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Nach Tod von Fidel Castro: EU-Kommissionspräsident Juncker sorgt für Twitter-Shitstorm

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EU-Kommissionspräsident Juncker erntet heftige Kritik nach Tweet zum Tod von Fidel Castro | Twitter/dpa/HuffPost
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Gewagte Worte für einen europäischen Volksvertreter.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat sich nach dem Tod des kubanischen Revolutionsführers Fidel Castro mit einem Tweet heftige Kritik eingehandelt.

Juncker schrieb am Samstagnachmittag: "Mit dem Tod Fidel Castros verliert die Welt einen Menschen, der für viele ein Held war".

Castro war tatsächlich einer der großen Revolutionäre des 20. Jahrhunderts - Fakt ist aber auch: Der "Máximo Líder" war ein Diktator, der Oppositionelle unterdrücken und hinrichten ließ. Meinungsfreiheit und Pluralismus gibt es auf Kuba bis heute nicht.

Hat Juncker das vergessen, als er seinen Tweet verfasste? Offen lässt er zudem, für wen Castro ein Held gewesen sein soll.

Auf der Webseite der EU-Kommission schreibt er zudem lapidar, dass Castro "eine der revolutionären Figuren des 20. Jahrhunderts gewesen" sei und dass er den Verlauf der Geschichte verändert habe. Kritik? Fehlanzeige.

"Ernsthaft, Juncker?"

In den sozialen Netzwerken hagelt es jetzt heftige Kritik. "Das ist ein schändliches Statement", schreibt etwa Veit Dengler, Chef der NZZ-Mediengruppe.

Ein anderer schreibt: "Ernsthaft, @JunckerEU? Kein einziges Wort über die Notwendigkeit demokratischer Reformen oder Respekt vor Grundwerten?"

Viele Twitter-Nutzer fragen sich: Wer sind denn eigentlich diejenigen, für die Castro laut Juncker ein Held gewesen sein soll? Ein Twitter-Nutzer kommentiert zynisch: "Hitler war für viele auch ein Held. Wie können Sie so etwas über Castro sagen, er ist nicht nur ein Mörder, sondern auch ein Mann, der sein Land ruiniert hat".

"War er ein Held aufgrund der Art, wie er Schwule unterdrückt hat oder war er es, weil er viele weitere Menschen unterdrückt hat?", fragt ein anderer ironisch nach.

Politiker weltweit äußerten sich zu Castros Tod

Auch andere Politiker meldeten sich nach dem Tode Castros zu Wort. US-Präsident Barack Obama reichte dem kubanischen Volk zum Tod Castros symbolisch die "Hand der Freundschaft". Die Kubaner müssten wissen, dass sie in Amerika "einen Freund und Partner haben", erklärte der scheidende US-Präsident.

Sein designierter Nachfolger Donald Trump bezeichnete den Verstorbenen als "einen brutalen Diktator, der sein eigenes Volk fast sechs Jahrzehnte unterdrückt hat".

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verwies auf die Fortschritte, die Kuba auf dem Gebiet der Bildung, der Alphabetisierung und der Gesundheit unter Castro gemacht habe.

Papst Franziskus drückte Raúl Castro in einem Telegramm sein Beileid aus. Als Zeichen seiner Wertschätzung Fidel Castros, den er bei einem Besuch in Kuba 2015 getroffen hatte, unterzeichnete Franziskus das Telegramm selbst.

Russlands Präsident Wladimir Putin bedauerte den Verlust eines Freundes für ihre jeweiligen Länder. "Fidel Castro war ein ehrlicher und verlässlicher Freund Russlands", schrieb Putin in einem Telegramm. Die Sowjetunion war bis zu ihrem Zusammenbruch Ende 1991 Kubas wichtigster politischer und wirtschaftlicher Partner.

Der chinesische Präsident Xi Jinping schrieb laut dem Fernsehsender CCTV in einem Beileidstelegramm, das chinesische Volk habe einen wahren Freund verloren. Castro habe einen unsterblichen Beitrag zur Entwicklung des Sozialismus geleistet.

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(ll)