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Nachzählung der US-Wahl: "Trump wird langsam nervös"

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TRUMP NERVOUS
Bis auf weiteres der US-Präsident ab Januar 2017: Donald Trump | Getty
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  • Jetzt wird tatsächlich neu gezählt: Die Stimmen der US-Präsidentschaftswahl sollen in den Bundesstaaten Wisconsin, Pennsylvania und Michigan überprüft werden
  • In allen drei US-Staaten hatte Donald Trump Hillary Clinton geschlagen
  • Sollte das Ergebnis nach der Neuzählung anders sein, könnte Clinton sogar noch gewinnen

In drei wahlentscheidenden Swingstates soll neu ausgezählt werden. Ändert sich in allen drei Bundesstaaten die Stimmenverteilung zugunsten der unterlegenen US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, würde sie die Wahl doch noch gewinnen. So die Theorie.

Denn in der Praxis hat Trump die Wahlen in Wisconsin, Pennsylvania und Michigan bis auf Weiteres gewonnen. Allerdings unterstützt Clintons Wahlkampf-Lager eine Neuauszählung der Stimmen in diesen drei Bundesstaaten.

Sieger Donald Trump nannte die von der Grünen-Bewerberin Jill Stein angestrebten Neuauszählungen "aberwitzig" und rief dazu auf, das Wahlergebnis zu akzeptieren.

"Focus-Online" sieht das als Zeichen: "Trump scheint langsam nervös zu werden", schreibt das Onlineportal. Denn sein Wahlkampfteam verschickte eine Mitteilung an mehrere US-Sender. Darin teilte Trump mit: "Das Volk hat gesprochen und die Wahl ist vorbei."

"Die Ergebnisse sollten respektiert werden"

Insbesondere auf Stein habe sich Trump eingeschossen, analysiert "Focus Online". "Das ist ein Schwindel der Grünen in einer Wahl, die längst abgeschlossen ist", so Trump "und die Ergebnisse sollten respektiert statt angegriffen und missbraucht werden, denn das ist genau das, was Jill Stein hier tut." Der künftige US-Präsident scheint beunruhigt zu sein - was er eigentlich nicht sein müsste.

Denn in den drei Bundesstaaten zusammen sind es mehr als 100 000 Stimmen, die Clinton bei der Neuauszählung hinzugewinnen müsste. Nach übereinstimmender Einschätzung von Experten ist es sehr unwahrscheinlich, dass dies gelingt. Auch das demokratische Lager macht sich praktisch keine Hoffnung, dass sich am Wahlausgang noch etwas ändert.

Denn nicht das Clinton-Lager selbst hatte die Initiative für die Neuauszählungen ergriffen, sondern unterstützt jetzt lediglich Vorstöße der - bei der Wahl völlig chancenlosen - Stein. Im Wesentlichen wird sich das Engagement des Clinton-Lagers auf die Entsendung von Beobachtern bei der Neuauszählung beschränken.

Trump: Stein wolle nur ihre Kasse füllen

Stein hat bereits eine Neuzählung in Wisconsin beantragt, die genehmigt wurde. Sie plant entsprechende Petitionen auch in Michigan und Pennsylvania. Trump hatte in Wisconsin mit einem Vorsprung von 22.177 Stimmen gewonnen, wie die "New York Times" am Sonntag schrieb.

Mehr zum Thema: Es gibt noch einen Weg für Hillary Clinton, Präsidentin zu werden

In Pennsylvania gewann er demnach mit einem Vorsprung von 70 638 Stimmen, und in Michigan, wo das Ergebnis erst am Montag offiziell feststehen wird, liegt er noch knapper mit nur 10 704 Stimmen vorn.

In einer schriftlichen Erklärung unterstellte Trump der Grünen-Politikerin Stein, die insgesamt weniger als ein Prozent der Stimmen erhalten habe, lediglich ihre Kasse füllen zu wollen. Er bezog sich dabei darauf, dass Stein in den vergangenen Tagen mehr als fünf Millionen Dollar an Spenden zur Finanzierung der Neuauszählung gesammelt hatte. Vermutlich stammen die Gaben größtenteils von Clinton-Anhängern.

In Wisconsin benutzte Wahlautomaten seien anfällig für Hackerangriffe

In der Tat hatten aber Computer-Experten darauf hingewiesen, dass die in Wisconsin benutzten Wahlautomaten anfällig für Hackerangriffe seien und deswegen in anderen Bundesstaaten, etwa Kalifornien, nicht benutzt werden dürfen. Die favorisierte Clinton hatte in Stimmbezirken, in denen Wahlmaschinen benutzt wurden, deutlich schlechter abgeschnitten als in Wahllokalen, wo auf handgeschriebene Stimmzettel gesetzt worden war.

Stein zufolge sei dies eine Wahl gewesen, "in der wir überall Hacking gesehen haben." Schon vor der Wahl machten Gerüchte die Runde, russische Hacker würden den Ausgang beeinflussen. Mit ihrer Aktion möchte die Grüne das Wahlsystem selbst in den Mittelpunkt rücken, dass laut ihr anfällig für Manipulationen sei.

Keine Beweise für Unstimmigkeiten

Von den Demokraten wurde Stein für ihr Werben für eine aussichtslose Nachzählung auch kritisiert. Mit dem Versuch würde sie nur der russischen Geschichte, die US-Wahl lasse sich manipulieren, in die Hände spielen, berichtete die US-amerikanische Tageszeitung "The Washington Post". Der Rechtsberater des Clinton-Teams, Marc Elias, erklärte am Samstag, eigene Nachprüfungen hätten keine Beweise für Unstimmigkeiten erbracht.

Landesweit waren bei der Wahl am 8. November auf Clinton rund zwei Millionen mehr Stimmen entfallen als auf Trump. Die Vergabe der Wahlmänner erfolgt jedoch auf Basis der Bundesstaaten nach dem Winner-Takes-All-Prinzip: Hohe Siege zählen nicht mehr als knappe.

Darauf wies Trump auch am Sonntag hin - nicht ohne erneut eine Verschwörungstheorie in die Welt zu setzen. "Zusätzlich zum erdrutschartigen Sieg des Wahlmännergremiums, habe ich bei den direkten Stimmen gewonnen, wenn man die Millionen Leute abzieht, die illegal abgestimmt haben."

Mit Material der dpa

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