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Schwarz-blaue Annäherung: "Report Mainz" zeigt, wie sich AfD und CDU hinter den Kulissen vernetzen

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ARD-Recherchen zeigen, wie sich AfD und CDU hinter den Kulissen des Polit-Zirkus vernetzen | dpa
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Fast genau zwei Jahre ist jetzt her, da sagte Unionsfraktionschef Volker Kauder: "Wir haben einen klaren Beschluss, dass wir mit der AfD nicht zusammenarbeiten." Kanzlerin Merkel hatte zuvor bereits klargemacht: "Wir koalieren nicht, wir kooperieren nicht."

24 Monate und mehrere AfD-Erfolge bei Landtagswahlen später hat sich das Blatt bei der Union offenbar gewendet: Kurz vor dem Superwahljahr 2017 fährt die CDU-Parteispitze zwar weiterhin einen Anti-AfD-Kurs - doch hinter den Kulissen scheinen sich Teile von AfD und CDU zu vernetzen. Das zeigen Recherchen des ARD-Politikmagazins "Report Mainz".

Mehr zum Thema: CDU-Bundestagsabgeordnete Bellmann: "Können Koalition mit der AfD nicht für immer und ewig ausschließen"

Im Zentrum der ARD-Recherche steht David Bendels, Ex-CSU-Mitglied und Vorsitzender des "Vereins zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten". Laut Recherchen des Senders wird der Verein durch anonyme Großspender unterstützt und finanziert Wahlkampfzeitungen und Plakatkampagnen zugunsten der AfD.

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(David Bendels, Vorsitzender des "Vereins zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten")

Doch das Geld fließt inzwischen offenbar auch in andere Kanäle. Bendels gibt im Interview mit "Report Mainz" offen zu: "Es soll Stipendien-Programme geben. Es soll Vortragsreihen geben. Wir werden konservativ-bürgerliche Kräfte fördern, sei es in der AfD, sei es in der CDU."

Vor Wochen etwa habe Bendels AfD-naher Unterstützerverein eine Dampffahrt auf der Spree organisiert - das ARD-Magazin zeigt Fotos von der Fahrt, auf denen zwei Mitarbeiter eines CDU-Bundestagsabgeordneten im Gespräch mit Bendels zu sehen sein sollen.

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(Laut "Report Mainz" sind hier zwei Mitarbeiter eines CDU-Bundestagsabgeordneten im Gespräch mit David Bendels zu sehen.)

"Es gibt die Tendenz, über gewisse Gesprächszirkel eine Basis zu schaffen, wie wir es früher mal hatten: zwischen Schwarz und Grün mit einer Pizza-Connection. Jetzt versuchen diese Leute dort Gespräche zwischen Schwarz und Blau zu machen", zitiert "Report Mainz" einen Unions-Insider.

Ein anderer Insider sagte den ARD-Journalisten: "Die AfD versucht gerade massiv Mitarbeiter von CDU-Abgeordneten abzuwerben. Ich habe selbst ein lukratives Angebot bekommen, aber abgelehnt. Von anderen weiß ich, dass sie weniger abgeneigt sind."

Auf Anfrage von "Report Mainz" ließ die CDU-Parteispitze wissen, dass sie keine Kenntnis von geheimen Vernetzungsrunden habe - warnte aber vor Bendels Verein.

Dass Unions-Politiker die Nähe zur AfD suchen, wäre nicht neu. Vor einigen Wochen hatte die sächsische CDU-Politikerin Veronika Bellmann im Gespräch mit der Huffington Post gesagt, dass sie die Linie Merkels für falsch hält, Koalitionen mit der rechtspopulistischen AfD auszuschließen.

"Die CDU muss sich in Zukunft die Frage stellen, welche Machtoptionen sie hat", sagte die Bundestagsabgeordnete damals. "Für immer und ewig kann die Union eine Koalition mit der AfD auf Landes- und Bundesebene nicht ausschließen."

Ob die CDU-Spitze ihre Machtoptionen in naher Zukunft wirklich zugunsten der AfD überdenkt, dürfte jedoch fraglich bleiben.

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(mf)