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15/01/2017 23:00 CET | Aktualisiert 16/01/2017 11:11 CET

Donald Trump wirft Merkel "katastrophalen Fehler" vor und erklärt: "Ich liebe Deutschland"

Shannon Stapleton / Reuters
"Ein katastrophaler Fehler": Donald Trump schießt scharf gegen Angela Merkel

  • In seinem ersten Interview mit einer deutschen Zeitung hat Donald Trump Angela Merkel scharf angegriffen

  • Sie habe einen "katastrophalen Fehler" begangen, als sie die Grenzen öffnete

  • Trump sagte, die Deutschen hätten jüngst gesehen, wohin das führen kann - und spielte damit auf den Berliner Anschlag an

Donald Trump hat sein erstes Interview mit einer deutschen Zeitung der "Bild" gegeben.

In dem Gespräch attackierte der designierte US-Präsident nicht nur Kanzlerin Angela Merkel (CDU) scharf - sondern er erklärte unter anderem auch die Nato für überflüssig, warnte deutsche Autokonzerne - und er betonte, wie stolz er auf seine deutschen Wurzeln sei.

Hier sind seine wichtigsten Aussagen:

Trump über Merkel

"Ich finde, sie hat einen äußerst katastrophalen Fehler gemacht, und zwar all diese Illegalen ins Land zu lassen", sagte Trump der "Bild".

Aber dem nicht genug. Der designierte US-Präsident gibt Merkel auch indirekt Schuld am Attentat vom Berliner Breitscheidplatz.

Von den Folgen der Politik der offenen Grenzen habe Deutschland jüngst "einen deutlichen Eindruck bekommen", erklärte Trump - und sprach natürlich vom 19. Dezember. "Ich bin also der Meinung, sie hat einen katastrophalen Fehler gemacht, einen sehr schlimmen Fehler."

Kurz nach dem Anschlag von Berlin hatte Trump auf Twitter geschrieben: "Es wird immer schlimmer. Die zivilisierte Welt muss ihr Denken verändern."

Dennoch habe er immer Respekt vor der Kanzlerin gehabt, erklärte Trump.

"Merkel ist mit Abstand einer der wichtigsten Regierungschefs", so Trump. "Ich hatte das Gefühl, sie ist großartig, eine großartige Anführerin." Ob er sie - wie sein Vorgänger Barack Obama - im Wahlkampf unterstützen werde, wisse er noch nicht. Er kenne Merkel nicht. "Also kann ich nichts dazu sagen, wen ich unterstützen würde – falls ich überhaupt jemanden unterstützen würde."

Mehr zum Thema: HuffPost Umfrage: Was bedeutet Donald Trumps Sieg für Deutschland?

Trump über die Nato

Als großer Freund der Nato hat sich Trump noch nie gezeigt. Die Bündnispartner geben laut Trump zu wenig Geld für die Verteidigung aus und verlassen sich darauf, dass die USA ihnen zur Seite stehen.

"Die Nato hat Probleme. Sie ist obsolet, weil sie erstens vor vielen, vielen Jahren entworfen wurde. Zweitens zahlen die Länder nicht das, was sie zahlen müssten", sagt Trump gegenüber der "Bild".

Aber das ist nicht der einzige Grund, wieso die Nato überflüssig sei. Denn sie habe sich auch nicht um den Terrorismus gekümmert.

"Abgesehen davon, ist mir die Nato aber sehr wichtig," sagte Trump anschließend.

Überflüssig, aber trotzdem sehr wichtig? So ganz im Klaren, was er in Bezug auf die Nato will, scheint sich der Immobilen-Tycoon fünf Tage vor seiner Vereidigung noch nicht zu sein.

Trump über deutsche Autohersteller

Trump hat seine Drohung wiederholt: Wenn deutsche Autohersteller ihre Produktion in Mexiko aufbauen statt in den USA, müssen sie saftige Strafzölle zahlen, wenn die Autos dann doch in den USA verkauft werden sollen.

"Ich würde BMW sagen, wenn sie eine Fabrik in Mexiko bauen und Autos in die USA verkaufen wollen ohne eine 35-Prozent-Steuer, dann können sie das vergessen." BMW könnte Autos für die USA bauen, aber da würden dann eben die 35 Prozent Aufschlag fällig.

