Huffpost Germany

Wir sind die Generation, der kein Job gut genug ist - und schuld seid ihr, liebe Chefs

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MILLENNIALS
Wir sind die Generation, der keine Job gut genug ist - und schuld seid ihr, liebe Chefs | PeopleImages via Getty Images
Drucken

Die Generation Y, das fremde Wesen. Im Internet und im Buchhandel wimmelt es nur so von Fachliteratur über die Wünsche und Ziele dieser Generation. Unserer Generation.

Mit uns meine ich Menschen, die zwischen 1980 und 2000 geboren sind. Manchmal nennt man uns auch Millennials.

Wir sind gut ausgebildet, kreativ und technologieaffin, aber leider auch faul, perspektivenlos und fordernd - heißt es gerne.

In vier Jahren wird fast die Hälfte der Arbeitnehmer der Generation Y oder Z angehören. Und der Arbeitgeber von heute glaubt schon zu wissen, wie wir, die Arbeitnehmer von morgen, ticken.

Und trotzdem oder genau deswegen, seien wir ehrlich, nehmen uns die Chefs nicht wirklich ernst.

66 Prozent der Generation Y will in den nächsten Jahren den Job wechseln

Unsere Wünsche werden von Arbeitgebern oft belächelt.

Wenn wir nach mehr Freizeit, flexiblerem Arbeiten und einer sinnvollen Tätigkeit fragen, dann verdrehen sie gerne die Augen und seufzen so etwas wie: "Ja, so sind die Millenials nun einmal.“

Nur: 2015 gaben 66 Prozent der Millennials an, ihren Job in den nächsten vier Jahren wechseln zu wollen, 13 Prozent davon gar im nächsten halben Jahr. Das geht aus einer Umfrage des internationalen Beratungsunternehmens Deloitte hervor.

Also wenn ihr uns halten wollt, liebe Chefs, dann müsst ihr anfangen mit uns zu sprechen – anstatt über uns.

Hier sind 6 Dinge, die Arbeitgeber an der jungen Generation nicht verstehen.

Wir sind nicht perspektivenlos. Ihr müsst uns sagen, wo die Reise hingeht

Liebe Chefs, versetzt euch einmal in unsere Lage: Wie sollen wir schon wissen, was wir wollen, wenn wir es noch gar nicht ausprobiert haben?

Wir kommen in euer Unternehmen, ihr setzt uns auf eine Position und hofft, dass wir von Tag 1 darin funktionieren. Ihr wollt, dass wir eine Rolle ausfüllen.

Aber vielleicht wollen wir unsere eigene Rolle erschaffen. 32 Prozent der Millennials suchen einen Job, in dem sie sich weiterentwickeln und ihr Potenzial entfalten können.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Ihr müsst uns die Möglichkeiten aufzeigen. Ihr müsst uns die Chance geben, uns in verschiedenen Bereichen auszuprobieren, bevor wir uns auf einen festlegen.

Wie sollen wir uns weiterentwickeln - ohne zu wissen, wohin wir uns entwickeln können? Ihr müsst uns Perspektiven in Aussicht stellen. 39 Prozent der Milliennals wollen einen Chef, der strategisch denkt. Und das heißt: Ihr müsst mit uns strategisch planen.

Wir machen nicht nur, was uns gefällt. Aber wir wollen uns wohlfühlen bei dem, was wir tun.

Das klingt selbsterklärend. Ist es aber nicht. Viele Arbeitgeber glauben, es reicht, ihren Mitarbeitern – nun ja - Arbeit zu geben.

Dabei vergessen sie aber, dass wir diese Arbeit auch mögen müssen. Laut der Deloitte-Umfrage legen 37 Prozent der jungen Generation Wert auf gutes Wohlbefinden am Arbeitsplatz.

Wir wollen ein Team, in dem wir uns wohlfühlen. Wir wollen gemeinsam an einem Strang ziehen. Blöd nur, dass das von euch Chefs nicht gefördert wird.

Ihr sucht für jedes Missgeschick einen Schuldigen, ihr lobt einen von uns, um die anderen anzuspornen, ihr setzt uns unter Druck und hofft, dass wir dann besser funktionieren.

Und seien wir ehrlich, all das führt dazu, dass wir morgens nicht gerne in die Arbeit gehen, wenn wir uns ständig beweisen müssen. Und hey, wir sind die Generation, der alles möglich ist. Auch ein Jobwechsel, wenn es uns bei euch nicht gefällt.

Wir sind nicht anspruchsvoll. Wir wollen, dass unsere Arbeit Sinn macht.

Sechs von zehn Befragten gaben in der Umfrage von Deloitte an, dass sie ein Unternehmen nach den Werten ausgewählt haben, für die es steht. 27 Prozent wollen, dass ihre Arbeit der Gesellschaft hilft.

