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16/01/2017 21:41 CET | Aktualisiert 17/01/2017 12:45 CET

Gigantische Maut-Trickserei: LKW aus Osteuropa haben Staat um Millionen betrogen

  • Laut Recherchen des ZDF sollten 20 Prozent aller Lkw aus Osteuropa ihre Abgasanlage manipuliert haben

  • Dies würde Mautbetrug in einer Höhe von rund 110 Millionen Euro bedeuten

  • Um das Thema geht es auch im Video oben

Ein Team aus ZDF-Journalisten hat offenbar eine besonders dreiste Maut-Trickserei sowie kriminelle Manipulationen von Lastwagen aufgedeckt.

Durch versteckte Recherchen in Rumänien und bei polizeilichen Kontrollen in Polen kam das ZDF-Team der Masche auf die Spur: Jeder fünfte LKW aus Osteuropa ist demnach dringend verdächtig, seine Abgasanlage manipuliert zu haben. Das sollen Messungen im Auftrag des ZDF und der Organisation "Camion Pro" ergeben haben.

Die Masche: Die LKW-Fahrer und Spediteure nutzen Technik, die die Bordelektronik des LKW außer Gefecht setzt. Die LKW können so Umweltschutzauflagen umgehen - und Maut sparen. Denn die Mauthöhe für LKW auf deutschen Autobahnen hängt davon ab, wie viel Schadstoffe die Laster ausstoßen.

Und so funktioniert der Betrug im Detail: Normalerweise nutzen moderne Dieselmotoren zur Abgasreinigung einen Stoff, der als "AdBlue" bekannt ist. Den Stoff spritzen die Motoren in die Auspuffanlage ein und reinigen damit die Abgase.

"Eine absolut saubere Technologie, die Lkw besser dastehen lässt als viele moderne Diesel-PKW", erklärt Professor Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie.

Das Problem: "AdBlue" kostet Geld.

Deshalb bauen LKW-Fahrer oder Spediteure Technik in die LKW ein, die den Motoren vorgaukelt, dass "AdBlue" genutzt wird. Bei oberflächlichen Kontrollen der Polizei ist nichts Auffälliges zu sehen ist.

"Die deutsche Polizei kennt das nicht"

In Rumänien demonstrierte ein Spediteur stolz dem Fernsehteam, wie einfach ein Lkw zu manipulieren ist, und erklärt, "dass man in Deutschland keine Angst haben muss, die Polizei kennt das nicht".

Insgesamt könnte ein Mautbetrug in einer Höhe von rund 110 Millionen Euro entstanden sein. Der Schaden für die Umwelt mit einem Ausstoß von rund 14.000 Tonnen Stickoxiden pro Jahr ist laut Experten doppelt so groß wie bei den Abgas-Manipulationen von VW in den USA.

"ZDFzoom" und "Frontal 21" liegen exklusiv Messdaten und Unterlagen vor, die das ganze Ausmaß belegen: Mautbetrug in vielfacher Millionenhöhe und Umweltverschmutzung, verursacht durch kleine Elektronikbauteile, so genannte Emulatoren oder "AdBlue-Killer".

Über den Maut-Skandal berichtet am Dienstag, 17. Januar 2017, 21.00 Uhr, zunächst das ZDF-Magazin "Frontal 21". Die komplette Recherche ist am Mittwoch, 18. Januar 2017, 22.45 Uhr, in der "ZDFzoom"-Sendung "Die Lüge vom sauberen Lkw – Abgas-Betrüger und ihre Dreckschleudern" zu sehen.

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(bp)

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