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Frankreich hat "Lust auf Rechts": Das sagt die Presse zu Fillons Sieg bei den Vorwahlen

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FRANCOIS FILLON
François Fillon gewinnt die Nominierung der Republikaner - das sind die Pressestimmen | Philippe Wojazer / Reuters
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  • François Fillon gewinnt überraschend die Nominierung der französischen Republikaner
  • Sein Sieg ändert den Wahlkampf der üblichen Parteien, meint die Presse

Zum ersten Mal stimmten die Franzosen am Sonntag über ihren konservativen Präsidentschaftskandidaten ab.

Der ehemalige Premierminister François Fillon setzte sich dabei in der Stichwahl gegen den Bürgermeister von Bordeaux, Alain Juppé, durch, der im Vorfeld als Favorit auf den Wahlsieg gehandelt wurde.

Politische Beobachter erwarten, dass der republikanische Kandidat sich in der zweiten Runde gegen die rechtskonservative Marine Le Pen der Front National behaupten muss.

Ungewissheit der Umfragen

"Fillons Nominierung wirbelt alle bisherigen Annahmen über den Ablauf des kommenden Wahljahrs durcheinander", schreibt die Zeitung “Die Welt”. “Bis vor gut einem Monat war Fillon von allen Umfrageinstituten als völlig chancenlos eingestuft worden.”

Nun erwarten die politischen Beobachter, dass es Fillon in die Stichwahl gegen Marine le Pen schafft. Die "Welt" erwartet dann einen Wahlsieg für Fillon.

Der Front National, so schreibt die "Welt", habe sich sicherlich einen anderen Kandidaten gewünscht: "Die Positionen des Republikaners zur Einhegung des Islamismus, aber auch zur islamischen Alltagskultur unterscheiden sich nur unwesentlich von jenen des Front National."

Und tatsächlich führt Fillon in den Umfragen gegen Le Pen. Aktuell würden in einer Stichwahl um die Präsidentschaft ihm 67 Prozent der Franzosen ihre Stimme geben:

Nachdem die Umfragen bei der US-Wahl allerdings so falsch lagen, sind Zweifel angebracht, ob das Rennen tatsächlich so klar wird.

Der französische Journalist Gérard Foussier sagte dem “Deutschlandfunk”:

"Bei den Vorwahlen hätten wahrscheinlich überwiegend ältere Menschen gewählt und man wisse nicht, wie die Jüngeren sich bei den Präsidentschaftswahlen verhalten werden."

Der 62-jährige Fillon hatte auch den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Nicolas Sarkozy aus dem Rennen verbannt. Er gilt als konservativster unter den Kandidaten der Republikaner. Das Online-Magazin Politico nannte ihn wegen seiner wirtschaftspolitischen Ideen gar "Thatchers Mann in Frankreich".

Neue Werte für Frankreich

Das französische Wochenmagazin "L'Express" sieht in Fillons Wahlerfolg eine "Lust auf rechts" der Franzosen, die sich gegen den moderaten Juppé entschieden.

“Linke und Rechtsextremisten machen sich gegen Fillon neue Hoffnungen”, konstatiert wiederum die Wochenzeitung “Die Zeit” in ihrer Onlineausgabe. "Sie wollen Fillon als Traditionalist ohne Gefühl für seine Zeit darstellen."

Fillon, so das Urteil, hat kein Gespür für die wirklichen Probleme der Franzosen.

Fest steht, dass Fillon im Vergleich zu den regierenden Sozialisten eine komplett andere Politik anstrebt.

“Umstritten ist Fillons außenpolitisches Vorhaben, ein Bündnis mit Russlands Machthaber Wladimir Putin zu suchen und in Syrien vereint mit Diktator Baschar al-Assad islamistische Gotteskrieger zu bekämpfen”, schreibt die Tageszeitung “Süddeutsche Zeitung”.

Franzosen erwartet eine "konservative Revolution"

Auch ein neues Rentenalter von 65 statt 62, die Streichung von 500.000 Stellen im öffentlichen Dienst und eine stärkere Kontrolle von Muslimen stehen im Wahlprogramm.

Wegen seines Programms warnt auch die französische Tageszeitung "Figaro" vor zu viel Euphorie im Fillon-Lager:

"Es ist das Herz der Rechten, das gestern abgestimmt hat" kommentiert die Zeitung: "Eher städtisch, eher gut situiert, eher älter. (...) Das berühmte "periphere Frankreich", das die Arbeitslosigkeit und die unkontrollierte Einwanderung in die Arme der Front National treiben, ist durch diesen Ausbruch des "traditionellen Frankreichs" nicht plötzlich abgeschafft worden (...). Beide existieren nebeneinander, und François Fillon wird sie beide brauchen."

Die linke französische Tageszeitung "Liberation" spricht dagegen schon von einer kommenden "konservativen Revolution": "Mit der Eliminierung von Alain Juppé wollte die französische Rechte mit einem Knall ihren Willen zu einer konservativen Revolution à la française bekunden, die gegen die von der (Front National) vorbereitete nationale Revolution antritt."

Freude in Russland

Das russische Staatsmedium “Ria Novosti” freut sich über den Sieg Fillons und erwartet auch mögliche positive Konsequenzen für Russland. "Francois Fillon ist der pragmatischste Kandidat in Bezug auf die internationale Politik", zitiert der “L’Express” die russische Presseagentur.

Putin hätte mit Fillon einen russlandfreundlichen Kandidaten im Herzen Europas sitzen.

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