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Maybrit Illner fragt Gabriel:"Treten Sie als Kanzlerkandidat an?"

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SIGMAR GABRIEL
SPD-Chef Sigmar Gabriel bei "Maybrit Illner" | ZDF Mediathek
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  • SPD-Chef Sigmar Gabriel war zu Gast in der Talkshow von Maybrit Illner
  • Die wollte ihm seine Antwort auf die K-Frage entlocken
  • Gabriel gab an, diese bei Illner lüften zu wollen

Ganz zum Schluss ihrer Sendung knöpfte sich Maybrit Illner Sigmar Gabriel noch einmal gesondert vor. In einem Einspieler wurde sein Posten als SPD-Chef und Wirtschaftsminister als "undankbarster Doppeljob der Politik" beschrieben: Auf der einen Seite den Export ankurbeln, auf der anderen die Interessen der SPD-Wähler vertreten.

"Können wir das nicht auflösen, indem sie relativ schnell erklären, ob sie Kanzlerkandidat werden?", fragte Illner direkt. Die K-Frage - darum ging es der Moderatorin also. "Keine Sendung ohne diese Frage", stöhnte Gabriel. Als ob er ständig in Talkshows zu sehen wäre.

Der K-Frage weicht Gabriel aus

Illner versuchte es nochmal: "Was ist Ende Januar 2017 anders als heute?"

Gabriel dachte nach: "Ende Januar 2017, da ist Weihnachten rum, da bin ich kurz davor, zum dritten Mal Vater zu werden ..." Das Publikum feixte.

"Bräuchte es nicht jemand, der den Handschuh in der Ring wirft?", hakte Illner nach.

Doch Gabriel wich der K-Frage aus. Bundeskanzlerin Merkel habe monatelang vor ihrer Entscheidung überlegt. "Das machen wir genauso." Die Frage der Kanzlerkandidatur sei ja eine ernsthafte Frage. Die könne man nicht einfach so "zwischen Weihnachtsgeschenken und Neujahr" beantworten.

Gabriel bezeichnete Elektroauto-Zwang als "fahrlässig"

"Kurz bevor ich das sage, könne sie mich nochmal einladen", schlug Gabriel vor. Eine Antwort, mit der Ilner voll zufrieden war: "Genauso machen wir das!"

Doch die Tatsache, dass Gabriel auf einmal in Talkshows zu sehen ist, kann bereits als ein Hinweis auf seine Ambitionen gewertet werden. Und tatsächlich scheint er aus Trumps Wahlsieg gelernt zu haben - Klimarettung ist ihm auf einmal weniger wichtig, stattdessen setzt er sich auf einmal für die Arbeitsplätze in der Autoproduktion und der Kohleindustrie ein.

"Für ein Elektrofahrzeug braucht man nur 50 Prozent der Komponenten, die man für einen Verbrennungsmotor braucht", warnte er. Eine zwangsweise Einführung der Elektromobilität sei daher "fahrlässig". Das ging in Richtung der Grünen und der Linken.

"Keiner redet über der 10.000 Kohlearbeiter in der Lausitz"

"Die Politik kann sich nicht immer hehre Klimaschutzziele setzen und nicht eine Sekunde darüber nachdenken, wie die Facharbeiter aus der Automobilindustrie morgen noch Arbeit und Einkommen finden." Immerhin beabsichtige VW eine "sehr große und umfangreiche" Batteriezellenproduktion nach Deutschland zu bringen, die für neue Arbeit sorgen werde.

Auch für die Kohle konnte sich der Vize-Kanzler auf einmal erwärmen. Der Bundestag könne nur über das Datum reden, wann man aus der Kohle raus solle, sagte er. "Aber keiner redet darüber, wie morgen die über 10.000 Kohlearbeiter in der Lausitz morgen Arbeit kriegen."

Illner las ihm eine E-Mail vor, in der eine Zuschauerin schrieb: "Der Niedriglohnsektor arbeitet nicht für den Export - hier wäre es ein Leichtes, bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen."

"Die Frau hat Recht!", rief Gabriel. Pflegeberufe sollten einen anständigen Tariflohn bekommen. "Wir müssen über die Reden, die arbeiten, aber keine anständigen Löhne haben."

Arbeitszeit zu reduzieren, ohne auf den Lohn zu verzichten

Die "Hartz-IV" Reformen verteidigte er trotzdem als notwendig, auch wenn nun nachgebessert werden müsse. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir damals sechs Millionen Arbeitslose hatten.

"Das Ziel der Globalisierung muss Gerechtigkeit für alle und nicht Reichtum für wenige sein", zitierte Gabriel Bischof Josef Homeyer. "Schaffen wir Regeln, zum Beispiel, dass sich große Unternehmen nicht der Steuer entziehen können", fasste er zusammen. Als Antwort auf die Digitalisierung schlug der SPD-Chef vor, die Arbeitszeit zu reduzieren, ohne auf den Lohn zu verzichten.

Tatsächlich ließ Gabriel in dieser Sendung etwas erkennen, was man in der SPD schon lange nicht mehr gesehen hatte: politische Eigenständigkeit und eine Fokussierung auf eine klare Wählergruppe.

Mehr zu Gabriels politischer Zukunft werden wir in sechs Wochen erfahren - wenn Illner ihn einlädt.

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(mf)