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02/01/2017 12:14 CET | Aktualisiert 02/01/2017 16:32 CET

"Gewaltgeile Männerhorden": WDR greift mit Kommentar zu Köln daneben

  • Die wichtigsten Aussagen des Textes seht ihr auch im Video oben

Der Polizeieinsatz in Köln sorgt weiter für Streit.

Politiker der Linken, Grünen und der SPD hatten den Einsatz an Silvester unter anderem kritisiert, weil rund 1000 Nordafrikaner wohl aufgrund ihres Aussehens kontrolliert wurden. Die Polizei hatte auch für ihre Bezeichnung "Nafris" Kritik auf sich gezogen.

Zahlreiche Politiker, Journalisten und Sicherheitsexperten haben sich derweil hinter die Kölner Polizisten gestellt und den Einsatz verteidigt.

WDR-Kommentar: "Aber diesmal wartete zum Glück genug Polizei"

Mit den schärfsten Worten tut das jetzt wohl der Studioleiter des WDR-Hörfunks in Köln, Lothar Lenz. Er kommentiert das Geschehen in Köln in einem Radiokommentar (hier und im Video oben könnt ihr ihn anhören) - und greift dabei rhetorisch voll daneben:

"Da waren sie wieder, die gewaltgeilen Männerhorden – aber diesmal wartete zum Glück genug Polizei." Die Polizei habe im Angesicht der potenziellen Bedrohung getan, was zu tun war. "Sie prüfte Personalien, sprach Platzverweise aus, nahm einzelne fest. Ohne dieses Eingreifen hätte Köln womöglich eine Wiederholung der Gewaltexzesse vom Vorjahr gedroht. Nicht auszudenken."

Polizei beurteilte potenzielle Täter nach ihrem Aussehen - "wonach denn sonst ?"

Deshalb sei es auch falsch, den Polizeieinsatz als "'rassistisch' zu diffamieren", erklärt Lenz weiter. "Nur weil die Beamten potenzielle Täter am Bahnhof auch nach ihrem Aussehen beurteilt und überprüft haben? Ja, wonach denn sonst?" Vielmehr sei der Einsatz der Polizei "bitter nötig gewesen."

Viele von den rund 1000 Nordafrikanern seien alkoholisiert gewesen, manche von ihnen im Auftreten äußert aggressiv.

Aus den Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr hätte die Polizei gewusst, wer für Ärger sorgen könnte.

"Die Kölner Polizei hat angemessen und richtig gehandelt"

Damals hätte die Polizei kapituliert. Anders in diesem Jahr. "Die Kölner Polizei hat angemessen und richtig gehandelt. Sie war zur Stelle und hat durchgegriffen." Lenz hofft, dass das auch nächstes Silvester der Fall sein wird.

Was richtig ist: Wäre die Polizei weniger stark in Köln vertreten gewesen, ist es wahrscheinlich, dass es wieder zu Problem gekommen wäre. Der Einsatz war der Lage angemessen. Das analysiert Lenz klar und richtig.

Aber: In Deutschland gilt immer noch die Unschuldsvermutung

Allerdings greift Lenz voll daneben, wenn er eine Ansammlung von Nordafrikanern als "gewaltgeile Männerhorde" bezeichnet. In Deutschland gilt - auch für Marokkaner - immer noch die Unschuldsvermutung. Dass seine Wortwahl nur ein Zitat der Reaktionen auf die Übergriffe an Silvester 2015 gewesen sein könnte, entschuldigt Lenz nicht.

Lenz erklärt die jungen Männer aus Nordafrika kollektiv für schuldig, bevor sie überhaupt ein Verbrechen begangen haben.

Kritik an der Wortwahl von Lenz kommt auch von Niema Movassat, Bundestagsabgeordneter der Linken. Er schrieb auf Twitter:

Mehr zum Thema: "Lassen uns nichts vorschreiben": Polizeigewerkschaft reagiert auf Kritik an Kölner Polizei

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(cho)

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