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Zu arm für Heizung und Urlaub: Jeder zehnte Deutsche ist auf Sozialhilfe angewiesen

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SOZIALHILFE
Jeder zehnte Deutsche ist auf Sozialhilfe angewiesen | ASSOCIATED PRESS
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Es sind Zahlen, die erschüttern: Fast jeder Zehnte ist in Deutschland auf staatliche Unterstützung wie Sozialhilfe oder Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Das zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes.

Demnach erhielten Ende 2015 fast acht Millionen Menschen - und damit 9,7 Prozent der Bevölkerung - Leistungen der sogenannten sozialen Mindestsicherung. Im Vergleich zum Vorjahr registrierten die Statistiker einen Anstieg. 2014 waren 7,4 Millionen Menschen auf solche Leistungen angewiesen.

Als Grund für die Zunahme nannten die Verantwortlichen vor allem den starken Anstieg der Bezieher von Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Die Zahl der Leistungsbezieher in diesem Bereich hat sich von 363.000 auf rund 975.000 nahezu verdreifacht.

Fast jeder dritte Arbeitslose in Deutschland kann sich Dinge des täglichen Lebens nicht leisten

Bundesweit bekamen gut 5,8 Millionen Menschen Hartz IV, eine Million Frauen und Männer erhielten die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, sowie 137.000 Hilfe zum Lebensunterhalt.

Wie in den Vorjahren waren auch Ende 2015 vor allem die Menschen in den Stadtstaaten Berlin (19,4 Prozent) und Bremen (18,5 Prozent) am häufigsten auf die staatlichen Leistungen angewiesen. Am geringsten war der Anteil in Bayern (5,2 Prozent) und Baden-Württemberg (6,0 Prozent).

Vor allem Arbeitslose bekommen diese Entwicklung zu spüren. Eine weitere Statistik offenbart nämlich: Fast jeder dritte Arbeitslose in Deutschland kann sich Dinge des täglichen Lebens nicht leisten. 2008 waren erst 26 Prozent der Erwerbslosen davon betroffen, seit 2012 lag der Anteil stets über 30 Prozent, wie die offiziellen Zahlen zeigen.

Sie stammen aus der Befragung "Leben in Europa“. Das statistische Bundesamt stellte die Werte auf eine Anfrage der Links-Partei im Bundestag zusammen.

In anderen EU-Ländern können Arbeitslose die Grundbedürfnisse besser decken

Laut Definition der Europäischen Union liegt eine erhebliche materielle Entbehrung vor, wenn man sich vier von neun bestimmten Gütern oder Aktivitäten nicht mehr leisten kann. Unter die Kriterien fallen unter anderem, wenn man nicht rechtzeitig Miete, Wasser oder Strom zahlen, die Wohnung im Winter nicht mehr beheizen oder unerwartete Ausgaben oft nicht mehr decken kann.

Wer sich nicht mindestens jeden zweiten Tag eine Mahlzeit mit Fleisch oder Fisch, keinen einwöchigen Urlaub im Jahr, kein Auto, keinen Fernseher oder kein Telefon leisten kann, wird ebenfalls in die Auflistung mit einbezogen.

Im europäischen Vergleich kommt Deutschland damit nicht gut weg. In anderen Ländern können Arbeitslose laut der Statistik besser ihre Grundbedürfnisse decken (nur 25 Prozent leiden unter einer erheblichen materielle Entbehrung).

Linken-Politikerin Zimmermann: "Armutszeugnis für den Sozialstaat"

Linken-Fraktionsvize Sabine Zimmermann bewertete die Zahlen als ein Armutszeugnis für den Sozialstaat. "Das Arbeitslosengeld II ist nicht armutsfest", sagte sie der dpa. Angemessene Teilhabe an der Gesellschaft würde nicht gewährleistet, selbst elementare Bedürfnisse nicht ausreichend gedeckt.

Bei der derzeit in der parlamentarischen Beratung befindlichen Neufestlegung der Hartz-IV-Sätze für 2017 müsse Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) die Regelbedarfe spürbar anheben. "Das Kleinrechnen des Existenzminimums muss endlich beendet werden." Zimmermann forderte einen Regelsatz von 560 Euro im Monat.

Mit Material der dpa.

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