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Gabriel gibt zu: Die SPD trägt die Mitschuld am Aufschwung der AfD

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SIGMAR GABRIEL
Für SPD-Chef Gabriel ist seine Partei mitverantwortlich für AfD-Aufstieg | TOBIAS SCHWARZ via Getty Images
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  • SPD-Chef Sigmar Gabriel gibt Versäumnisse seiner Partei zu
  • Seine Partei soll den Aufstieg der AfD begünstigt haben
  • Trotzdem steht Anke Gabriel einer Kanzlerkandidatur ihres Mannes offen gegenüber

Das sind bemerkenswert ehrliche Worte: SPD-Parteichef Sigmar Gabriel hat seine Partei mitverantwortlich für den Aufschwung der AfD im Zuge der Flüchtlingskrise gemacht. In der 45-minütigen Reportage von Reinhold Beckmann "Sigmar Gabriel und die SPD: Niedergang oder Aufbruch?", die am Dienstagabend in der ARD ausgestrahlt wird, verrät Gabriel vor laufender Kamera, was seine Partei in den letzten Jahren falsch gemacht hat.

Er habe der eigenen Partei vor einem Jahr gesagt, "ich glaube, dass wir in der Flüchtlingsdebatte unter 20 Prozent gehen werden". Doch das habe ihm niemand geglaubt. Vielmehr reagierten SPD-Funktionäre entsetzt, als er sich Ende August bereits wohlwollend für eine Flüchtlingsobergrenze einsetzte.

"Wir haben Leute an die AfD verloren"

Im Interview mit Beckmann gab Gabriel Versäumnisse der SPD zu, die mitverantwortlich für den Erfolg der Konkurrenz von der AfD gewesen seien: "Wir haben Leute verloren, die haben nur noch in der AfD ihre Chance gesehen, ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen", sagt der SPD-Chef: "Da liegt unser Fehler." Die Menschen spürten nämlich, "dass wir nicht alle integrieren können, egal, wie viele kommen".

Die SPD habe sich als "Verteidiger des Asylrechts auf die Seite von Angela Merkel geschlagen", erklärt der Parteichef. "Doch Merkel und Seehofer haben beide recht: Das Asylrecht kennt keine Obergrenze, das werden wir auch nicht ändern. Aber wir hätten über die Frage reden müssen, wie viele Menschen wir im Jahr nachhaltig integrieren können."

Gabriel als Privatmensch

Die Reportage beleuchtet auch den Privatmensch Gabriel, der im kommenden Jahr noch einmal Vater wird. Seine Frau Anke steht einer Kanzlerkandidatur ihres Mannes offen gegenüber. Diese würde "keine große Veränderung bringen“, so Anke Gabriel: "Weniger kann da eigentlich fast nicht sein." Schon jetzt arbeite der Vizekanzler bis zu 16 Stunden am Tag.

"Da gibt es Momente, wo man denkt, das wächst einem alles über den Kopf. Wo man sagt: Och, kann der jetzt nicht mal da sein und den Kasten Wasser reinschleppen. Kann er das heulende, bockige Kind nicht mal abends ins Bett bringen."

Tut er sich die Kanzlerkandidatur an?

Im Video: Sigmar Gabriel erwägt bei Kanzlerkandidatur Rückzug aus Kabinett

Gabriel als Mann der Extreme! Kritik aus den eigenen Reihen trifft ihn hart. "Dann überlegst du dir natürlich, sollst du dir den Quatsch antun? Dann sollen es halt die Schlaumeier machen." So einfach wird es Gabriel seinen Konkurrenten um eine mögliche SPD-Kanzlerkandidatur aber wohl nicht machen. "Als Vorsitzender der Partei muss man sich ein Amt des Kanzlers immer zutrauen."

Sein größtes Handicap beschreibt sein Freund und Ersatz-Kanzlerkandidat Martin Schulz in der Reportage übrigens so: "Dass er nicht immer sehr kontrolliert ist, dass er manchmal halt auch ausrastet und sich manchmal nicht die Mühe gibt, die Dinge wirklich bis zum Schluss durchzutragen, sondern zwischendurch schon auch mal die Spur wechselt, das ist vielleicht das, was ihn am meisten beschwert."

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