Beunruhigender Bericht: So dreckig ist das Grundwasser in Deutschland – und niemand tut etwas dagegen

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TRACTOR SLURRY
According to Italian law, pig farmers must own sufficient land so they can dispose of the slurry the pigs produce. However, many discharge it illegally into the River Po. | Eco Images via Getty Images
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  • Ein aktueller Bericht der Bundesregierung zeigt, dass die Nitrat-Werte im Grundwasser in Deutschland immer noch zu hoch sind
  • Bei fast einem Drittel alle Messstellen sei der Grenzwert für Nitrat überschritten worden

Seit Jahren ist das Problem bekannt: Das Grundwasser und die Flüsse in Deutschland sind zu sehr mit Nitrat verunreinigt.

Auch ein aktueller Bericht der Bundesregierung, der der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) vorliegt, kommt zu diesem Ergebnis.

An fast zwei Drittel der Messstellen wurde der Grenzwert überschritten

Demnach überschreite der gemessene Nitrat-Wert an 28 Prozent der berücksichtigten Messstellen den Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Nitrat wird im Körper zu Nitrit umgewandelt, das den Sauerstofftransport im Blut blockiert. Für Schwangere und Babys kann das zu einer Gefahr für die Gesundheit werden.

Mehr zum Thema: Nitrite in Lebensmitteln: So gefährlich sind die Zusatzstoffe wirklich

Problematisch sei laut dem Bericht auch der hohe Eintrag von Phosphor, das über die Felder letztlich in Nord- und Ostsee lande und hier Algenwachstum begünstige. 65 Prozent der Messstellen an Seen und Flüssen wiesen zu hohe Werte auf.

Ursache ist bekannt

Die Ursache für die Verunreinigung mit Nitrat ist bekannt: Der Stoff ist in Gülle und Kunstdünger enthalten, mit ihm lassen sich die Erträge von den Feldern steigern. Wird er auf den Äckern ausgebracht, kann er in das Grundwasser und in Flüsse gelangen.

Im November hatte die EU-Kommisson bereits die Bundesrepublik verklagt, weil sie gegen EU-Nitratrichtlinie verstoßen habe.

Der zentrale Vorwurf der EU-Kommission in der Anklageschrift lautete: Deutschland erlaube, dass wesentlich mehr Dünger auf die Äcker gebracht werde, als die Pflanzen überhaupt aufnehmen könnten. Auch die gesetzlichen Düngepausen von maximal drei Monaten seien viel zu kurz.

"Intensivierte Landwirtschaft kommt uns teuer zu stehen"

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte der "NOZ" über den neuen Bericht der Bundesregierung: "Die intensivierte Landwirtschaft kommt uns immer wieder teuer zu stehen."

Sie sprach sich für verschärfte Düngeregeln aus, um endlich gegenzusteuern. Die SPD-Politikerin verwies dabei auch auf die 2016 fertiggestellte Novelle des Düngerechts, die bislang aber noch nicht in Kraft getreten ist.

Die neue Verordnung wurde bereits mehrfach angekündigt, bis heute aber nicht verabschiedet. Laut Umweltministerium ist der neue Zeitrahmen Frühjahr 2017.

Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sieht Handlungsbedarf. "Die Landwirtschaft hat einige Schlüssel in der Hand – deswegen sind wir auch seit längerer Zeit dabei, eine neue Düngeverordnung auf den Weg zu bringen", sagte er bereits im September vergangenen Jahres den Sendern WDR und NDR.

Warum wurde bisher nichts unternommen?

Am heftigsten wehrt sich die Landwirtschaft gegen verschärfte Regeln zur Ausbringung und Lagerung von Gülle. Friedrich Ostendorff, Bio-Bauer und Abgeordneter der Grünen im Bundestag, sagte der "Tagesschau", bisher habe sich der Deutsche Bauernverband gegen schärfere Regeln im Umgang mit Gülle gewehrt.

"Ich bin gespannt, wie sich das durchsetzt. Bisher war das Umweltministerium nicht in der Lage, dem Paroli zu bieten, wenn es aus dem Hause des Bauernverbandes massivsten Widerstand gab", sagte Ostendorff.

Über die Änderung des Düngegesetzes findet zunächst am 16. Januar eine Anhörung des Agrarausschusses statt. Am 19. Januar soll dann der Bundestag über die Änderung des Düngegesetzes beschließen.

Wenn die Regierung jedoch nicht bald handelt, droht ihr eine teure Strafzahlung aufgrund der EU-Klage.

Mit Material von ots

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