Huffpost Germany

Os­ma­nen Ger­ma­nia: Türkischer Geheimdienst soll Einfluss auf Rockerklub in Deutschland haben

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TURKEY
Os­ma­nen Ger­ma­nia: Türkischer Geheimdienst soll Einfluss auf Rockerklub in Deutschland haben | Getty/Youtube/HuffPost
Drucken
  • Experten befürchten schon lange eine Einflussnahme der türkischen Regierung auf die politische Stimmung in Deutschland
  • Neue Recherchen des "Spiegel" zeigen jetzt: Auch der türkische Geheimdienst MIT mischt offenbar kräftig mit
  • MIT-Agenten üben demnach Einfluss auf den wachsenden Ro­cker­klub Os­ma­nen Ger­ma­nia aus

Für vielen Deutschtürken ist Recep Tayyip Erdogan so etwas wie ein Heiliger. Bei seinen Auftritten in der Bundesrepublik füllt der türkische Staatschef ganze Sport-Arenen, in großen Städten gehen regelmäßig Zehntausende für ihn auf die Straße.

Doch es gibt auch eine Kehrseite: Für viele türkischstämmige Menschen in Deutschland ist seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei vieles anders. Sie fühlen sich nicht mehr sicher, werden drangsaliert und bedroht.

Offenbar mischen türkische Geheimdienstler beim Rockerklub Osmanen Germania mit

Kritiker werfen Erdogan vor, analog zu seinem aggressivem Vorgehen in der Türkei auch in Deutschland Andersdenkende unter Druck zu setzen. Sein Instrument: ein weit verzweigtes Netzwerk aus politischen und religiösen Organisationen.

(Mehrere Blogger der Huffington Post hatten im Juli diesen Jahres darum gebeten, dass ihre Texte aus dem Netz genommen werden - aus Angst vor einer Hetzjagd Erdogan-freundlicher Nationalisten.)

Jetzt sind neue pikante Details bekannt geworden: Offenbar üben Agenten des türkischen Geheimdienstes MIT im Auftrag Erdogans Einfluss auf den ra­pi­de wach­sen­den Ro­cker­klub Os­ma­nen Ger­ma­nia in Deutsch­land aus. Das berichtet der "Spiegel".

Mehr zum Thema: Erdogans Propaganda-Netz: Wie der türkische Präsident in Deutschland an Macht gewinnt

Der MIT, den die "Bild" vor einigen Monaten bereits als "Erdogans Stasi" bezeichnet hatte, soll bundesweit über 6000 Informanten verfügen.

Für die Einflussnahme auf den Rockerklub spre­che laut deut­schen Re­gie­rungs­krei­sen die po­li­ti­sche Aus­rich­tung maß­geb­li­cher Mitglie­der der tür­kisch-na­tio­na­lis­ti­schen Or­ga­ni­sa­ti­on, berichtet der "Spiegel".

So agi­tier­ten An­hän­ger des Klubs auf De­mons­tra­tio­nen und im In­ter­net ag­gres­siv ge­gen kur­di­sche Grup­pen und die Gü­len-Bewegung.

"Es ist unheimlich, wie Erdogan gegen Minderheiten vorgeht"

Bereits im August hatte Mehmet Tanriverdi, stellvertretender Vorsitzender der Kurdischen Gemeinde in Deutschland, im Gespräch mit der Huffington Post berichtet, dass die Osmanen Germania regelmäßig Schlägertrupps auf Kurden-Demos schicken. "Es ist unheimlich, wie Erdogan auch in Deutschland gegen unliebsame Minderheiten vorgeht", sagte Tanriverdi damals.

Nach Informationen des "Spiegel" gehören dem Rockerklub inzwischen mehr als 1000 Personen an. Gegründet wurde er erst im vergangenen Jahr.

Die in der Öffent­lich­keit mar­tia­lisch auf­tre­ten­den "Os­ma­nen“ be­strei­ten, na­tio­na­lis­tisch zu sein. Zudem habe man "nicht die gerings­te Ver­bin­dung zu kri­mi­nel­len Ma­chen­schaf­ten“, zitiert der "Spiegel" aus ei­ner Stel­lung­nah­me.

Anfang November hatten rund 1500 Beamte in zahlreichen Bundesländern Räumlichkeiten der "Osmanen" durchsucht und dabei Waf­fen, Mu­ni­ti­on und Dro­gen beschlagnahmt. Politiker sprachen anschließend von einem Schlag gegen die Organisierte Kriminalität.

Auch auf HuffPost:

Warum Erdogan immer gewinnen wird

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

In einem großangelegten Projekt hilft der Verein SyrienHilfe e.V. vor Ort Menschen in Not, die ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen. Seit 2012 setzen sich Ärzte, Ingenieure, Archäologen, Lehrer und Künstler in dem Bürgerkriegsland dafür ein, dass die Bevölkerung in ihrem eigenen Land ein würdevolles Leben führen kann.

Der Verein betreut Waisenkinder, organisiert medizinische Versorgung für Behinderte und chronisch Kranke und finanziert Lebensmittel und Unterkünfte.

Unterstütze sie jetzt auf www.zusammen-für-flüchtlinge.de, der zentralen Plattform für Projekte in der Flüchtlingshilfe von betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(sk)