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"Hart aber fair": US-Journalist hält Trump-Kritikern gnadenlos den Spiegel vor

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Man sah Frank Plasberg seine Sorgen in seiner "Hart aber fair"-Sendung an. Nicht wegen der letzten Äußerungen des designierten US-Präsidenten Donald Trump auf Twitter. Sondern weil "Bild.de"-Chef Julian Reichelt - der einzige Gast, der als Trump-Verteidiger eingeladen war - sich auf einmal als sehr besorgt zeigte.

Sein Tweet von gestern, indem er Millionen Clinton-Wähler als "illegal" bezeichnet hatte, entspreche dem "Verhalten von Despoten oder Diktatoren." Wähler, die nicht für ihn gestimmt hatte, als illegal abzutun, sei "eine neue Qualität".

"Trump wird die USA noch mehr spalten"

Er befürchtet, dass Trump die USA "noch mehr spaltet, als sie bisher schon gespaltet sind". "Sie sollten uns eigentlich Hoffnung machen!", beklagte sich der Moderator.

Auch der Grüne Cem Özdemir stimmt in das Klagelied ein. "In der Herzkammer der liberalen Demokratie, im weißen Haus, sitzt jemand, der nicht an die liberale Demokratie glaubt. Das ist ein immenses Problem, auch für das Ansehen der westlichen Demokratie." Daher brauche man nun ein starkes Europa. "Europa muss seine Hausaufgaben machen.“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder gab sich demonstrativ gelassen. Es gebe bereits "erste Kontakte" zwischen der Bundesregierung und dem Trump-Lager.

Kauder vergleicht Trumps Amerika mit China

"Wir sind nicht ungeübt im Umgang mit Regimen, die unsere Auffassungen über Menschenrechte nicht teilen", sagte er in Bezug auf Statements aus Trumps Lager. Als Beispiel nannte er ausgerechnet China.

"Interessant, dass Herr Kauder die USA auf eine Stufe mit China stellt", kommentierte Özdemir Kauders Aussage. Dem schien augenblicklich die politische Dimension klar zu werden - so wollte er sich nicht verstanden wissen.

Mal wieder eine Talkrunde, in der sich alle Gäste tief zerknirscht über Trumps Wahlsieg zeigten. Dass Plasbergs gestrige "Hart aber fair"-Sendung nicht zum belanglosen Palaver verkam, lag vor allem an einem Gast aus den USA.

"Check und Balances werden Trump disziplinieren"

Der Publizist Don Jordan ist ebenfalls kein Fan von Trump - doch das hielt ihn nicht davon ab, den europäischen Trump-Gegner gnadenlos den Spiegel vorzuhalten.

Der designierte US-Präsident schiene völlig unvorbereitet auf sein Amt zu sein, sagte er: "Ich habe den Eindruck, als habe er gar nicht den Eindruck gehabt, dass er gewinnen würde."

Doch seinen Kritikern aus Europa er empfahl Zurückhaltung: "Wir müssen auf seine Antrittsrede in sechs Wochen warten." Er vertraut auf das "funktionierende System von Check und Balances", das Trump disziplinieren würde.

"Trump ist ein Gemisch aus Sepp Blatter, Beckenbauer, Middelhoff und Zumwinkel"

Trump-kritische Europäer, die auf die amerikanischen Wähler herabblicken, sollten sich an die eigene Nase fassen. "Die Europäer sollte sich selbst etwas analysieren", empfahl er. Denn Trump sei ein "ein Gemisch aus Sepp Blatter, Beckenbauer, Middelhoff und Zumwinkel". Später fügte er dem Mix auch noch Bernie Ecclestone und Martin Winterkorn hinzu. Soll heißen: Kleine Trumps gibt es auch in Europa mehr als genug.

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Zudem haben deutsche Geschäftsleute beste Beziehungen zu Trump. Er hebt die Deutsche Bank hervor. "Der konnte nichts Besseres passieren, als dass Trump Präsident wird." Die CNBC-Finanzjournalistin Caroline Roth stimmt ihm zu: "Die Deutsche Bank ist sein größter Geldgeber". Das Institut habe ihm Kredite von 370 Millionen Dollar gegeben. Die US-Justiz droht der Deutschen Bank wegen riskanter Hypotheken-Geschäfte mit bis zu 14 Milliarden Dollar Strafe - da kommt ein Präsident, der Schulden bei der Bank hat, natürlich wie gerufen.

„Es wird Zeit, dass ihr endlich euren Anteil an der Nato bezahlt. Das wird teuer, aber gerecht“, forderte er. "Amerikas Infrastruktur ist marode, weil Amerika für die Sicherheit der westlichen Welt aufkommt."

"Dankeschön an den amerikanische Steuerzahler"

Er rechnet vor: In den USA kämen auf jeden Steuerzahler 160 Euro pro Jahr an Kosten für CIA, FBI und NSA. Die Deutschen zahlen nur 7,50 für ihre Sicherheit - weil sie sich auf die USA verlassen.

"Wie wäre es mit einem Dankeschön an die amerikanischen Steuerzahler?", ruft er. Das deutsche Publikum klatscht begeistert.

Kauder kommentiert den Applaus trocken: Ob jene, die gerade geklatscht hätten, auch zustimmen würden, wenn der Bundestag mehr Geld für die Bundeswehr ausgeben wolle, fragt er direkt an die Zuschauer gewandt. Tatsächlich herrscht sofort Stille im Publikum.

Nur einige wenige klatschen müde.

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(ks)