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Beunruhigende Umfrage: Mehr als die Hälfte der Frauen fühlt sich in Deutschland nicht mehr sicher

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Beunruhigende Umfrage: Mehr als die Hälfte der Frauen fühlt sich in Deutschland nicht mehr sicher | Sascha Schuermann via Getty Images
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Frauen fühlen sich in Deutschland nicht mehr sicher. Das ist das erschreckende Ergebnis einer Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag". Demnach glauben 58 Prozent der Frauen, öffentliche Orte seien unsicherer geworden.

Fast die Hälfte der Befragten gibt gar an, bestimmte Gebiete in ihrem Wohnort zu meiden, jede sechste Frau führt nach eigener Aussage mittlerweile Pfefferspray mit sich, um sich vor möglichen Übergriffen zu schützen.

Die Nachrichtenseite "Focus Online" hat nun Leserinnen zum Thema befragt. Die Antworten sind teilweise erschreckend. Eine Frau sagt: "Nachts, wenn ich von Freunden alleine nach Hause laufe, habe ich die Schlüssel zwischen den Handknöcheln, bereit um zuzuschlagen."

"Ich habe auf dem Heimweg ein mulmiges Gefühl"

Eine andere berichtet: "Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich schon in der Früh oder um 17 Uhr ein mulmiges Gefühl habe auf dem Heimweg an den Stadtrand."

Zu dem Stimmungswechsel trugen sicherlich auch die Berichte über die massenhaften Sexual-Übergriffe in der Kölner Silvesternacht 2015/2016 und die erneuten Männeransammlungen in diesem Jahr bei.

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Dennoch ist es nicht nur die Angst vor einem vermeintlichen Anstieg von Straftaten durch Zuwanderer, der die Frauen beschäftigt. Eine Leserin sagte "Focus Online": "Ich fühle mich schon seit meiner Kindheit nicht so richtig sicher in Deutschland. Dazu habe ich hier zu viel Gewalt erlebt. Von Deutschen. Im Elternhaus, aber auch auf offener Straße."

Gewaltkriminalität geht eigentlich zurück

Das wachsende Gefühl der Unsicherheit ist nicht auf einen tatsächlichen Zuwachs der Gewaltkriminalität zurückzuführen. In den letzten zehn Jahren ist die polizeilich erfasste Anzahl der Delikte nämlich deutlich gesunken, von 212.832 Fällen im Jahre 2005 auf zuletzt 181.386 Delikte im Jahre 2015.

Auch die Kriminalität von Zuwanderern, die in Vergangenheit immer wieder in den Fokus gerückt wurde, ist rückläufig. Die Zahl der Straftaten, bei denen Zuwanderer Täter oder Tatverdächtige sind, ist nach internen Zahlen des Bundeskriminalamtes im Laufe des vergangenen Jahres gesunken.

Im dritten Quartal 2016 lag die Zahl dieser Straftaten demnach um knapp ein Viertel (23 Prozent) unter der des ersten Quartals. Für den Gesamtzeitraum gibt das BKA den Medien zufolge 214.600 Straftaten durch Zuwanderer an. Das sind einige Tausend mehr als 2015. Im gleichen Zeitraum haben sich in Deutschland allerdings 213.000 zusätzliche Asylbewerber registriert, wie es hieß.

Es sind Zahlen, die Hoffnung machen, aber die gleichzeitig zeigen, dass es noch immer große Probleme gibt. Probleme, die wir nüchtern diskutieren müssen, frei von Schuldzuweisungen, Parteipolitik und Alarmismus.

Denn nur so können wir Antworten finden. Denn Angst ist selten ein guter Ratgeber.

(sk)