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Nahost-Experte warnt vor einer Eskalation zwischen der Türkei und Russland

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ERDOGAN PUTIN
Drohen neue Spannungen? Putin und Erdogan im Dialog | Mikhail Svetlov via Getty Images
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  • Der Nahost-Experte Abdel Mottaleb El-Husseini warnt vor den Folgen der Expansions-Pläne Erdogans
  • Dadurch könnte sich der Konflikt zwischen Türkei und Russland verschärfen, so der Experte
  • Eine Eskalation könnte demnach die komplette Region destablisieren

Eine neue Konfliktlinie tut sich auf - und könnte die Welt in eine tiefgreifende Krise stürzen. Der Nahost-Experte Abdel Mottaleb El-Husseini warnt vor einer Eskalation zwischen der Türkei und Russland.

Im Gespräch mit "Focus Online" prognostizierte Husseini, dass er nicht daran glaube, dass die Russen die geplante Expansion der Türken in Syrien akzeptieren werden.

Auch wenn sich die aktuelle Dynamik nicht konkret einschätzen lasse - klar sei jedoch, dass die Politik des türkischen Präsidenten Erdogans gegen die Kurden letztlich auf eine Konfrontation hinauslaufe, entweder direkt oder in Form eines Stellvertreterkriegs, so der Politikwissenschaftler.

Erdogans Kurden-Politik könnte Alles durcheinander bringen

Eine neue Stufe der Eskalation könnte durch die aggressive Strategie der Türken entstehen. Erdogan sehe seine Chance gekommen, die Kurden auszuschalten und die Grenzen zu seinen Gunsten zu verändern, sagt Husseini. Er könne sich schwer vorstellen, dass Russlands Präsident Wladimir Putin dies akzeptieren werde.

Erdogan hat bislang noch keine Bereitschaft signalisiert, seine Syrien-Politik zu ändern. Er wollte von Anfang an einen Sturz Assads. Russland jedoch stützt den Diktator. "Ich gehe davon aus, dass es jederzeit zu einer direkten militärischen Konfrontation zwischen der Türkei und Syrien kommen kann", sagt Husseini.

Erste Vorfälle heizen Spekulationen an

Die Anzeichen verdichten sich, dass diese Vorstellung schon bald Realität werden könnte. Erst letzte Woche wurden mehrere türkische Soldaten bei einem Angriff der syrischen Luftwaffe getötet. Ein Angriff, den der Nahost-Experte mit der Rückendeckung durch Russland erklärt.

Die Türkei führt seit Ende August zusammen mit syrischen Rebellen eine Offensive gegen die IS-Miliz im Norden Syriens und versucht gleichzeitig, die Kurden zurückzudrängen. Einige Äußerungen Erdogans bestärkten die Sorge, er wolle die Grenzen seines Landes verschieben. So verwies er unter anderem darauf, dass die Gründungsväter der Türkei jenseits der derzeitigen Grenzen des Landes zur Welt gekommen seien.

Zieht der Konflikt weite Kreise?

Bereits im vergangenen Jahr sorgte der Abschuss eines russischen Jets durch die türkische Luftwaffe für dicke Luft. Welche Folgen eine erneute Eskalation der russisch-türkischen Beziehungen für die restliche Welt bedeuten würde? Immerhin ist die Türkei NATO-Mitglied.

Husseini hält die Verwicklung des Westens allerdings für eher unwahrscheinlich: "Ich erwarte nicht, dass die Nato der Türkei in einem solchen Fall Beistand leisten würde. Denn Erdogan führt seinen Krieg gegen den Willen seiner Verbündeten, er verfolgt die Kurden, mit denen die USA kooperiert haben, und keilt gegen fast alle. Da wird der Westen wohl kaum nach seiner Pfeife tanzen."

Im Interview mit "Focus Online" sagte der Nahostexperte: "Die Hauptgefahr für die Region ist derzeit nicht mehr die Terrormiliz IS, die stark zurückgedrängt wird, sondern die neuen Konflikte, die überall aufkeimen".

Nicht zuletzt durch den Wahlerfolg Donald Trumps bei der US-Präsidentschaftswahl würden einige Akteure der Region glauben, die politische Karte neu formieren zu können.

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