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Einer der jüngsten Bürgermeister Deutschlands findet: "Man muss Politik so machen, dass sie Spaß macht"

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PHILIPP NEESSEN
Einer der jüngsten Bürgermeister Deutschlands findet: "Man muss Politik so machen, dass sie Spaß macht" | Michael Pluemer
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  • Philip Neessen ist einer der jüngsten Bürgermeister Deutschlands
  • Er findet, dass Politik Spaß machen muss
  • Das will er auch mit seinem ersten Projekt zeigen

Seniorennachmittage sind nicht gerade die Termine, auf die man hinfiebert. Jedenfalls nicht, wenn man die 70 noch nicht erreicht hat.

Philipp Neessen ist 21 Jahre alt. Und war gespannt auf den Senioren-Advent im niedersächsischen Altwarmbüchen.

Neessen ist seit Anfang November Bürgermeister dort, einer der jüngsten Bürgermeister Deutschlands.

Der Außenhandelskaufmann wusste noch nicht genau, wie die 120 Senioren auf einen Amtsträger reagieren würden, der locker ihr Enkel sein könnte. Auf einen, der noch zu Hause wohnt und Schreibkram an Muttis Küchentisch erledigt, wie die "Bild"-Zeitung es beschrieb.

Gegen den viel älteren Konkurrenten durchgesetzt

Anfang November hatte sich der SPD-Mann gegen seinen 69-jährigen Konkurrenten von der CDU durchgesetzt, mit sechs zu drei Stimmen im Ortsrat. Neessen glaubt, dass die Leute einfach mal frischen Wind in der Politik haben wollten.

Die CDU hat sich darüber ziemlich geärgert, weil eigentlich sie die größte Fraktion stellt, und leer ausging. "Das ist merkwürdig und gefällt mir nicht. Ich finde, das geht ein ganzes Stück am Wählerwillen vorbei", zitierte die "Hannoversche Allgemeine" Arne Grävemeyer (CDU).

Die Bürger direkt fragen

Hinter Neessen stand allerdings ein Bündnis aus vielen anderen Parteien. Und er ist bekannt im Ort, weil er sich seit fünf Jahren engagiert, bei den Jusos, bei der SPD und in der Flüchtlingshilfe. Und Neessen will genau das vermeiden, was die CDU befürchtet.

Er will näher dran sein an den Bürgern als seine Vorgänger. Er will, dass Politik die Menschen anspricht. "Politik ist nicht langweilig. Man muss es nur so machen, dass man Spaß hat."

Neessen will das Alte und das Neue zusammenbringen in seiner Politik, die Alten und die Jungen. Und die Mittelalten.

Das soll helfen gegen den Frust, den viele gegenüber der Politik schieben. "Nicht meckern", sagt Neessen, "sondern machen!"

"Politik ist nicht langweilig" - wenn man sie nicht langweilig macht

Konkret heißt das: Neessen will mehr direkte Abstimmungen, zum Beispiel darüber, wie das Ortszentrum aufgemöbelt wird, welche Bäume da gepflanzt werden sollen, wie die Sitzbänke aussehen sollen und so weiter. Dass zu diesen Themen in 20 Jahren gerade einmal zwei Bürgerveranstaltungen angesetzt waren, ist doch ein "Trauerspiel", findet er.

Schon vor seiner Wahl hat er Open-Air-Konzerte organisiert, mit Teilnehmern von "The Voice Kids" und "The Voice of Germany". Damit alle was davon haben.

Und jetzt will er, dass die Altwarmbüchener auch online abstimmen können über das, was im Ort passiert – "es gibt schließlich viele Gründe, warum man keine Zeit hat, zu einer Bürgerversammlung zu gehen".

"Politik ist nicht langweilig" - wenn man sie nicht langweilig macht

Trotzdem soll sich nicht alles ändern im kleinen "Paradies" , für das er Altwarmbüchen hält. Er hat die Älteren um Rat gefragt. Wie man reibungslos eine Sitzung leitet. Wie man am besten Streit in der Partei schlichtet, ohne dass sich einer verbiegen muss.

Und am Seniorennachmittag hat er die Besucher, ganz altmodisch, schon an der Tür begrüßt. "Sie fanden es klasse, dass ja ein fröhliches Gesicht war und ihnen jemand die schwere Tür aufhielt." Er jedenfalls hat ein gutes Gefühl nach diesem Tag.

Manchmal muss es eben nicht das große Programm sein. Sondern der Mut, etwas anzupacken. Nicht meckern eben, sondern einfach machen.

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