Urteil in Straßburg: Muslimisches Mädchen muss zum Schwimmunterricht mit Jungs

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Zwei muslimische Eltern aus Basel haben vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof dagegen geklagt, dass ihre Töchter zum gemischten Schwimmunterricht müssen - ihr Glaube verbiete dies (Zusammenfassung im Video oben).

Geklagt haben ein Vater und eine Mutter aus Basel. Die beiden Muslime berufen sich auf die Religionsfreiheit. Ihnen wurden Bußgelder auferlegt, weil sie sich geweigert hatten, ihre Töchter zum Schwimmen zu schicken.

Jetzt hat das Gericht geurteilt: Die Töchter müssen am Schwimmunterricht teilnehmen (mehr zum Urteil in Kürze).

Auch in Deutschland ziehen Eltern vor Gericht

Schon vorher hatte die Schweizer Justiz argumentiert: Da die Mädchen die Pubertät noch nicht erreicht hatten, können sich die Eltern nicht auf gesetzliche Ausnahmen von der Teilnahmepflicht berufen.

Auch in Deutschland ziehen immer wieder Eltern vor Gericht, die ihre Töchter und Söhne von den Stunden im Hallenbad befreien lassen möchten.

Doch wie entschieden die Gerichte bisher? Können Kinder gezwungen werden am Schwimmunterricht teilzunehmen?

Das sind die Fälle:

- 2013 lehnt das Bundesverwaltungsgericht die Klage einer Frankfurter Schülerin ab. Leicht bekleidete junge Männer seien in Deutschland im Sommer überall zu sehen.

Der Anblick leicht bekleideter männlicher Schüler im Schwimmbad beinträchtige die 13-Jährige somit nur «geringfügig» in ihrer Glaubensfreiheit. Der staatliche Bildungs- und Erziehungsauftrag überwiege. Im Übrigen sei ein Ganzkörperbadeanzug («Burkini») ein akzeptabler Kompromiss.

Pubertät ist ausschlaggebend

- Eine Verfassungsbeschwerde der Frankfurter Schülerin gegen das Urteil wurde 2016 nicht zur Entscheidung angenommen, so dass eine Einschätzung der Karlsruher Richter bislang aussteht.

- Das Oberverwaltungsgericht Bremen hielt 2012 für einen Anspruch auf Befreiung vom Schwimmunterricht das Einsetzen der Pubertät für ausschlaggebend - auf jeden Fall aber die Vollendung des zwölften Lebensjahrs. Die Klage einer muslimischen Drittklässlerin lehnte es damit allerdings ab.

- 2009 gab das Oberverwaltungsgericht Münster einer Schulleiterin Recht, die einen Befreiungsantrag für eine elfjährige Muslimin abgelehnt hatte. Die Mutter hatte bei den Aufnahmegesprächen für das Düsseldorfer Gymnasium unterschrieben, dass sie mit der Teilnahme ihrer Tochter am Schwimmunterricht mit Jungen und auch an mehrtägigen Klassenfahrten einverstanden sei.

- Nicht die Tochter, sondern der Sohn sollte in diesem Fall vom Schwimmunterricht befreit werden. Mit diesem Anliegen scheitern die muslimischen Eltern 2005 vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf jedoch. Sie hatten argumentiert, ihr Sohn solle Schülerinnen in Badeanzügen und Bikinis weder sehen noch womöglich sogar berühren.

Das Urteil in Straßburg wird heute für 10 Uhr erwartet.

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