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6 Gründe für eine Rebellion gegen die Rentenpläne der Bundesregierung

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NUIT DEBOUT
Junge Demonstranten in Paris | ASSOCIATED PRESS
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Zugegeben, es ist eines der größten Langweiler-Themen der Gegenwart - die Rente.

Man kann mit Vorträgen über die Komplexität der deutschen Altersversorgung ganze Festsäle ins Koma labern. Und die ersten, die auf den Bänken einschlafen, sind garantiert jene, die es am meisten betrifft: die Angehörigen der jüngeren Generationen.

Dabei ist das, was gerade in Berlin geplant oder schon umgesetzt wird, nicht weniger als ein blanker Alptraum für die Generation Y und all jene, die jetzt noch nicht im Erwachsenenalter sind.

In Deutschland drohen künftig ganze Generationen in die massenhafte Altersarmut zu rutschen. Wir reden dabei nicht davon, dass sich womöglich einige Menschen als Rentner nicht mehr so viel leisten können wie zu ihrer Zeit als Berufstätige.

Nein, wir sprechen darüber, dass fast die Hälfte jener Menschen, die nach 2030 in Rente gehen, Grundsicherung beantragen müssen – von Betroffenen auch „Rentner-Hartz“ genannt. Das ist keine Panikmache, sondern das Ergebnis von Berechnungen des WDR.

Den Jungen droht im Alter existenzielle Not

Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) will nun die Rente reformieren. Aber ihre Vorschläge dürften dazu führen, dass jüngere Deutsche noch viel stärker belastet werden, als das bisher der Fall ist.

Derzeit steht nichts weniger als die Zukunft der jüngeren Generationen auf dem Spiel. Es wird endlich Zeit, dass die jungen Menschen in diesem Land ihre Müdigkeit überwinden!

Warum ist die Situation so dramatisch? Und warum ist es jetzt Zeit, gegen diese Politik aufzustehen? Die Huffington Post nennt sechs Gründe.

1. Die Jüngeren werden einmal unter einem sehr niedrigen "Rentenniveau" leiden

Seit 1990 sinkt das so genannte „Rentenniveau“, also der Anteil vom letzten Lohn, den man als Rente ausgezahlt bekommt. Er lag 1990 noch bei 55 Prozent, im Jahr 2030 werden es nach bisherigen Stand wohl nur noch 44,5 Prozent sein.

Zwar will Sozialministerin Andrea Nahles nun erreichen, dass das Rentenniveau bis zum Jahr 2045 bei mindestens 46 Prozent verbleibt – die Kosten dafür bleiben aber in großen Teilen bei den Jüngeren hängen.

2. Der Rentenbeitrag droht rasant zu steigen

Bisher ist es so, dass nur Gutverdiener deutlich mehr als die Hälfte ihres Bruttolohns für Steuern und Abgaben bezahlen müssen. Konkret: Ein Durchschnittsverdiener mit einem Bruttolohn von 47.000 Euro zahlt derzeit etwas mehr als 49 Prozent davon an den Staat.

Mehr zum Thema: Renten-Reform: 7 Zeichen, dass mit der Rentenpolitik eine ganze Generation betrogen wird

Doch schon die Pläne von Andrea Nahles sehen vor, den Rentenbeitrag von derzeit 18,7 Prozent bis 2045 auf maximal 25 Prozent anzuheben. Mit den Beiträgen finanzieren die heute Jungen jedoch nicht ihre eigene Altersversorgung – sondern die der nun ins Rentenalter eintretenden Babyboomer-Generation (die Geburtenjahrgänge 1955-1969) . Wie einmal die Rente der heute 20- bis 35-Jährigen finanziert werden soll, ist noch vollkommen offen. Zahlen sollen sie trotzdem.

3. Zusätzlich müssen die Jüngeren auch noch höhere Steuern zahlen

Weil aber die Anhebung des Rentenbeitrags noch nicht reicht, um die Rente der Babyboomer zu finanzieren, will Andrea Nahles nun auch noch Steuermittel zur Finanzierung heranziehen. Und natürlich weiß auch Frau Nahles selbst, dass auch dieses Geld hauptsächlich von jenen kommt, die jetzt Lohnsteuer zahlen – also von den Jüngeren.

4. Die Älteren wurden bereits reich beschenkt

Und es bleibt ja nicht dabei, dass den älteren Generationen nun das Rentenniveau von 46 Prozent garantiert wird – finanziert durch die Beiträge und Steuern der Jüngeren. Bereits vor fast drei Jahren haben Union und SPD die so genannte „Mütterrente“ beschlossen.

Die gibt es aber nur für Frauen, die ihre Kinder vor 1992 zur Welt gebracht haben. Und dann gab es noch die „Rente mit 63“ für all jene, die 45 Berufsjahre nachweisen können. Auch das trifft für viele Jüngere nicht mehr zu, die unbefristete Arbeitsverträge höchstens aus den Erzählungen ihrer Eltern kennen. Beide Vorhaben werden übrigens allein bis 2030 einen dreistelligen Milliardenbetrag kosten.

5. Rentenbescheide täuschen

Viele Jüngere haben in den vergangenen Wochen einen Bescheid zugeschickt bekommen, in dem steht, was man eines Tages als Rente bekommen wird. Der Haken daran: Der Betrag gilt nur, wenn sich die Politik nicht ändert. Wie aber die Rente in 40 Jahren finanziert wird, weiß eben noch niemand.

Und außerdem kann niemand sagen, welche Veränderungen nun die Digitalisierung für den Arbeitsmarkt bringt. Gut möglich, dass viele von uns mal mehr oder mal weniger in die Rentenkasse einzahlen. Das wirkt sich natürlich auch auf die Rentenhöhe aus

6. Eigentlich müssten wir privat vorsorgen – aber wir können es derzeit nicht

Denn das Zinsniveau ist derzeit so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht. Wer spart, wird dafür also von der Bank nicht belohnt. Schlimmer noch: Die privaten Versicherungsmodelle, die noch vor zehn Jahren mit großem Jubel der Öffentlichkeit vorgestellt werden, taugen kaum noch etwas mehr.

Für einen neu abgeschlossenen Riester-Vertrag bekommt man heute einen Zinssatz, der knapp über der Inflationsrate liegt. Das heißt: Durch die Teuerung der Lebenshaltungskosten wird fast der gesamte Jahreszins aufgefressen.

Man könnte also das Geld auch gleich unter das Kopfkissen stecken. Ein Sparguthaben, das ein sorgenloses Leben im Alter garantiert, bekommt man so aber nicht.

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Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

In einem großangelegten Projekt hilft der Verein SyrienHilfe e.V. vor Ort Menschen in Not, die ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen. Seit 2012 setzen sich Ärzte, Ingenieure, Archäologen, Lehrer und Künstler in dem Bürgerkriegsland dafür ein, dass die Bevölkerung in ihrem eigenen Land ein würdevolles Leben führen kann.

Der Verein betreut Waisenkinder, organisiert medizinische Versorgung für Behinderte und chronisch Kranke und finanziert Lebensmittel und Unterkünfte.

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(ben)