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Berliner Wissenschaftler will Wahlrecht an Bildungsgrad koppeln

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WAHLKABINE
Eine Ordensschwester geht wählen | dpa
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Der Berliner Wissenschaftler Sandro Gaycken hat mit einem bemerkenswerten Vorschlag für Aufsehen gesorgt: Wer künftig sein Kreuz in der Wahlkabine machen wolle, müsse zuvor sein Wissen unter Beweis stellen.

Damit möchte der Direktor des "Digital Society Institute Berlin" auf die Folgen des "Brexit" und den Aufstieg der Rechten in Deutschland aber auch der Welt reagieren.

In einem Gastkommentar in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" bringt Gaycken den brisanten Vorschlag ins Spiel. Darin erkärt er, dass er diejenigen von der Wahl ausschließen möchte, die von falschen Nachrichten aus dem Internet beeinflusst wurden.

Wer wählen gehen möchte, der solle politische Kompetenz beweisen müssen, so Gaycken. Daher regt er einen Multiple-Choice-Test an, den jeder Wähler absolvieren muss, bevor er in der Wahlkabine seine Stimme abgeben dürfe. Grundlage für den Fragebogen sollen Informationstexte der Bundeszentrale für politische Bildung sein, die vor einer Wahl anerkannte Fakten darstellen und Lügen oder Verschwörungen als solche entlarven sollen.

Politische Grundlagen müssen sitzen

Nur wer den Test in Fragen rund um Außen-, Umwelt- oder Sozialpolitik bestehe, sei für die Wahl dann auch zugelassen. Wer aber die Grundlagen seiner eigenen Gesellschaft nicht kenne oder nicht kennen will, dürfe auch nicht über deren Zukunft entscheiden, so Gayckens Begründung.

Die eigene Meinung müsse von diesem Test unberührt bleiben, dürfe sich aber nicht länger herausbilden aus einem Mix von Blödsinn, Edutainment und Manipulation. Dass das Internet diese Erkenntnisse in die politische Auseinandersetzung gebracht und sich dadurch schon länger als Basis für Demokratie herausgebildet habe, hätte die US-Wahl gezeigt.

Vor allem Jugendliche erkennen Fake-News oft nicht

Dies ist für Viele nicht das Problem. Das Internet hat die Nutzer per se nicht desinteressierter werden lassen. Allerdings haben Facebook, Twitter und Co. dafür gesorgt, emotionaler und unreflektierter auf Nachrichtenmeldungen zu reagieren.

Eine aktuelle Studie der Stanford Universität unter amerikanischen Jugendlichen hatte gezeigt: Die meisten amerikanischen Jugendlichen können online nicht zwischen glaubwürdigen Nachrichten und Fake-Nachrichten unterscheiden.

Demnach beurteilt die Mehrheit der Befragten die Glaubwürdigkeit von Nachrichten insbesondere daran, wie stimmig die Details und wie groß angehängte Bilder seien, anstatt auf die Quelle zu achten.

Professionelle Medien sind in ihrer Bedeutung dagegen drastisch gesunken. Zu diesem Schluss kommt auch Sandro Gaycken. Denn für Meldungen und Meinungen beanspruche das Internet inzwischen die Hoheit. Der Wahlausschluss mancher Menschen aufgrund deren falschen Informationen könne einer von grundlegenden Schritten sein.

Die wichtigste Waffe gegen Lügen, die Wahrheit, müsse in der politischen Aufklärung in den Fokus gerückt werden. Doch wie Propagandaversuche oder professionelle Manipulatoren öffentlich gemacht werden, wie es Gaycken fordert, bleibt vage.

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Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Eine ebenso simple wie geniale Idee steckt hinter dem Projekt World Bicycle Relief. Diese nämlich lautet: "Fahrrad = Mobilität = Bildung". So einfach kann Hilfe tatsächlich sein.

World Bicycle Relief stellt Menschen in Entwicklungsländern Fahrräder zur Verfügung, damit sie ihr Leben aus eigener Kraft verändern können. Denn in ländlichen Regionen Afrikas bedeutet ein Fahrrad ein großes Maß an Lebensqualität: Es verkürzt die Transportwege und erleichtert seinem Besitzer den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

Mit über 200.000 Fahrrädern, die in Afrika montiert werden, und 1000 ausgebildeten Mechanikern hilft WorldBicycleRelief vor Ort dabei, Armut zu bekämpfen und fördert Bildung und die wirtschaftliche Entwicklung in Gegenden, die sonst von der Infrastruktur abgeschnitten wären.

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(mf)