POLITIK
21/12/2016 11:49 CET | Aktualisiert 21/12/2016 17:31 CET

"Angst": "Bild"-Titelseite über den Anschlag in Berlin sorgt für Kritik

Huffington Post
Das Cover der "Bild"-Zeitung zeigt, was nach dem Anschlag in Berlin schief läuft

Es ist die wohl meistdiskutierte Medien-Reaktion auf den Anschlag in Berlin. Die "Bild"-Zeitung titelt am Mittwochmorgen in großen Lettern vor düsterem Hintergrund: "Angst!".

Darunter erfährt der Leser in einem kurzen Anreißer, worum es geht: Um den "Albtraum", der weitergeht, um "die Angst der Bürger in Deutschland" nach dem Attentat am Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz.

Für einige Leser in den sozialen Netzwerken reiht sich das Blatt damit ein in die Riege der Politiker, die am Dienstag eine Art sicherheitspolitische Apokalypse herbeizureden versuchten. Innenminister-Chef Klaus Bouillon sprach von "Kriegszustand", CSU-Chef Horst Seehofer stellte gleich Deutschlands "gesamte Zuwanderungs- und Sicherheitspolitik" in Frage und AfD-Chefin Frauke Petry diagnostizierte auf Facebook, Deutschland sei nicht mehr sicher.

Mehr zum Thema: Die Stunden nach dem Anschlag: Warum ich gerade sehr stolz auf dieses Deutschland bin

Keine Frage: Die "Bild" bildet eine Stimmung ab, viele Menschen in der Republik dürften nach den Ereignissen von Berlin tatsächlich verängstigt sein. "Die Angst muss man ernst nehmen, denn sie ist ja real und nachvollziehbar", sagt auch der Sozialpsychologe Dieter Frey von der Ludwig-Maximilians-Universität München in der "Süddeutschen Zeitung".

"Was wollen die Terroristen? Dass wir verängstigt sind"

Andererseits müsse man auch reflektieren, wie realistisch oder eher: wie unrealistisch die Angst ist, mahnt Frey. "Das wird zwar einige Menschen nicht beruhigen, aber doch viele".

Und genau das, eine nüchterne, sachliche Reflexion des Anschlags in Berlin, vermissen viele Leser beim aktuellen "Bild"-Cover - einige unterstellen dem Blatt sogar eine indirekte Unterstützung der Terroristen.

Ein anderer Twitter-User schreibt: "Genauso geht man mit einem Anschlag um. Nicht! Verkaufszahlen sind euch halt immer am wichtigsten".

Wie man mit der aktuellen politischen Lage auch umgehen kann, zeigt unterdessen die "Berliner Morgenpost". Sie titelte am Mittwochmorgen mit einem Foto des Brandenburger Tors in Deutschland-Farben mit einem Weihnachtsbaum davor, darunter ein Zitat aus der Bibel: "Fürchtet euch nicht".

Journalist Richard Gutjahr kommentierte die "Bild"-Titelseite am Mittwochvormittag bei Facebook kurz und knapp mit den Worten: "* habt gefälligst" - eine Anspielung darauf, dass das Cover der Zeitung als indirekter Aufruf zum Fürchten verstanden werden kann.

"Die wirksamste Hilfe gegen Angst vor Terror ist, diese nicht von vornherein anzunehmen und herbeizureden und auf diese Weise noch zu verstärken", zitiert die "SZ" Peter Henningsen, Leiter der Psychosomatik und Psychotherapie an der TU München.

Worte, die vielen Menschen in Deutschland heute aus der Seele sprechen werden.

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(vr)

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