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Linken-Bundespräsidentenkandidat Butterwegge: "Die Jugend hat es heute einfach schwerer"

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CHRISTOPH BUTTERWEGGE
Christoph Butterwegge | dpa
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  • "Wir müssen die Jugend besser verstehen, sonst verlieren wir den Draht zu ihr", warnt Armutsforscher Christoph Butterwegge, der für die Linken als Bundespräsidentenkandidat antritt
  • Die heutige Generation habe es deutlich schwerer als die vorangegangenen

Der Armutsforscher Christoph Butterwegge hat für mehr Verständnis für die jüngere Generation geworben.

"Die Jugend wird seit Jahrhunderten schlecht geredet. Dabei wird häufig vergessen, dass es die heutige Jugend einfach schwerer hat", sagte Butterwegge der Huffington Post. Er tritt für die Linkspartei als Bundespräsidentenkandidat an, hat jedoch nahezu keine Aussicht zu gewinnen. "Die Jugend braucht dringend mehr Verständnis seitens der Älteren, sonst verlieren wir den Draht zu dieser Generation."

Junge Menschen würden mit einer Informationsflut aufwachsen, die vor allem in den sozialen Medien sichtbar wird. "Sie wird ständig und auf allen Kanälen bombardiert – und muss lernen, damit fertigzuwerden", erklärte Butterwegge. "Dadurch verstärkt sich der Konkurrenzdruck: Noch nie war sozialer Erfolg und Beliebtheit so mess- und sichtbar."

"Alles muss schneller und besser gehen"

Dieser Druck mache sich auch an den Schulen, Universitäten und später im Beruf bemerkbar. "Alles muss schneller und besser gehen, die neoliberale Logik des Gaspedals hat sich durchgesetzt. Dabei bleiben viele auf der Strecke, müssen etwa als Mini-, Multi- oder 1-Euro-Jobber arbeiten."

Mehr als jeder zweite Angehörige der jungen Generation habe nur ein befristetes Beschäftigungsverhältnis. Und fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche wachsen in Hartz-IV-Familien auf, also in Armut.

"Hoffe, dass die junge Generation dagegen ankämpft"

"Dadurch sehen wir heutzutage mehr soziale Abstiege als je zuvor – und die treffen natürlich die jüngeren Menschen am heftigsten", sagte Butterwegge. "Das ist die soziale Bürde, die junge Leute heute tragen. Und ich hoffe, dass diese Generation dagegen ankämpft."

In diesem Zusammenhang kritisierte Butterwegge auch das "pragmatische Politikverständnis" der jungen Generation. "Das passt zwar zum Zeitgeist – damit wird sie aber nicht erreichen, wofür es zu kämpfen lohnt, nämlich eine bessere, gerechtere Welt."

"Die Jugend hat an politischen Biss verloren"

Protest sei heut ereignisbezogen. Das heißt, man geht auf eine Demo, wie zum Beispiel gegen TTIP. Stellt sich kurzfristig kein Erfolg ein, bleiben viele junge Leute das nächste Mal lieber zu Hause. "Hier hat die Generation an politischem Biss verloren."

Das sehe man auch am Zustand der Jugendorganisationen. "Die haben früher Unruhe in die großen Parteien gebracht. Heute nimmt sie kaum einer mehr wahr." Butterwegge erklärt das mit der "Prädominanz des Neoliberalismus, der sogar das Denken der Linken beeinflusst".

Das betriebswirtschaftliche Effizienzstreben habe die Art des Politikmachens verändert: Der Markt entscheide, was relevant ist. "Eine politische Aktion muss Erfolg haben – und wenn sich der nicht einstellt, war die Aktion schlecht", sagte Butterwegge.

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(mf)