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Generationenforscher Scholz: "Die Gen Z wird zu unrecht verteufelt"

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  • Die heutige Jugend, die Gen Z, tickt vollkommen anders als ihre Vorgängergenerationen, sagt Forscher Christian Scholz
  • Vieles, was die moderne Arbeitswelt ausmacht, ist mit ihnen nicht zu machen
  • Aber: "Die junge Generation wird zu unrecht verteufelt. Sie wird händeringend gebraucht"

Sie ticken komplett anders als ihre Vorgängergeneration: Die Generation Z, also jene, die heute 25 Jahre oder jünger sind. Und damit polarisieren sie das Land.

"In Debatten über die Generation Z höre ich immer wieder viel Unverständnis und Ärger", sagt Christian Scholz, Professor für BWL an der Universität Saarbrücken, im Gespräch mit der Huffington Post. Er ist einer der führenden Kenner der Generation Z. Immer wieder wurde er gefragt, wie es mit "Deutschland so vorwärts gehen soll".

Scholz findet: "Die junge Generation wird zu Unrecht verteufelt. Sie wird händeringend gebraucht." In Deutschland sind viele Lehrstellen unbesetzt - da müssten viele Unternehmen umdenken, um für die jungen Köpfe attraktiv zu sein. Und das dürfte nicht so leicht werden.

Ständige Erreichbarkeit, Home-Office? "Nicht mit mir"

Die Generation Z lehnt vieles ab, was die moderne Arbeitswelt ausmacht. Ständige Erreichbarkeit, Home-Office, flache Hierarchien – zu all dem sagt die Jugend laut Scholz: "Nicht mit mir." Stattdessen verlange sie nach klaren Strukturen und Anweisungen, wie sie es aus ihrem Studium und aus der Schule gewohnt sei.

Außerdem trenne die Generation Z klar zwischen Privat- und Berufsleben. "Sie fängt pünktlich an, arbeitet hoch konzentriert und motiviert und geht dann eher pünktlich nach Hause. Um 17 Uhr beginnt die Freizeit, dann wird der Hebel umgelegt", sagt Scholz.

Die Gen Y, also die Vorgängergeneration, forderte noch flexiblere Arbeitszeiten und mehr Mitbestimmung.

Die spannende Frage ist: Warum tickt die Generation Z so anders?

"Sie weiß, dass man nicht ständig im Hamsterrad strampeln muss, um erfolgreich zu sein", sagt Scholz. Die Generation habe erkannt, die Karrierechancen nicht so groß sind, wie man der Gen Y eingeredet hat. Und: "Sie sieht die institutionelle Selbstausbeutung ihrer Vorgängergeneration: Burnout, Krankenstand in Rekordhöhe."

"Die Gen Z will sich nicht mit einem Unternehmen verheiraten wie die Gen Y"

Das führt dazu, dass die Verbundenheit der Generation Z zum Job Grenzen hat. Sie ende spätestens, wenn es zu Massenentlassungen kommt – "und dessen ist sich die Generation Z voll bewusst", sagt Scholz. "Sie will sich nicht emotional mit einem Unternehmen verheiraten wie zum Beispiel die Generation Y, auch weil sie nicht enttäuscht werden will."

Mit der Folge, dass Chefsein und die große Karriere kein Traum für sie ist. Dafür lebe diese Generation deutlich gesünder, trinke weniger Alkohol, habe weniger Stress. "Diese Generation gibt sich mit weniger zufrieden. Ihr reicht ein kleineres Häuschen, ein kleinerer Gartenzaun – es fehlt nur noch der Gartenzwerg."

"Es fehlen nur noch die Gartenzwerge"

Generationenforscher Scholz spricht von einem Problem, sich in großen Organisationen zu engagieren. Das gilt nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Politik. "Die Generation Z ist kein bisschen politisch und will auch mit Parteien nichts zu tun haben", sagt Scholz. Das habe man zum Beispiel beim Brexit gesehen, wo die Wahlbeteiligung erschreckend niedrig war.

Stattdessen suche die Jugend in "ihrer eigenen, kleinen Welt" Bestätigung. "Vor allem bei Youtubern, die ihre Meinung vertreten. Oder in lokalen Vereinen, in denen sie eine emotionale Heimat findet. Das ist auch eine Chance für den Mittelstand."

scholz

Christian Scholz ist seit 1986 Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Organisation, Personal- und Informationsmanagement an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Zuvor studierte er in Regensburg und an der Harvard Business School. Sein Buch „Generation Z: Wie sie tickt, was sie verändert und warum sie uns alle ansteckt“ zählt zu den Standardwerken über das Thema.

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(mf)