Wir wollen mit unserer Arbeit nicht die Welt verändern, das wäre zu hoch gegriffen. Aber wir wollen etwas tun, bei dem wir am Ende des Tages stolz nach Hause gehen und sagen können: Ja, das habe ich getan.

Wir hinterfragen alles. Also überlegt euch lieber endlich eine Antwort auf die Frage „Warum tun wir das eigentlich?“. Wofür steht ihr? Dann wissen wir auch, ob wir dafür stehen wollen.

Überlegt euch, warum wir in eurem Unternehmen arbeiten sollten – und nicht anderswo.

Uns geht es nicht ums Geld, uns geht es um Wertschätzung.

Wenn wir nach mehr Geld fragen, dann geht es uns nicht darum, dass wir uns das schicke Loft, den Thailand-Urlaub oder den Cold Brew Coffee im Hipster-Cafe leisten wollen.

Nur 12 Prozent der jungen Menschen gaben in der Umfrage an, dass ihnen das Einkommen wichtig ist. Es geht uns bei dem Gehalt vielmehr darum, dass wir darin eine finanzielle Wertschätzung unserer Arbeit sehen.

72 Prozent der unter 35-Jährigen verdient in Deutschland nicht mehr als 2.500 Euro brutto.

Es grenzt schon fast an Verhöhnung, wenn man uns in Personalgesprächen mitteilt, man könne unser Gehalt leider nicht erhöhen – und wir uns aber in der nächsten Firmenpräsentation anhören dürfen, wie stark wir den Umsatz unseres Unternehmens gesteigert haben.

Man sagt uns, wir sollen nicht mit Kollegen übers Gehalt sprechen – es würden schließlich sowieso alle dasselbe verdienen – und wer es dann doch verbotenerweise tut, der muss feststellen, dass das eben doch nicht so ist.

Das ist in Ordnung, wir müssen nicht alle dasselbe verdienen, aber wir brauchen Transparenz. Wir müssen wissen, wer warum wie viel verdient. Und was wir tun können, damit wir auch mehr verdienen. Kurz: Wir müssen wissen, was unsere Arbeit wert ist.

Wir sind nicht faul, wir wollen flexibel sein.

Ihr denkt, dass wir alle am liebsten nach acht Stunden nach Hause gehen und zu Hause eine Runde Netflix gucken wollen.

Doch das stimmt nicht: Wir wollen nur nicht 11 Stunden am Schreibtisch sitzen und so tun, als wären wir beschäftigt, bis ihr nach Hause geht.

72 Prozent der Millenials wollen ihr eigener Boss sein. Chef sein ist kein Beruf, sondern vielmehr eine Lebenseinstellung. Das heißt, wir wollen die Arbeit so gestalten, dass wir darin am besten funktionieren. Wir wollen die Macht über unsere Arbeit haben.

Lasst uns Home Office ausprobieren. Wir entscheiden am Ende selbst, ob wir im Büro oder zu Hause produktiver sind.

Lasst uns die Freiheiten, uns den Tag selbst einzuteilen, aber gebt uns feste Termine und Deadlines – wir werden da sein. Und wir werden es fertig haben.

Wir sind nicht illoyal, wir lassen uns aber nicht alles bieten.

Ist es vermessen, schon beim Einstellungsgespräch nach Sabbatical, Überstundenmodell und Gehaltsstufen zu fragen? Nein, ist es absolut nicht.

Denn, und das wisst sogar ihr, liebe Chefs: Wir sind gut ausgebildet, haben schon mit Anfang zwanzig Praktika, Auslandsstudien und ein freiwilliges soziales Jahr gemacht.

Und wir sind bald (fast) alles, was ihr habt: Wir sind ab 2020 die Hälfte der Arbeitnehmer.

Ihr seid es gewohnt zu fragen, was wir für euch tun können. Aber fangt an euch zu fragen, was ihr für uns tun könnt.

"Solange die Ansprüche erfüllt werden, sind die neuen Arbeitnehmer 150-prozentig loyal. Genügt der Arbeitgeber ihren Anforderungen nicht mehr, gehen sie ohne Schmerz“, sagte Gerhard Rübling, der Personalchef des Unternehmens Trumpf, im Interview mit der "Zeit“.

Wir selbst sind unsere größten Kritiker. Wir verlangen uns selbst viel ab. Deshalb wollen wir euer Vertrauen, liebe Chefs. Gebt uns die Chance, uns bei euch selbst zu verwirklichen. Setzt uns nicht unnötig unter Druck, das tun wir schon selbst genug.

Zeigt uns, dass unsere Arbeit für euch etwas wert ist. Wenn wir uns nicht wohlfühlen, dann werdet ihr das auch zu spüren bekommen.

Und wenn es nicht besser wird, tja, dann gehen wir. Und glaubt uns, wir tun das nicht so gern, wie ihr glaubt.

Auch auf HuffPost:

9 Gründe, warum gute Mitarbeiter kündigen

(lp)