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Renten-Talk bei "Anne Will" zeigt, dass die Groko am Ende ist

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ANNE WILL
Andrea Nahles und Carsten Linnemann bei "Anne Will" | ARD Mediathek
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Es gibt kaum ein Thema, das so unsexy ist. Und trotzdem scheint die Rente das Wahlkampfthema für die Bundestagswahl 2017 zu werden – und wird damit mal wieder zum Talkshowthema.

"Renten-Reförmchen statt Reform - Ist die Regierung schon im Ruhestand?", war der Titel von Anne Wills gestriger Sendung.

Die Sendung zeigte vor allem die tiefen Gräben in der großen Koalition. Über zehn Minuten hinweg durfte Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles sich selbst loben - und über die CDU klagen.

"Man hatte nicht den Eindruck, dass sie auf der selben Party waren"

Am Donnerstag hatten Union und SPD beschlossen, dass die Renten in Ost und West bis 2025 voll angeglichen werden sollen. Bis dahin soll auch die Höherbewertung der Ostlöhne bei der Rente enden. Unklar ist, wie das finanziert werden soll: Die SPD will eine Steuerfinanzierung, CDU Mittel aus dem Rentensystem.

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"Man hatte nicht den Eindruck, dass sie auf der selben Party waren", fasst Will diesen Widerspruch zusammen. Von der Union abgeschmettert wurde Nahles' Konzept einer "doppelten Haltelinie". Sie will den Menschen bis 2045 ein Rentenniveau von mindestens 46 Prozent garantieren. Der Beitragssatz soll bis dahin nicht über 25 Prozent steigen.

"Sie sitzen bei Seehofer und Merkel, und fragen nicht warum?"

"Ich bin die erste Ministerin, die sich nicht einen schlanken Fuß gemacht hat, und nur bis 2030 geguckt hat. Bis dahin ist nämlich alles supi", so Nahles. Danach würden die geburtenstarken Jahrgänge in die Rente gehen. Um deren Rente zu finanzieren, will sie Steuererhöhungen. Dafür habe sie ein "überzeugendes Gesamtkonzept abgeliefert".

"Eine Chance wurde vertan“, beklagt sich die SPD-Frau mit Blick auf die Ablehnung des Koalitionspartners.

Und warum wurde ihr Konzept von der Union abgelehnt? "Ich weiß es nicht", sagt die Ministerin. Will hakt nach - sie sei doch dabei gewesen. Nahles resigniert: "Mir sagen die auch nicht alles."

"Sie sitzen bei Seehofer und Merkel, und fragen nicht warum?", fragt Will ungläubig. So läuft also die Kommunikation in der großen Koalition.

Der CDU-Mann Carsten Linnemann gibt ihr Kontra. Er ist der Meinung, dass man angesichts von Euro-Krise und Strompreisanstieg nicht Steuermittel ausgeben könne, die man nicht Verfügung habe. Er könne nicht erkennen, was der Rentenplan hinter Nahles’ Konzept sei - es sei "unseriös". Sein Vorschlag: Man müsse an die Pensionen der Beamten ran. Das löst Applaus im Publikum aus.

"Eine glatte Wahl-Lüge"

"Zeit"-Journalistin Elisabeth Niejahr schlägt vor, dafür zu sorgen, dass es mehr Einzahler gibt. "Lasst uns mit Ganztagsschulen dafür sorgen, dass die Erwerbsquote weiter steigt“, sagt sie.

"Lasst uns die Älteren, die gerne länger arbeiten wollen, dabei unterstützen! Wenn wir mehr Einzahler haben, können wir uns viele absurde Debatten über das Rentenniveau im Jahr 2045 sparen", fordert sie.

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Von den Linken bekam Nahles ebenfalls keine Unterstützung. Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Linken, unterstellt Nahles und der SPD "eine glatte Wahl-Lüge" bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern.

Die SPD nehme weder die Altersarmut ernst, noch schöpfe sie vom "absurden Reichtum in Deutschland" genug ab. Nahles dagegen wirft ihm vor, seine Äußerungen seien ein "Armutszeugnis" und "Plumpaquatsch".

Lösungen zeichneten sich in dieser Sendung nicht ab. Doch wenn sie eines zeigte - dann, dass die Große Koalition am Ende ist.

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(ks)