So könnte eine kleine Fabrik in Indien ein weltweites Problem lösen

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TUTICORIN
Eine Fabrik im indischen Thoothukudi (Symbolbild) | Stringer India / Reuters
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  • Eine Fabrik in Indien soll als erste in der Lage sein, das Treibhausgas CO2 aus Abgasen einzufangen und umzuwandeln
  • CO2 solle so gewinnbringend zu Natriumkarbonat werden - unter anderem ein Bestandteil von Backpulver

Von außen sieht die unscheinbare Fabrik im südindischen Thoothukudi aus wie jede andere. Dabei könnte das Werk einen Durchbruch im Kampf gegen den Klimawandel bedeuten.

Denn die Fabrik des britischen Unternehmens Carbon Clean Solutions soll als erste in der Lage sein, im großen Stil das Treibhausgas CO2 einzuspeichern und für eine bestimmte Verwendung bereitzustellen – um damit sogar Profit zu machen. Die Anlage in Indien filtert Abgase aus einem Kohlekraftwerk.

In diesem Fall klingt der Verwendungszweck fast zu verrückt, um wirklich wahr zu sein: Kohlendioxid soll hier zu Natriumkarbonat werden - ein Bestandteil von Backpulver.

Das umgewandelte CO2 könnte also theoretisch für die Herstellung von Backwaren verwendet werden. Aber auch in der Glasindustrie, bei Waschmitteln oder in der Papierindustrie kommt Natriumkarbonat zur Anwendung.

Bisher sind die CO2-Filter zu teuer

Der Chef von Carbon Clean Solutions, Aniruddha Sharma, erklärt die Vorgehensweise seines Unternehmens gegenüber der britischen Tageszeitung "The Guardian" so:

"Bisher haben die Ideen zur Einspeicherung von Kohlenstoff immer große Projekte vorgesehen. Die Risiken sind hier hoch, weil sie teuer zu finanzieren sind. Wir wollen kleine Fabriken aufsetzen, die das Risiko verringern, indem sie die Technologie zu einer völlig normalen kommerziellen Option machen."

Bis jetzt sei es teuer gewesen, Kohlendioxid aus Abgasen zu trennen, weil es dort nur in geringen Mengen vorkomme, berichtet der "Guardian" weiter. Statt jedoch wie bisher andere Unternehmen auf Amine zu setzen, verwende Carbon Clean Solutions eine andere Chemikalie, die effizienter ihren Job erledige – und eine gewinnbringende Nutzung erst ermögliche.

Aus den Abgasen des Kohlekessels der Fabrik würde CO2 abgezogen - und als ein Inhaltsstoff für Natriumkarbonat wieder verwendet werden. Dadurch stoße die Fabrik kein CO2 in die Luft und ins Wasser aus, sagte der Eigentümer der Anlage, Ramachadran Gopalan, der BBC.

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Ein Anfang im Kampf gegen den Klimawandel

Die Fabrik in Indien soll laut Aussagen der Firma 60.000 Tonnen CO2 einspeichern und umwandeln können.

Zum Vergleich: Der durchschnittliche CO2-Ausstoss eines Deutschen lag 2013 bei knapp 10 Tonnen jährlich. Um seine Ziele im Klimaschutz zu erreichen, möchte Deutschland seinen Ausstoß des Treibhausgases bis 2020 um 62 bis 78 Millionen Tonnen pro Jahr drücken.

Das Werk in Thoothukudi ist also allenfalls ein Anfang im Kampf gegen die Kohlendioxid-Emissionen, die für die Erderwärmung verantwortlich gemacht werden. Allerdings hätte die Technologie der Fabrik gegenüber den bisher bekannten Methoden der CO2-Einspeicherung einen Vorteil. Theoretisch könnte die Technik auch bei Stahl- und Zementwerken eingesetzt werden, die starke Umweltverschmutzer sind.

Mehr zum Thema: Erfolg im Klimawandel-Kampf: Forscher wandeln CO2 in Treibstoff um

Beim sogenannte Carbon Capture and Storage (CCS) soll das Treibhausgas im Boden eingelagert und gespeichert werden. Diese Methode ist jedoch umstritten. Umweltschützer befürchten, es könne zu Lecks kommen. Aus diesem Grund hatte unter anderem der Energiekonzern Vattenfall seine Forschung zu CCS aufgegeben.

CO2 aus Kohlekraftwerken abzufangen, ist bisher so teuer, dass es die Kohlekraft unrentabel machen würde. Bisher gibt es nur ein kommerzielles Kohlekraftwerk in den USA, das Abgase reinigt.

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Mit Material der dpa

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