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Trumps Pressekonferenz: Die kommenden vier Jahre werden unerträglich

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DONALD TRUMP
Das kann ja heiter werden: Donald Trump bei der Pressekonferenz in seinem eigenen Turm | Lucas Jackson / Reuters
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Wer einen Eindruck davon bekommen wollte, wie die Trump-Präsidentschaft sein wird, musste sich die heutige Pressekonferenz anschauen.

Vor den Journalisten zeigte sich ein Mann mit den Attitüden eines Autokraten. Auf Amerika und die Welt kommen vier lange Jahre voller Skandale, Chaos, Größenwahn und Vetternwirtschaft zu.

Aber von vorne.

Es war das erste Mal seit seinem Wahlsieg, dass Trump sich den Fragen mehrerer Journalisten stellte, und die erste Pressekonferenz seit Juli 2016. Massiv hatte Trump sich am Morgen gegen neu aufgetauchte Berichte gewehrt, Russland könne ihn mit schmutzigem Material erpressen. Er soll Prostituierte auf einem Hotelbett in Moskau uriniert haben lassen.

Nach etwas wirren ersten zehn Minuten Statement starten Fragen und Antworten - es war bis zuletzt offen, ob dies tatsächlich eine Pressekonferenz im eigentlichen Sinne werden würde. Was folgt, ist ein Parforceritt, dem nicht immer leicht zu folgen ist.

Zwei Fragen lässt Trump zu, keine beantwortet er wirklich. Die Porno-Vorwürfe streitet er ab. "Nonsense! Nichts davon ist passiert, eine Schande!". Stattdessen duscht Trump im Größenwahn: "Wir werden der größte Arbeitsplatzbeschaffer sein, den Gott je geschaffen hat. Daran glaube ich. Das versichere ich Ihnen." Oder: "Wir werden eines der besten Kabinette überhaupt haben".

Sein Verhältnis zu Russland? Eine große Unbekannte.

Ob er mit Russlands Präsident Wladimir Putin klar kommen werde? Vielleicht, vielleicht auch nicht. In Russland müsse man immer vorsichtig sein, sagt Trump, gebe es doch kleine Kameras in den Räumen. Nein, er habe keine Schulden in Russland und es liefen auch keine Deals.

Wie er seine Firma aufteilt, lässt er seine Anwältin erklären. Zwanzig Minuten dauert das. Wann hat zuletzt ein ranghoher Politiker auf einer Pressekonferenz seinen juristischen Beistand vorgeschickt?

Klar, das Thema ist kompliziert. Aber Trump wird Präsident. Erschreckend der Gedanke, wie er künftig Verhandlungen mit erfahrenen Staats- und Regierungschefs führen wird. Schickt er auch seine Anwälte vor, wenn ihn Putin und Merkel zum Gespräch bitten? In der Unternehmenswelt mag das üblich sein, in der Diplomatie aber großer Unsinn.

Ein großes Fragezeichen hinterlässt Trump auch, weil sich Interessenskonflikte mit seinem Unternehmen kaum vermeiden lassen. Zwar werden seine beiden Söhne seine Firma weiterführen, aber Trump bewahrt sich seinen Einfluss. Wie will er künftig unvoreingenommen über Steuern oder Arbeitsrecht entscheiden, wenn sein so gigantisches Imperium davon betroffen sein wird? Kaum vorstellbar.

Später versinkt die Pressekonferenz komplett im Chaos. Buzzfeed, die das Geheimdienstmaterial über Trumps angebliche Eskapaden in Moskau veröffentlichten, nannte Trump "einen Versagerhaufen, Müll." Als ein CNN-Reporter eine Frage stellt, redete sich Trump in Rage.

"Sie kriegen keine Frage, Sie sind Fake-News", sagte er. Die beiden schrieen sich gegenseitig an. Befremdlich wird es auch, weil zwischendurch immer wieder für Trump applaudiert wird. Wer klatscht da? Wie absurd ist das?

Was für ein Kontrast zur letzten Pressekonferenz von Obama. Natürlich, Trump ist ein anderer Politikertyp. Aber so anders? Trump neben Obama, das fühlt sich an wie Ballermann neben Hamburger Elbhilharmonie. Gott weiß, wie die Amerikaner und alle, die auf diesem Globus mit Trump klarkommen müssen, das ertragen werden.

Das Land - und die Welt - sind tief gespalten.

Wie Trump das ändern will, bleibt sein Geheimnis.

Mit Material von dpa

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