“Was ich damit sage, ist, dass sie ihre Fabrik in den USA bauen müssen - es wird für sie viel besser sein und für unsere Bemühungen.“

Er sei ein Freund deutscher Autos, findet aber, dass Deutschland gegenüber den USA "sehr unfair" gewesen sei.

"Es besteht keine Gegenseitigkeit. Wie viele Chevrolets sehen Sie in Deutschland? Nicht allzu viele, vielleicht gar keine, man sieht dort drüben gar nichts, es ist eine Einbahnstraße."

Trump über seine deutschen Wurzeln

Er sei sehr stolz, deutsche Wurzeln zu haben, betonte Trump gegenüber der "Bild".

Sein Großvater stammt aus dem rheinland-pfälzischen Städtchen Bad Dürkheim und wanderte in die USA aus. "Deutschland ist etwas ganz Besonderes. Bad Dürkheim, ja, das ist echtes Deutschland, nicht wahr? Keine Frage, das ist echtes Deutschland. Nein, ich bin sehr stolz auf Deutschland. Ich liebe Deutschland."

So sprach Trump aber nicht immer über seine deutsche Herkunft. In seinem 1987 erschienen Buch "The Art of the Deal" behauptet er sogar, dass sein Großvater aus Schweden emigrierte.

Trump über die Europäische Union

Trump erwartet, dass weitere EU-Mitglieder die Union verlassen.

"Menschen, Länder wollen ihre eigene Identität, Großbritannien wollte seine eigene Identität", so Trump. "Die Leute wollen nicht, dass andere Leute in ihr Land kommen und es zerstören."

Außerdem machte er die Flüchtlingskrise für den Brexit verantwortlich.

"Das war der Tropfen, der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte." Der Brexit sei "eine großartige Sache". Denn: Die EU sei letztlich nur Deutschland. "Im Grunde genommen ist die Europäische Union ein Mittel zum Zweck für Deutschland. Deswegen fand ich, dass es so klug von Großbritannien war, auszutreten."

Trump über Grenzkontrollen

Trump will die Kontrollen an den Grenzen verschärfen und dabei auch verstärkt EU-Bürger ins Visier nehmen.

"Es wird extreme Sicherheitsüberprüfungen geben, es wird nicht so sein wie jetzt." Die bisherigen Einreisebestimmungen seien aus seiner Sicht alles andere als ausreichend, so Trump: "Wir haben keine richtigen Sicherheitsüberprüfungen bei der Einreise in unser Land, sie existieren im Grunde genommen derzeit gar nicht."

Auf gar keinen Fall wolle er es aber so machen wie Deutschland und Menschen aus Syrien, bei denen die Identität nicht geklärt sei, ins Land lassen.

Trump über Irak und Syrien

Der baldige US-Präsident übte scharfe Kritik am Irak-Krieg.

"Das war eine der schlechtesten Entscheidungen, möglicherweise die schlechteste Entscheidung, die in der Geschichte unseres Landes je getroffen wurde. Wir haben da etwas entfesselt – das war, wie Steine in ein Bienennest zu schmeißen. Und nun ist es einer der größten Schlamassel aller Zeiten."

Auch die Syrien-Politik kritisierte er - und überraschenderweise auch seinen vermeintlichen Freund Wladimir Putin. "Das ist eine sehr üble Sache", sagte Trump.

"Aleppo war scheußlich. Wenn man sieht, wie sie alte Frauen erschießen, die die Stadt verlassen. Sie können nicht einmal da lang gehen und werden erschossen. Es wirkt fast so, als würden sie sie zum Spaß erschießen – ach, das ist schrecklich, das ist eine schreckliche Lage. Aleppo ist in einer so furchtbaren humanitären Lage."

Aber er schoss auch gegen Obama, der seiner Ansicht nach viel früher hätte eingreifen müssen. "Es ist zu spät, jetzt ist alles vorbei."

Trump über die Presse

Ursprünglich sei es sein Plan gewesen, seine Twitter-Aktivitäten zurückzuschrauben. Aber der Plan ist schon wieder vom Tisch.

"Die Presse berichtet so unehrlich über mich – so unehrlich – dass ich mich über Twitter äußere. Und es sind nicht 140 Zeichen, es sind jetzt 140, 280 – ich kann bing, bing, bing machen und mache einfach weiter, und sie veröffentlichen es, sobald ich es twittere."

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(ben(/sk)