POLITIK
03/01/2017 04:38 CET | Aktualisiert 03/01/2017 07:46 CET

In der "Nafri"-Debatte stellt sich die deutsche Presse hinter die Kölner Polizei

Maja Hitij via Getty Images
Polizisten vor dem Kölner Hauptbahnhof am 31. Dezember 2016

Silvester ist vorbei - und statt über sexuelle Übergriffe debattiert das Land über Twitter-Tweets.

Die Grünen-Chefin Simone Peter wirft der Kölner Polizei vor, sie habe Männer mit "nordafrikanischem Aussehen" diskriminiert, weil sie diese intensiv kontrolliert habe.

Völlig inakzeptabel sei der Gebrauch von herabwürdigenden Gruppenbezeichnungen wie "Nafris" für Nordafrikaner in einer Twitter-Meldung der Polizei, erklärte Peter. Sie löste damit eine Welle der Empörung aus.

Doch die deutsche Presse stellt sich mehrheitlich hinter die Kölner Polizei. "Bild.de" greift die Debatte über Simone Peters auf und erklärt die Politikerin zur "Grüfri" - "Grün-fundamentalistisch-realitätsfremden-Intensivschwätzerin".

Das Nachrichtenportal schreibt: "Da macht die Kölner Polizei an Silvester einfach nur ihren Job und verhindert eine Wiederholung der Sex-Mob-Übergriffe vom Jahreswechsel 2015/16. Aber Grünen-Chefin Simone Peter regt sich über genau diese Polizei auf. Dumm, dümmer, Grüfri!"

Auch die "Stuttgarter Nachrichten" kontern die "Nafri"-Debatte mit einem neuen Akronym: "Lipsis" für "linke Spinner". Die Zeitung schreibt: "Es ist beschämend, die Polizei in die rassistische Ecke zu stellen und den Begriff 'Nafri' als Beweis zu nehmen. All die linken Spinner, nennen wir sie getrost Lispis, wollen nicht begreifen, dass der Rechtsstaat Konsequenz und Stärke zeigen muss, um ernst genommen zu werden." Deshalb sei die Kritik an der Kölner Polizei nur "eitles Gewäsch".

Auch der "Kölner Stadt-Anzeiger" verteidigt die Polizei gegen den Vorwurf des Rassismus. Es sei absurd, die Kontrollen in der Silvesternacht mit dem Begriff "Racial Profiling" in Verbindung zu bringen. "Der Einsatz war nach den massenhaften sexuellen Übergriffen im Vorjahr nicht rassistisch, sondern konsequent." Viele Nordafrikaner würden in Gruppen anreisen. Die Polizisten hätten schlicht ihren Job gemacht.

Mehr zum Thema: "Gewaltgeile Männerhorden": WDR greift mit Kommentar zu Köln daneben

Das "Flensburger Tageblatt" schreibt, dass das Vorgehen der Polizei in Köln genau dem entsprochen habe, was die Bevölkerung erwartet - energisches Auftreten. "Nein, statt öffentlicher Kritik gebührt den Polizeibeamten nur eines: Ein Dankeschön." Statt die Polizei zu kritisieren, solle man sich viel mehr die Frage stellen, wie man mit den "potenziellen Wiederholungstätern", die sich offenbar auch dieses Jahr zu Silvester verabredet hatten, jetzt umgeht.

Der "Der Standard" aus Wien nimmt an, dass jener Polizist, der den "Nafri"-Tweet absetzte, einfach nicht so genau nachgedacht hatte. "In Köln, nehmen wir einmal an, dürfte es sich in erster Linie um Gedankenlosigkeit gehandelt haben, wie sie bei Kurzbotschaftendiensten sehr oft zu finden ist: Kurz soll die Info sein, gelikt soll sie werden und oft geteilt auch - schon schnappt die Twitterfalle zu."

Die "FAZ" dagegen verteidigt die Benutzung des Wortes: "Gleichwohl ist Nafri mehr als eine technische Abkürzung. Es ist schlicht eine Tatsache, dass die viele Jahre in polizeilichen Kriminalstatistiken bei bestimmten Delikten wie Diebstahl und Rauschgifthandel signifikant überrepräsentierten "Nordafrikaner" im Zuge der sogenannten Flüchtlingskrise seit 2011 erhebliche Verstärkung erfahren haben." Eingewanderte Tunesier und Marokkaner würden sich genauso fürchten wie Alteingesessene. "Nafri ist das unschöne Codewort dafür. (...)", schreibt das Blatt.

Die "Frankfurter Rundschau" dagegen kritisiert die Verwendung der Abkürzung. Der Polizeieinsatz in Köln sei richtig gewesen - die Verwendung des Begriff " Nafri" dagegen nicht: "Das Kürzel steht für 'nordafrikanische Intensivtäter', eine evident herabwürdigende Gruppenbezeichnung, die im internen Gebrauch der Polizei nichts zu suchen hat, schon gar nicht in öffentlichen Mitteilungen." Gleichwohl lobt die Zeitung die sonstige Arbeit der Kölner Polizei: "Wäre es ihr nicht gelungen, die Übergriffe in diesem Jahr zu verhindern, müsste die AfD in den nächsten Monaten keinen Wahlkampf mehr führen."

Die "Nürnberger Nachrichten" sind der Ansicht, dass das Kürzel "Nafri" lediglich den Alltag in Deutschland, Nordrhein-Westfalen und Köln abbildet. "Der Staat zeigte Handlungsfähigkeit und gewährleistete die öffentliche Sicherheit. Daran herumzumäkeln, wie dies - auch zum Erstaunen vieler Parteifreunde - die Grünen-Chefin tat, das ist ein absurder Exzess politischer Korrektheit."

Das "Westfalen-Blatt" ist der Ansicht, man solle lieber über die Ausstattung der Polizei diskutierten als über Tweets. "Kann die Polizei es denn gar nicht mehr recht machen? Silvester 2015 zu zurückhaltend, 2016 zu forsch." Das Blatt kritisiert die aktuelle Debatte. "Die Diskussion vor Jahresfrist rührte an die Frage der personellen Ausstattung der Polizei und an die Offenheit, mit der über Taten und Täter gesprochen wird." In beiden Punkten seien Mängel festgestellt worden, deren Behebung noch nicht abgeschlossen sei. Die aktuelle Diskussion bezeichnet die Zeitung allerdings als "Wortklauberei".

Der Kommentator der "Saarbrücker Zeitung" denkt an die Polizisten, die an Silvester Dienst schieben mussten: "Die meisten Beamten haben ebenfalls Familien, sie hätten an Silvester sicherlich etwas Besseres vorgehabt, als die ganze Nacht am Bahnhof Dienst zu schieben." Dass Hunderte Männer nordafrikanischer Herkunft kontrolliert wurden, zeige, dass ihr Einsatz offenbar notwendig war.

"Wer da immer noch so tut, als sei die Verwendung des richtigen Wortes in einer 140-Zeichen-Mitteilung bei Twitter wichtiger als die Verhinderung schlimmer Straftaten, der hat die Dimension dessen, was seinerzeit in Köln und anderswo passierte, nicht begriffen. Oder will es aus falsch verstandener Gutherzigkeit partout nicht kapieren."

Text geht nach der Umfrage weiter

Mit Material der dpa

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