Huffpost Germany

CDU-Politiker Röttgen über Populisten: "Es wurden viele Fehler gemacht"

Veröffentlicht: Aktualisiert:
NORBERT RTTGEN
Norbert Röttgen, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, gibt der Politik eine Mitschuld am Erstarken des Populismus in Europa. | ullstein bild via Getty Images
Drucken
  • Für CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen befindet sich Europa in der schwersten Krise seit deren Gründung
  • Der Aufschwung populistischer Kräfte gefährdet die Sicherheit und den Wohlstand der EU
  • Röttgen sieht die Politik in der Mitschuld

“Was waren unsere Fehler?“ – CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen konfrontiert alle Parteien mit der Frage, wie es dazu kommen konnte, dass populistische Kräfte derart aufsteigen konnten.

Dabei räumt er auch der Politik eine Mitschuld ein.

"Man muss offen aussprechen, dass in den letzten 20 Jahren auch viele Fehler gemacht wurden, die viele Bürger nun spüren und die wir korrigieren müssen“, sagte Röttgen der Zeitung "Augsburger Allgemeine“. "Das haben wir noch nicht richtig begonnen“, räumte er ein.

"Staatsegoismus und Nationalismus“ haben zur "schwersten Krise seit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft“ geführt. Sie gefährdet die Sicherheit und den Wohlstand Europas

Finanzkrise, Euro, Flüchtlingskrise: Was führte zum Aufschwung der Populisten?

Für Röttgen steht eins fest: "Das Erstarken der populistischen Bewegungen ist ein Warnschuss an die Parteien in Deutschland.“ Wenn die Politik dabei weiterhin nur zuschaut, besteht die Gefahr, dass sie weiterhin an Schwung aufnehmen.

Röttgen sieht den Ursprung ihres Auftriebs bereits in den Neunzigerjahren. Die internationale Finanzkrise und die Einführung des Euros führten laut Röttgen "mindestens zu so viel Spaltung wie Einheit“.

"Auch auf die Flüchtlingsfrage waren wir nicht vorbereitet“, fügte er hinzu.

"Es gibt eben in der Politik, die für Öffnung und liberale Werte steht, auch eine Geschichte des Versagens und des Scheiterns“, so Röttgen. Er mahnt dazu solche Fehler klar zu benennen und einzugestehen.

Angst vor Fremden treibt Menschen in extremen Nationalismus

Viele Menschen in Europa fühlen sich von ihren Politikern im Stich gelassen. Die wirtschaftlichen Krisen in der Vergangenheit und die Flüchtlingsbewegungen sind für sie eine Reise ins Ungewisse.

“Das erzeugt Angst und das Bedürfnis nach etwas Gegenläufigem“, so Röttgen, “deshalb erleben wir derzeit eine Rückkehr des Nationalismus und der Abschottung.“

Welche Rolle wird Trump in der internationalen Politik spielen?

Der designierte US-Präsident Trump gilt als unberechenbar. Auch der CDU-Außenpolitiker sieht in ihm einen großen Unsicherheitsfaktor. Politiker weltweit blicken gespannt darauf, wie er sich in der Außenpolitik verhalten wird.

Für Röttgen bestehe allerdings noch “die Hoffnung, dass es im Verhältnis zur Nato und zu Europa ein beachtliches Maß an Kontinuität geben könnte.“ Denn viele seiner Wahlkampfaussagen hat Trump nach der Wahl abgeschwächter formuliert oder ist komplett davon abgewichen.

Röttgen hofft zudem, dass Trump aufgrund seines Charakters versuchen werde, ein respektierter Präsident zu werden. "Für das Verständnis der Person Trump ist es wichtig, sein großes Bedürfnis nach gesellschaftlicher Anerkennung als Triebfeder seines Handelns zu sehen.“, sagte der Außenpolitiker.

Deutschland kann nicht die Welt nicht alleine retten

Die Erwartungen an Bundeskanzlerin Angela Merkel und die deutsche Außenpolitik sind groß. US-Medien betitelten die Kanzlerin als "letzte Verteidigerin des liberalen Westens“.

Röttgen hält diese Sichtweise für überzogen. Einem solchen Anspruch könne Deutschland nicht gerecht werden.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

In einem großangelegten Projekt hilft der Verein SyrienHilfe e.V. vor Ort Menschen in Not, die ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen. Seit 2012 setzen sich Ärzte, Ingenieure, Archäologen, Lehrer und Künstler in dem Bürgerkriegsland dafür ein, dass die Bevölkerung in ihrem eigenen Land ein würdevolles Leben führen kann.

Der Verein betreut Waisenkinder, organisiert medizinische Versorgung für Behinderte und chronisch Kranke und finanziert Lebensmittel und Unterkünfte.

Unterstütze sie jetzt auf www.zusammen-für-flüchtlinge.de, der zentralen Plattform für Projekte in der Flüchtlingshilfe von betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(ks)

Filed by Sabrina Litz