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Mit dieser Bemerkung stößt Markus Lanz Millionen Muslime vor den Kopf

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Es ging mal wieder um den Islam in Markus Lanz’ Talkshow am Dienstagabend. Zu Gast war unter anderem Sawsan Chebli, stellvertretende Sprecherin des Auswärtigen Amtes und bekennende Muslima.

Eine Steilvorlage für Lanz, ins Fettnäpfchen zu treten (siehe Video oben).

Mit nur einer Bemerkung stellte Lanz alle Muslime unter den Generalverdacht sich ständig beschwerende Jammerlappen zu sein und diese Opferrolle als Ausrede zu benutzen, wieso es in ihrem Leben nicht so rund läuft.

"Muslime bedienen häufig ein Narrativ"

"Es gibt ja so ein Narrativ, das Muslime sehr häufig bedienen“, sagte Lanz. "'Wir sind Opfer des Westens, Märtyrer sogar, wir werden ungerecht behandelt, wir werden häufig falsch verstanden'.“ Chebli sei da ja "ein gutes Beispiel, wie es auch anders laufen kann“.

Chebli reagierte erstaunlich ruhig, und wiegelte die Unterstellung schnell ab.

Doch Lanz legte nach: "Auf diesem Klischee gründet sich doch auch die islamistische Propaganda."

Statt ein konstruktives Gespräch über den Islam zu führen, drückt Lanz der ganzen Debatte den Klischee-Stempel auf. Und schob ganz nebenbei die Verantwortung für Integration von der Gesellschaft alleine auf die Muslime.

Lanz dreht Debatte auf das Kopftuch

Außerdem versuchte Lanz ständig, die Debatte auf das Kopftuch zu bringen. So musste Chebli unter anderem erklären, wie das denn jetzt so sei mit dem Kopftuch tragen. Obwohl sie selbst überhaupt keines trägt.

Viele Muslimas würden das Kopftuch gar nicht aus religiösen Gründen tragen, sondern vielmehr aus Gewohnheit, Familientradition oder der Mode wegen, sagte Chebli.

Außerdem nannte sie "gesellschaftlichen Zwang“, gerade bei jungen Mädchen als Grund für das Kopftuch. Auch wenn sie damit den in der Jugend nun mal oft auftretenden Gruppenzwang meinte. Lanz drehte auch diese Aussage auf sein offenbar eher negatives Islam-Bild um.

Zwang und Islam? Das passt doch zu gut zusammen

Zwang und Islam? Das passt doch fast schon zu perfekt in die Vorurteilsschublade. "Du kannst doch nicht aus Zwang heraus ein Kleidungsstück tragen, das du nicht tragen willst", fiel Lanz dazu nur ein.

Ein Gespräch über Integration, Sprachunterricht, Hilfe einen Job zu finden - Themen, zu denen Chebli aufgrund der Geschichte ihrer palästinensischen Eltern gut hätte sprechen können - ließ Lanz nicht zu.

Einen Beitrag zum Islam-Verständnis hat Markus Lanz mit dieser Sendung auf jeden Fall nicht geleistet.

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(lp)