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An die Linken: Eure Verehrung für Fidel Castro ist entsetzlich

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An die Linken: Eure Verehrung für Fidel Castro ist entsetzlich | Getty/dpa/HuffPost
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Keine Frage: Diktatur und Personenkult mögen auf manche Mitmenschen in diesem Land eine ziemlich sonderbare Faszination ausüben.

Man frage mal Björn Höcke, wer da Pate für die rhetorische Positur stand, in die sich der AfD-Politiker wirft, wenn er mal wieder irgendwo in Thüringen Dampf ablässt.

Ein gewisses Maß an Ehrlichkeit muss man den Rechtsradikalen jedoch zugestehen: Sie machen wenigstens keinen Hehl daraus, dass sie mit einem positiven Menschenbild nichts am Hut haben.

"R.I.P., Commandante Fidel Castro"

Anders ist das bei der deutschen Linken, die stets für universell argumentierte Moralvorstellungen eintritt, die für alle Menschen gelten sollen. Am Samstagmorgen, als die Nachricht vom Tode Fidel Castros um die Welt ging, haben viele Progressive ihre hehren Ideale für ein paar Momente zugunsten kruder Revolutions-Romantizismen ruhen lassen.

Die Linke zog auf Facebook den virtuellen Hut vor dem kubanischen Alt-Diktator: "R.I.P., Commandante Fidel Castro", salutierte das Social Media-Team der Partei. Und man hofft, dass die angeblich doch so pazifistische Belegschaft des Rosa-Luxemburg-Hauses nicht wirklich nach Männern mit militärischen Dienstgraden schmachtet.

Riexinger ehrt Castro als "großen Revolutionär"

Wobei: Auch Bernd Riexinger, Chef der Linken, feierte Castro am Samstag Morgen auf Twitter ebenso als "großen Revolutionär".

Unwillkürlich fühlt man sich da an die inbrünstige Begeisterung erinnert, mit der sich zahlreiche von Riexingers Parteigenossen seit 2014 auf die Seite Wladimir Putins geschlagen haben - egal, ob dieser nun Oppositionelle verhaften ließ oder mit regulären Truppen ins Nachbarland Ukraine einmarschiert ist.

Unter Castro wurden Tausende inhaftiert und getötet

Die den Linken nahe stehende Tageszeitung "Neues Deutschland" säuselte auf Facebook: "Er war einer der größten Revolutionsführer des 20. Jahrhunderts. Er beeinflusste nachhaltig den Gang der Geschichte auf dem lateinamerikanischen Kontinent. Jetzt ist Fidel Castro, Kubas 'Máximo Líder', im Alter von 90 Jahren gestorben."

Man reiche ein Taschentuch.

Fidel Castro mag sich selbst zwar als heroischer Revolutionär inszeniert haben. Doch schon in den ersten Jahren seiner beinahe ein halbes Jahrhundert dauernden Herrschaft wurde klar, dass er kaum anders war als viele andere Unterdrücker, die Lateinamerika im 20. Jahrhundert hervor gebracht hat.

Tausende wurden unter seiner Ägide inhaftiert und hingerichtet. Mit humanistischen Idealen konnte Castro nur wenig anfangen. Nicht umsonst flohen so viele Kubaner nach Florida, dass sie dort heute ein politischer Faktor sind.

Castro militarisierte Kuba. Mitte der 1970-er Jahre hatte das Neun-Millionen-Einwohner-Land insgesamt 117.000 Mann unter Waffen. Wäre die Bundeswehr im Bevölkerungsverhältnis genauso groß, dann hätte sie mehr als eine Million Soldaten.

Wie kann man Castros Taten nur schönreden?

In Angola intervenierte Castro mit bis zu 40.000 Soldaten im Bürgerkrieg. Ein blutiger Auslandseinsatz, der viele Tote gefordert hat. Aber wahrscheinlich würde die deutsche Linke viel empörter darüber denken, wären die Truppen vom "großen Satan aus Washington D.C." in den Kampf geschickt worden wären.

Wie kann man das schön reden, was Castro in all den Jahrzehnten angerichtet hat? Wie kann man in ungebremster Verehrung nun darüber hinwegsehen?

Dazu muss man schon wegschauen wollen. Oder ein ziemlich gebrochenes Verhältnis zu den eigenen Wertvorstellungen haben. Symptome, die sich bei der Linken leider allzu häufig zeigen.

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