POLITIK
16/01/2017 15:53 CET | Aktualisiert 16/01/2017 20:49 CET

Mit diesem Satz hat Donald Trump das Tor zur Hölle geöffnet

Machen wir uns nichts vor: Seit heute wissen wir endgültig, dass Donald Trump ein Risiko für den Weltfrieden ist.

Der designierte amerikanische Präsident hat der "Bild" ein Interview gegeben, das vor Widersprüchen, Kindergebrabbel und tiefschwarzer Ahnungslosigkeit nur so strotzt.

An einer Stelle lässt er erkennen, dass er das Wahlsystem in Deutschland nicht wirklich verstanden hat – er fragt, „gegen wen Angela Merkel“ bei der kommenden Wahl antritt. Anders als in Amerika werden in Deutschland Parteien gewählt, und keine Kandidaten.

An einer anderen Stelle kokettiert er im Gespräch mit den Journalisten damit, dass er in seinem Büro im Trump-Tower geheime Unterlagen herum liegen habe: „Ich habe mir gerade etwas angesehen … oh, das darf ich Ihnen gar nicht zeigen, weil es geheim ist.“ Der Mann, der immerhin ab Freitag über den Atomkoffer mit sämtlichen Abschusscodes für nukleare Langstreckenraketen verfügen wird, verhält sich wie ein 13-Jähriger, der das Tagebuch seiner großen Schwester gefunden hat.

"Die Nato ist obsolet"

Aber solche intellektuellen Ausfälle waren noch geradezu harmlos gegen das, was Donald Trump über die Zukunft der Nato sagte (auch im Video oben).

Von "Bild"-Journalist Kai Diekmann wurde Trump gefragt: „Können Sie verstehen, dass Osteuropäer vor Putin und Russland Angst haben?“

Trump antwortete: „Sicher. Na klar, ich weiß das. Ich meine, ich verstehe, was da vor sich geht, ich sage seit Langem: Die Nato hat Probleme. Sie ist obsolet, weil sie erstens, wie Sie wissen, vor vielen, vielen Jahren entworfen wurde. Zweitens zahlen die Länder nicht das, was sie zahlen müssten.“

Noch einmal zum Mitschreiben. Trump sagt: „Die Nato ist obsolet.“

Sahra Wagenknecht gefällt das

In der Friedensbewegung mögen da die Krimsekt-Korken knallen, und Sahra Wagenknecht überlegt bestimmt gerade, wie sie diese neue Gemeinsamkeit mit ihrem brennenden Amerika-Hass in Einklang bringen kann.

Für den Rest Europas ist dieser Satz eine verheerende Nachricht. Er könnte der Beginn für grundlegende politische Veränderungen auf dem Kontinent werden. Nicht zuletzt könnte man den Satz als Freibrief für Wladimir Putin verstehen: Was auch immer Russland in Zukunft mit Osteuropa vor hat – es geht Amerika nichts mehr an.

Denn Trump macht mit seinem Statement klar, dass ihm Werte in seinem politischen Handeln völlig egal sind. Was ihm wichtig ist, das sind „gute Deals“ für Amerika. Solche, die sich sofort auszahlen.

Nun war es für Amerika über die vergangenen 27 Jahre hinweg ein ziemlich guter Deal, dass in Europa weitgehend Frieden herrschte und das sich die Staaten des früheren Ostblocks zu Demokratien mit freier Marktwirtschaft entwickelten. Ähnlich übrigens, wie Deutschland in phänomenalem Maße vom gemeinsamen europäischen Markt und der Einführung des Euros profitiert hat.

Osteuropäer suchten Schutz vor Russland

Doch in Amerika wurde Trump von Menschen gewählt, die Worte wie „Bündnistreue“ und „internationale Zusammenarbeit“ wohl für „verweichlichtes Gelaber“ halten. Sie sind deshalb gegen das internationale Engagement Amerikas, weil es sich nicht von heute auf morgen in materielle Vorteile übersetzen lässt. Also aus ähnlichen Gründen, aus denen heraus AfD-Anhänger im Jahr 2013 gegen die Europäische Union mobil gemacht haben.

Man könnte jetzt sagen: Wenn jeder an sich selbst denkt, ist jedem irgendwie geholfen. Ulf Poschardt hat das in der „Welt“ getan . Aber so einfach ist es nicht.

Das gilt vor allem für die Länder Osteuropas. Polen, Estland, Lettland, Litauen, aber auch Tschechien, Rumänien, Bulgarien – sie sind alle einst deswegen in die Nato eingetreten, um Schutz vor einer erneuten Expansionsbewegung des russischen Nationalismus zu finden.

Wenn die Nato nun „obsolet“ ist, hat das weitreichende Folgen.

Gefährlicher Rüstungswettlauf

Was wir in den kommenden Monaten erleben werden, ist ein gefährlicher Rüstungswettlauf in Osteuropa. Die Ukraine hat ihre Armee bereits in den vergangenen drei Jahren modernisiert – gezwungenermaßen, weil sie von Russland angegriffen wurde.

Auch die polnische Armee wird derzeit massiv aufgerüstet. Im Jahr 2014 verfügte die Streitkräfte noch über 100.000 reguläre Soldaten, hinzu kamen 50.000 Mann der aktiven Reserve. Durch die Verschmelzung mit paramilitärischen Einheiten unter der Regie des Verteidigungsministeriums dürfte das Land bald schon mehr als 200.000 Soldaten unter Waffen haben. Die polnische Armee wäre damit größer als die Bundeswehr.

Außerdem dürften sich die Länder Osteuropas auf die Suche nach neuen Militärbündnissen machen. Bekannt war schon vorher, dass sich Polen, die Ukraine und Rumänien aufeinander zu bewegen. Zusammen hätten die drei durch gemeinsame Grenzen verbundenen Länder immerhin knapp 100 Millionen Einwohner und gut 500.000 Soldaten.

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Das Baltikum ist ohne Schutz

Währenddessen hat auch Russland seine Armee nach neuesten Standards modernisiert. Unabhängige Analysten wie der russisch-amerikanische Militärexperte Pavel Felgenhauer gehen davon aus, dass Russland bereits im Jahr 2017 fähig sein wird, einen größeren, aber noch regional begrenzten Krieg zu führen.

Genau davor fürchten sich die Ukrainer: Dass der Krieg im Osten doch noch zu einem landesweiten Verteidigungsfall wird.

Und im Baltikum? Dort dürfte ab heute das Prinzip Hoffnung vorherrschen. Denn ohne die „obsolete Nato“ sind die kleinen Länder im Nordosten Europas völlig schutzlos. Wenn Russlands Präsident Wladimir Putin dort einen hybriden Krieg entfachen will – dann sind seine Chancen dafür selten so gut gewesen wie im Jahr 2017.

Vom "Frieden in Europa" werden wir dann nur noch in der Vergangenheitsform reden. Es sei denn, Donald Trump kommt doch noch zur Vernunft. Danach sieht es jedoch derzeit nicht aus.

(mf)