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Der Pirelli-Kalender ist raus - und er hat eine Besonderheit, die es so noch nie gab

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Der neue Pirelli Kalender für das Jahr 2017 ist ein Statement gegen unsere von Photoshop besessene Kultur und ein "Aufschrei gegen den Terror der Perfektion".

(Das Video oben verschafft euch einen Einblick hinter die Kulissen des Pirelli-Shootings.)

Der bekannte Fotograf Peter Lindbergh portraitierte in diesem Jahr die Hollywood-Schauspielerinnen Helen Mirren, Kate Winslet, Uma Thurman, Nicole Kidman, Jessica Chastain, Penelope Cruz, Lupita Nyong’o, Charlotte Rampling, Rooney Mara, Julianne Moore, Alicia Vikander, Lea Seydoux, Robin Wright und Zhang Ziyi für den Kalender in einer Serie ehrlicher Schwarz-Weiß-Porträts.

Der Kalender folgt auf den Kalender von Annie Leibovitz, die 2016 nackte Supermodels zugunsten "starker aber natürlicher" Frauen ersetzt hatte. Außerdem ist der neue Kalender ganz ohne Gesichts- und Körper-Retusche entstanden.

uma thurman
Pirelli / Peter Lindbergh

"Das Ziel des Kalenders ist es, echte Frauen zu zeigen", sagte Lindbergh der britischen Ausgabe der Huffington Post. "Nicht die künstlich gestreckten, seelenlosen Frauen, die man heute in den Magazinen sieht."

Lindbergh nennt den Kalender 2017 ein "Statement" wegen des Verzichts auf Retusche - und verrät, dass er bewusst Schauspielerinnen ausgewählt hat, die in High-Fashion- und Kosmetik-Werbungen mitgewirkt habe.

"Jeder weiß, dass diese Frauen retuschiert sind," sagte er der britischen Huffington Post. "Es ist aber viel stärker, wenn man diese Frauen sieht, wie sie normalerweise sind."

nicole kidman
Pirelli / Peter Lindbergh

Wie auch schon Leibovitz verzichtete er auf die Pirelli-Tradition der Nackt-Porträts und konzentrierte sich stattdessen darauf, die Persönlichkeit der Frauen auf den Bildern sichtbar zu machen.

"Dabei geht es um eine andere Form der Nacktheit", sagte er. "Eine, die viel wichtiger ist als die körperliche."

Die einzigen nackten Körperteile, die in dem Kalender hervorgehoben werden, sind Kate Winslets Hände, die auf einer ganzen Seite zu sehen sind - eine Nahaufnahme, die sich gegen den Druck auf Frauen, jünger auszusehen, richten soll.

"Ich habe Peter extra darum gebeten, meine Handrücken zu fotografieren, weil ich mit 40 Jahren sehen kann, wie unterschiedlich sie sind im Gegensatz zu der Zeit, als ich 20 oder 30 war - und ich liebe es, das zu sehen", sagte Winslet.

"Ich will nicht, dass die Leute verändern, wie ich aussehe. Viele versuchen ständig, uns wie eine softere Version einer 40-Jährigen aussehen zu lassen oder wie eine jugendlichere, frischere Version einer 50-Jährigen. Ist es nicht okay, einfach 40 oder 50 oder 60 zu sein?"

juliane moore
Pirelli / Peter Lindbergh

Auf einer Presse-Konferenz zu dem Kalender in Paris warb Uma Thurman für Lindberghs Mission, "Frauen von unterdrückenden und falschen Standards zu befreien".

Die Fotos würden eine wichtige Nachricht an die jüngere Generation senden, sagte Thurman. Sie wünsche sich, dass ihre Kinder "ihre Mutter altern sehen und so, wie sie wirklich ist".

robin wright
Pirelli / Peter Lindbergh

Lindbergh, der schon zum dritten Mal für den Pirelli-Kalender fotografiert, kritisierte, dass Retuschierungen die "Erfahrung" aus den Gesichtern der Frauen verschwinden ließen und einen unerreichbaren Schönheits-Standard kreierten.

Das Ziel des diesjährigen Kalenders mit dem Titel "Emotional" ist es, gegen das derzeitige Klima zu rebellieren und "die Leute daran zu erinnern, was Schönheit wirklich ist".

Für Lindbergh liegt die wahre Schönheit der Schauspielerinnen in ihrer Individualität, in ihrem Mut "sie selbst zu sein" und in ihrem "wunderbaren Verstand".

Dieser Text erschien zuerst in der Huffington Post UK und wurde von Amelie Graen aus dem Englischen übersetzt.

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(lk)