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Gewalt gegen Homosexuelle: Zahl der homophoben Straftaten ist 2016 deutlich gestiegen

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Die Zahl der Straftaten gegen Homo- und Transsexuelle ist 2016 deutlich gestiegen (Symbolbild). | Wolfgang Kumm/dpa
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  • Die Anzahl der Straftaten gegen Trans- und Homosexuelle ist in diesem Jahr gestiegen
  • In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden 205 Straftaten im Zusammenhang mit der sexuellen Orientierung gemeldet
  • Im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres sollen es 171 gewesen sein

Die Zahl der Straftaten gegen Trans- und Homosexuelle ist 2016 deutlich gestiegen. 205 Straftaten sollen in den ersten neun Monaten dieses Jahres im Zusammenhang mit der sexuellen Orientierung gemeldet worden sein. Das berichtete Ole Schröder, der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium am Mittwoch im Bundestag auf Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck.

Im Vorjahreszeitraum soll die Zahl der entsprechenden Straftaten noch bei 171 gelegen haben. Das entspricht also einem Zuwachs von knapp 20 Prozent innerhalb eines Jahres.

In Zusammenhang mit diesen Straftaten hätten in den ersten neun Monaten dieses Jahres zudem 99 Tatverdächtige ermittelt werden können – im Vergleich zu 86 Tatverdächtigen im vergangenen Jahr.

Die Dunkelziffer ist vermutlich deutlich höher

Die Dunkelziffer im Bereich der homophoben und transphoben Straftaten könnte allerdings noch deutlich höher sein.

Wie der "Tagesspiegel" berichtet, wurden in den ersten drei Quartalen dieses Jahres allein in Berlin 113 "Straftaten gegen die sexuelle Orientierung" angezeigt. Beck wies darauf hin, dass es merkwürdig ist, dass die Hälfte der bundesweit erfassten Übergriffe allein in Berlin stattgefunden haben soll.

Laut der "Süddeutschen Zeitung“ wurden in Hamburg und Köln sogar gar keine Zahlen zu dieser Art von Straftat erhoben.

Beck fordert schnellen Aktionsplan

Neben der Tatsache, dass viele homo- und transphobe Straftaten gar nicht erst gemeldet werden, ist auch eine falsche Einordnung seitens der Polizei ein möglicher Grund für eine hohe Dunkelziffer.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" weiter berichtet, werden homophobe Straftaten in den Polizeistatistiken zudem noch immer nicht unter einer eigene Kategorie gezählt. Stattdessen gelten sie dort als "Politisch motivierte Kriminalität" und tauchen dort im Themenfeld "Hasskriminalität" in dem Unterthema "Sexuelle Orientierung" auf.

Beck verlangt angesichts der gestiegenen Zahlen von Übergriffen auf Homo- und Transsexuelle die schnelle Umsetzung eines Aktionsplans. Der Bundestagsabgeordnete fordert, dass Bund und Länder dafür sorgen, dass mehr Straftaten angezeigt werden.

Mit Material von dpa.

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