beschrieben.

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Es schließt sich bei Höcke dann ein Satz an, der Lenze "besonders an die NS-Zeit erinnert: 'Ich weise euch einen langen und entbehrungsreichen Weg - aber es ist der einzige Weg, der zu einem vollständigen Sieg führt.' Vollständiger Sieg? Endsieg? Da war doch was.."

Auch weitere Formulierungen sind für Lenze dem NS-Sprech zuzurechnen - etwa, als Höcke die Bombenangriffe auf Dresden mit den Atombombenabwürfen auf Nagasaki und Hiroshima gleichsetzt. "Höcke vergisst da irgendwie die 60 Millionen Toten, für die die Nazis verantwortlich waren, und die sechs Millionen Gefangenen, die auf übelste Weise systematisch ermordet wurden."

Meint Höckes "uns" tatsächlich "uns Nazis"?

Lenze stößt sich auch an Björn Höckes Verwendung des Wortes "uns". "Der Angriff auf Dresden diente seiner Meinung nach dazu 'uns' auf Stumpf und Stiel zu vernichten; danach habe es eine 'Umerziehung von Opfern zu Tätern' gegeben", so der Historiker.

Höcke müsse mal genau erklären, wenn er mit "uns" denn meine: "Wer meint, dass die Luftangriffe auf Nazideutschland dazu dienten 'uns' zu vernichten, der müsste sich mit 'uns' ja zu den Nazis zählen."

Höckes verquere Verwendung des Begriffs Schande

Für die meiste Aufruhr hatte am Dienstagabend Höckes Aussage gesorgt, in Berlin stehe mit dem Holocaust-Denkmal ein "Denkmal der Schande". Höcke äußerte sich dazu am Mittwochnachmittag, er habe damit den Holocaus als eine Schande für das deutsche Volk bezeichnen wollen.

"Natürlich ist der Holocaust eine Schande", sagt dazu Enno Lenze, "er meint es aber anders, nämlich so, dass man nicht immer diese 'dämliche' Bewältigungspolitik betreiben sollte, sondern auch mal an die schönen Seiten denken, die es früher in Deutschland gab."

Für Lenze lassen Höckes Wortwahl und seine "Anlehnung an Nazi-Reden" nur einen Schluss zu: "Das ist schon ziemlich klar, in welche rechte Richtung das geht."

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